20.02.13

Eishockey

Berliner Eisbären kämpfen um Konstanz in der Liga

Die Hauptrunde der DEL geht zu Ende, der Druck ist groß – und die Eisbären glauben, dass ihnen das hilft, dauerhaft besser zu spielen.

Von Marcel Stein
Foto: PA/Augenklick/Ro

Abwehrchef Frank Hördler sah gute Ansätze gegen Nürnberg. Aber gerade in der Defensive besteht noch Steigerungspotenzial bei den Berlinern
Abwehrchef Frank Hördler sah gute Ansätze gegen Nürnberg. Aber gerade in der Defensive besteht noch Steigerungspotenzial bei den Berlinern

Dass der Trainer nach einem Spiel ausgelassen lächelt, kommt in dieser Saison nicht wirklich häufig vor. Diesmal aber, als die Eisbären von Don Jackson die Nürnberg Ice Tigers bezwungen hatten (6:2), freute sich der US-Amerikaner ziemlich offensichtlich. Wenn er lacht, dann formt sein Gesicht seine Augen zu ganz kleinen Schlitzen. Und es stand daher fast zu vermuten, dass Jackson längere Zeit nicht viel gesehen hat, weil sein Dauergrinsen nicht weichen wollte.

Womöglich war die Freude so groß, weil er einen sehr erfolgreichen Kollegen besiegt hatte. Bengt-Ake Gustafsson, Nürnbergs Coach, gewann mit Schweden Olympia- und WM-Gold. Solche kleinen persönlichen Befriedigungen spielen manchmal durchaus eine Rolle.

Vielmehr aber lag sein Lachen darin begründet, dass sich sein Team im Verlauf des Spiels dem annäherte, was sich die Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für sich vorstellen. "Wir wurden besser und besser und standen im letzten Drittel gut in der Defensive", sagte Jackson.

In Iserlohn muss ein Sieg her

Gut war eines der meistgebrauchten Adjektive nach der Partie, wichtig ein anderes. Verteidiger Frank Hördler etwa fand es "wichtig, dass wir bis zum Schluss durchgezogen haben". Kapitän André Rankel sagte: "Wir haben heute viele gute Sachen gemacht." Das ließ auch die beiden Spieler sehr zufrieden dreinblicken.

Doch es bleibt das Problem, das die Berliner schon die ganze Saison verfolgt. Das sie in die schwierige Lage gebracht hat, richtig hart um den direkten Play-off-Einzug kämpfen zu müssen. Gute Spiele zeigen sie öfter mal, ein zweiter guter Auftritt danach gelingt jedoch fast nie.

War die Partie gegen Nürnberg nun die Wende zum Guten? Erreichen die Eisbären zum Ende der Hauptrunde doch noch die Konstanz, nach der sie seit Monaten vergeblich fahnden? "Wir müssen das jetzt ins nächste Spiel mitnehmen. Ein Sieg in Iserlohn wäre wichtig", sagt Hördler.

"Jedes Spiel ist jetzt schon wie im Play-off"

Der als Ziel ausgerufene Platz drei dürfte sich mit der gewohnten Berg- und Talfahrt nämlich kaum realisieren lassen. Daher besteht beim Titelverteidiger bereits jetzt eine gewisse Dringlichkeit. "Jedes Spiel ist jetzt schon wie im Play-off", sagt Rankel.

Glaubt man dem Kapitän, dann kommt das den Eisbären sogar entgegen. "Wir sind eine Mannschaft, die den Druck mag, die dann immer da ist", erzählt der 27-Jährige. Bis zur vergangenen Saison hatte diese These stets Bestand, in dieser Spielzeit gab es dafür allerdings noch keinen Beleg.

Das Viertelfinale in der Europa League gegen Wien wurde erbärmlich vergeigt, beim Winter Game in Nürnberg ging auch nicht viel. Trotzdem besteht das Team noch aus genügend Profis, die tatsächlich druckerprobt sind und in engen Situationen ihre besten Leistungen brachten. Hoffnung besteht also.

Sieg gegen Nürnberg gibt Eisbären Selbstvertrauen

Das Spiel gegen Nürnberg bot Ansätze, positiv zu denken und nicht den nächsten Rückschlag befürchten zu müssen. "Die Offensive mit dem harten Forechecking hat mir gefallen", sagt Rankel. Das letzte Drittel, als sich auch das Defensivspiel geordnet hatte, fand er am besten.

Auf die Abwehrarbeit zuvor, nun ja, soll hier lieber nicht mehr eingegangen werden. Wichtig sei gewesen, dass es irgendwann funktioniert hat, so wie andere Kleinigkeiten auch. "Alles, was du richtig machst, gibt Selbstvertrauen", sagt Hördler.

Solche vermeintlichen Schlüsselerlebnisse gab es aber schon einige Male, deshalb wird es mehr auf die Einstellung der Mannschaft in den nächsten Wochen ankommen. Die Worte des Kapitäns weisen die Richtung: "Wenn wir den Extraschritt auf dem Eis machen, sind wir eine sehr gute Mannschaft." Rankel sagt auch: "Wir müssen uns zwingen, 100 Prozent zu geben."

Die nächsten Spiele sind ein Fingerzeig für das Play-off

Wäre all das selbstverständlich bei den Berlinern, müsste es der Kapitän wohl nicht so betonen. Die vielen Titel in den vergangenen Jahren machen es eben nicht leicht, in jedem Spiel ans Limit zu gehen. Und wer dazu nicht bereit ist, kommt nicht mehr weit in der DEL. Das wissen jetzt auch die Eisbären.

Aber nun gibt es ja den ganz realen Druck, nicht noch aus den sicheren Viertelfinalrängen zu purzeln. Der Play-off-Charakter der Partien gerät zum Alltag. Iserlohn etwa wird am Freitag kratzen und beißen, um die quasi letzte Chance auf das Pre-Play-off nicht zu verspielen. Am Sonntag kommt Krefeld nach Berlin, jenes Team, das jetzt Rang drei belegt. Danach folgen noch fünf Partien, drei davon daheim.

Es ist die letzte Möglichkeit, die lang ersehnte Konstanz zu finden. Gelingt das wieder nicht, darf das als Fingerzeig darauf gewertet werden, was im Play-off zu erwarten ist vom Meister.

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