03.02.13

Eishockey

Eisbären dominieren gegen Ingolstadt und verlieren 0:1

Die Berliner hatten das Spiel lange im Griff, vergaben aber viele Chancen. Die Konsequenz: Fünf Minuten vor Schluss schlugen die Gäste zu.

Von Marcel Stein
Foto: dpa

Niederlage: Trotz guter Möglichkeiten verloren die Eisbären in der O2 World gegen Ingolstadt
Niederlage: Trotz guter Möglichkeiten verloren die Eisbären in der O2 World gegen Ingolstadt

Eigentlich hätte Don Jackson am Sonntag gar nicht mehr sagen müssen, wie es um seine Gemütslage bestellt ist; es war ihm deutlich anzusehen.

Mit fest verkniffenen Lippen schüttete er sich ein Glas Wasser ein, dann nahm er einen Schluck und ließ das Getränk mit mürrischem Blick die Kehle hinunterlaufen. Der Mann hatte einfach genug, was Jackson auch bestätigte: "Das hat am Ende keinen Spaß gemacht."

Langsam fühlt es sich so an, als würde dieser Satz ein ziemlich passendes Motto über dieser Saison sein für den Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Denn einmal mehr war die Mannschaft des EHC Eisbären nicht in der Lage, sich in einer wichtigen Situation zu behaupten.

Zwar unterlag der Meister durchaus unglücklich gegen den ERC Ingolstadt mit 0:1 (0:0, 0:0, 0:1). Aber die Niederlage war eben auch symptomatisch.

Jackson hat keine Erklärung

Zwei Tage zuvor noch strahlten die Berliner, da hatten sie die Adler Mannheim geschlagen (4:3) und selbst zwei plötzlichen Ausfällen in der Abwehr getrotzt. Damit rutschten sie sogar erstmals seit zwei Monaten wieder auf den dritten Platz der Tabelle.

Was nun aufgrund der Konstellation zu der Möglichkeit führte, in Ingolstadt einen Konkurrenten im Kampf um die sicheren Viertelfinalplätze zu distanzieren. Da der Zweite und der Vierte der Tabelle am Abend gegeneinander antraten, bestand auch hier Chance zu profitieren und den Abstand nach vorn zu verringern oder den nach hinten zu vergrößern. War das nicht eine verpasste Chance, Herr Jackson? Der war sichtlich genervt. "Wir haben nicht für alles Erklärungen", blaffte er.

Seine gereizte Antwort implizierte, dass er dieser Gelegenheit sehr wohl hinterhertrauerte. Und dass es ihm gar nicht gefällt, dass bei seiner Mannschaft in dieser Saison auf jedes Licht regelmäßig der Schatten folgt. Und dieser immer genau dann einsetzt, wenn sich wichtige Konstellationen ergeben. Und er anscheinend daran nichts ändern kann.

Gegen Ingolstadt etwa hatten die Berliner drei Verteidiger mehr zur Verfügung, denn in Ryan Caldwell gab ein Neuling sein Debüt. Der offerierte bei seinen Einsätzen die erhoffte Stabilität. "Er bringt Ruhe rein und spielt körperbetont, er wird wichtig für uns werden", sagte Jackson anerkennend. Insgesamt hatte er auch keine schlechte Eisbären-Mannschaft gesehen, aber eine, die in den entscheidenden Situationen nicht gut reagiert hat.

Das setzte Jackson zu. "Wir haben in diesem einen Spielzug vom Angriff aus bis bis nach hinten zum Tor drei Fehler gemacht. Das ist schlecht. Und wir haben drei Schüsse zugelassen", sagte der Trainer. Der dritte war dann drin, Kristopher Sparre nutzte das Nachschussfestival zum Siegtreffer (55.).

Kurz zuvor hatten es die Berliner ihrerseits versäumt, bei fast zweiminütiger doppelter Überzahl dem Spiel eine andere Wendung zu geben. Es war ein schwaches Powerplay ohne gute Abschlüsse. "Der Torhüter hat zu viele Pucks gesehen. Wir stehen zu viel neben dem Tor und nicht davor", schimpfte Jackson.

Das war gegen Ingolstadt öfter zu beobachten, im Hochgefühl des Mannheim-Sieges versuchten es die Eisbären wieder mit etwas mehr Leichtigkeit. Es wurde hübsch kombiniert, so lange, bis die Spielzüge zu komplex wurden. Vom einfachen Spiel, das stetig als Ziel ausgegeben wird, hatten sie sich weit entfernt. Der guten Defensive der Ingolstädter bereitete es dadurch nicht sonderlich viel Mühe, die Berliner auf Abstand zu halten.

"Wir hätten heute noch drei Drittel spielen können", sagte Kapitän André Rankel. Und wie wertete er das mit der verpassten Chance? "Im ersten Moment sieht es so aus, als wäre das ein Rückschlag", sagte der Nationalspieler: "Aber wir sind auf einem guten Weg. Vorher wurde immer über die Defensive geredet, die war aber gut." Diesmal fehlten nur die Tore, irgendwas ist eben immer.

Freie Tage für die Verlierer

Für die meisten der Berliner ist jetzt Erholung angesagt, sechs Tage gibt Jackson der Mannschaft frei, um neue Energie für die letzten zehn Spiele der Hauptrunde zu sammeln.

Die Nationalspieler können diesen Luxus allerdings nicht genießen, sie müssen in Bietigheim-Bissingen um die Qualifikation für die Olympischen Spiele kämpfen. Drei Partien sind zu absolvieren, dafür hat Bundestrainer Pat Cortina gleich fünf Berliner (Rankel, Frank Hördler, Constantin Braun, Jens Baxmann, Rob Zepp) berufen und damit so viele Spieler wie aus keinem anderen Klub. Das macht Manager Peter John Lee zunächst stolz, für den Verein ist es im Rennen um die beste Ausgangsposition für das Play-off jedoch auch ein kleiner Nachteil.

Denn die Beanspruchung bei der Nationalmannschaft ist ebenso hoch wie der Druck, nicht erstmals überhaupt die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu verpassen. Druck haben nun auch die Berliner wieder ein bisschen mehr, wenn es ab der Partie gegen Düsseldorf am 15. Februar (19.30 Uhr, O2 World) in die letzten Hauptrundenspiele geht, denn die Konkurrenz hat ihre Chance genutzt und ist näher gekommen.

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