19.04.13

Eishockey-Play-off

Den Berliner Eisbären fehlt noch ein Sieg zum Titel

Mit einem fulminanten 6:3 haben die Eisbären das Ruder in den Finalspielen wieder herumgerissen. Wenn sie am Sonntag gewinnen, wäre die Entscheidung gefallen, die Berliner wären Meister.

Von Marcel Stein

Die Frage, die es zu beantworten galt, lautete: Geht es weiter mit der Auswärtsdominanz in diesem Duell oder ändert sich das zum ersten Mal in dieser Saison? Bei den sechs Anläufen zuvor versuchte es die Heimmannschaft, egal ob die Eisbären Berlin oder die Kölner Haie, vergeblich, in der eigenen Arena zu gewinnen. In der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ebenso wie in den ersten beiden Finalspielen. Also, würde das siebte Aufeinandertreffen nun die Serie beenden?

Tat es nicht. In diesem Fall war das sehr gut für die Berliner, den Titelverteidiger, denn Austragungsort der dritten Partie war Köln. Mit 6:3 (1:1, 3:0, 2:2) setzten sich die Eisbären durch. Das heißt, dass nun am Sonntag in Berlin erstmals eine Entscheidung fallen und der neue Meister gekürt werden kann (14.30 Uhr, O2 World, ServusTV). In der "Best of five"-Serie steht es 2:1 für die Eisbären.

Dass die Haie mit einer Menge Feuer in diese Partie gehen würden, legte nicht nur der doch routiniert erspielte Sieg in Berlin am Dienstag nah. Auch beim Einlaufen ließ sich das erahnen. Gut fünf Meter hohe Stichflammen erzeugte das technische Gerät, das die Kölner Profis bei ihrem Sprint zum Mittelkreis vor Spielbeginn ins rechte Licht setzt. Gefühlt schlugen die Flammen nie höher in den bisherigen Heimspielen der Haie.

Gebrannt hat es auf dem Eis zunächst allerdings vor dem Kölner Tor. Das hatte Ähnlichkeit mit dem, was zuvor in Berlin passiert war. Da geriet das Heimteam gleich in der ersten Strafzeit unmittelbar nach dem Eröffnungsbully in Rückstand. Diesmal waren die Haie in Unterzahl – und Julian Talbot traf nach 104 Sekunden mit einem Schuss in die kurze Ecke zur Führung für die Eisbären.

Köln mit hohem Tempo

Eigentlich passte das der Mannschaft von Trainer Don Jackson perfekt ins Konzept. Kölns Trainer Uwe Krupp hatte festgestellt, dass es sich bei diesen sehr ebenbürtigen Kontrahenten leichter spielen würde mit einer Führung im Rücken. Die Partien zuvor bestätigten das auch. Das Feuer loderte für die Berliner jedoch nicht lange. Köln übernahm nach dem Rückstand die Initiative und sorgte mit hohem Tempo lange für Einbahnstraßen-Eishockey. Durch die weit aufgerückte Formation der Kölner kamen die Eisbären kaum mehr durch. Köln war einfach zu präsent und schoss durch Rok Ticar mehr als verdient den Ausgleich (5.). Es war Glück dabei, dass die Berliner nicht bald zurück lagen.

Luft verschaffte ihnen die erste Pause. Wie schon öfter in diesem Play-off zahlte sich das aus. Kölns Spielfluss war unterbrochen, die Berliner beruhigten sich und ihr Spiel. Und plötzlich passierte das, womit zuvor kaum zu rechnen war. Jim Sharrow bekam von Florian Busch den Puck in Halbdistanz vor dem Tor zugespielt, zog ab und traf (22.). Bislang war der US-Amerikaner in diesem Play-off offensiv noch gar nicht in Erscheinung getreten. Als es wichtig wurde, erzielte der Verteidiger sein erstes Tor. Gleiches galt für Mark Katic, ebenfalls Abwehrspieler. Auch er hatte nach vorn bislang gar nichts anzubieten, dann schoss er das 3:1 für den EHC (31.).

Schon der Treffer von Sharrow hatte die Kölner sichtlich aus dem Konzept gebracht, sie verloren die Sicherheit in ihren Aktionen. Natürlich auch bedingt dadurch, dass die Eisbären selbstbewusster wurden, selbst mehr nach vorn drängten und den Haien ihrerseits nicht mehr all zu viel Platz gönnten. Mit Katics Tor verschärfte sich das noch, so dass Mads Christensen per Nachschuss das 4:1 erzielten konnte (36.). Das Glück, das den Haien anfangs fehlte, stand den Berlinern bei ihren Schüssen wohlwollend zur Seite. Hochgefährlich agierten die Eisbären an sich nämlich nicht. Und Haie-Torhüter Danny aus den Birken sah nicht sehr sicher aus.

Die Haie standen damit unter enorm hohen Druck, brauchten schnell ein Tor. Das fiel auch, in der Arena brandete Jubel auf. Doch die Schiedsrichter gaben den Treffer von Chris Minard wegen Abseits nicht (41.). Für die Berliner war die Situation mit der Führung dagegen komfortabel, sie hatten sie öfter erlebt und immer gut überstanden. Sie zogen sich zurück, deckten das eigene Tor enger ab. Zwar unternahmen die Kölner unentwegte Versuche, den Abwehrriegel zu öffnen, sie schafften es aber erst spät.

Rankel trifft ins leere Tor

Es war eine Parallele zum ersten Finalspiel in Köln, als Krupp seinen Torhüter vom Eis genommen und dafür einen sechsten Feldspieler gebracht hatte. Damals hatten die Kölner den Rückstand noch verkürzen können. Und auch gestern Abend wurde es durch die Treffer von Ales Kranjc (57.) und Marco Sturm (58.) noch einmal eng. Doch EHC-Kapitän André Rankel traf mit einem Schuss ins leere Tor zum 5:3 (59.) und entschied das Spiel. Christensen erzielte noch das 6:3, ebenfalls ins leere Tor (60.). Es war das Ende einer packenden Schlussphase, die eines Play-off-Finales würdig gewesen ist.

"Wir wollten zurückschlagen nach Spiel zwei, und ich denke, wir haben gut gearbeitet. Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Es wird am Sonntag ein großes und hartes Spiel", sagte Eisbären-Goalie Rob Zepp nach der Partie ein wenig erleichtert.

Die schöne Geste eines Sponsors der Haie könnte mit dem Spiel also ihr Ende finden. Für jeden Heimspieltreffer der Haie gab es 10 Liter Freibier in dieser Saison. Stand jetzt wird eine Party mit 1190 Litern gefeiert. Diese Zahl kann sich nur noch verändern, wenn die Serie mit den Auswärtssiegen weiter anhält und die Entscheidung über die Meisterschaft erst nächste Woche Mittwoch fallen sollte.

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