03.02.13

Eishockey

Neu-Berliner Caldwell soll Eisbären-Abwehr stabilisieren

Beim Heimspiel gegen Ingolstadt gibt Ryan Caldwell sein Debüt im EHC-Trikot. Eingelebt hat sich der Ex-NHL-Spieler im Eiltempo.

Foto: picture-alliance/DeFodi

Erfahren: Ryan Caldwell spielte bereits in der NHL und der DEL
Erfahren: Ryan Caldwell spielte bereits in der NHL und der DEL

Wie ein Neuer wirkte er nicht. Ryan Caldwell lachte viel, rempelte ein paar Mal mit Constantin Braun rum, so als würden die beiden sich schon ewig kennen. Auch mit Barry Tallackson plauderte er während der Übungen andauernd. Probleme, sich in eine neue Umgebung einzufinden, zumindest menschlich, die hat der Kanadier offenbar nicht. Das war die Erkenntnis des ersten Trainings, das Caldwell bei den Eisbären Berlin absolvierte.

Gewissermaßen hatte der 31-Jährige leichtes Spiel, er traf auf die Mannschaft einen Tag nachdem die in Mannheim die hoch favorisierten Adler geschlagen hatte (4:3) und auf den dritten Platz in der Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vorgerückt war. Der Titelverteidiger befand sich, was in dieser Saison noch nicht so häufig vorgekommen ist, im Stimmungshoch – auch weil der Sieg trotz des Ausfalls zweier Verteidiger und einer damit torsogleichen Abwehr errungen wurde.

Caldwell als Investition in die Kadertiefe

Sportliche Erkenntnisse ließen sich aus dem ersten Training dagegen nicht ziehen. "Ich weiß noch nicht, mit wem ich auflaufen werde", sagte Caldwell, der am Sonntag gegen Ingolstadt sein erstes Spiel für den EHC absolvieren wird (14.30 Uhr, O2 World). In jedem Fall wird er die Abwehr verstärken, denn er ist Verteidiger. In welchem Maß er tatsächlich als Verstärkung betrachtet werden kann, wissen die Berliner selbst nicht. Deshalb bezeichnen sie ihn auch eher als Investition in die Tiefe des Kaders. Die schwankte durch permanente Verletzungen und Krankheiten nämlich häufig in dieser Saison.

Genaugenommen hatte die Abwehr des Titelverteidigers nie die Sollstärke. Vergangenen Sommer gingen in Richie Regehr und Nick Angell zwei erfahrenen Defensivkräfte andere Wege. Nur ein junger Verteidiger, Mark Katic, kam hinzu. Es war ein Missverhältnis, das letztlich der Stürmer Julian Talbot als Aushilfe in der Abwehr auffangen sollte. Den Versuch war es wert, als die beste Lösung jedoch erwies es nicht. "Wir hoffen, dass wir Julian jetzt wieder nach vorn nehmen können", sagt Manager Peter John Lee.

2009 mit Düsseldorf im Finale gegen Berlin

Für Caldwell entschied sich Lee, weil der Erfahrung hat, auch in der DEL. Zwei Jahre spielte er in Düsseldorf, war 2009 Finalgegner der Eisbären. "Aus dieser Zeit habe ich eine gute Erinnerung an den Klub. Für mich ist das eine gute Möglichkeit hier", erzählt Caldwell.

Zuletzt spielte er zweieinhalb Jahre in Finnland, mit ordentlichen Statistiken. "Er hat seine Sache dort gut gemacht", findet Lee. Obwohl es zuletzt in Rauma nicht mehr gepasst hat. "Dafür gibt es viele Gründe", sagt der Kanadier zu den Ursachen.

Vier NHL-Spiele für New York und Phoenix

Um die Statistiken geht es den Berlinern nicht unbedingt, was sie neben Tiefe suchen ist Ruhe und Abgeklärtheit. Die kann Caldwell bieten. "Ich denke, ich bin ein solider Verteidiger", erzählt er. Immerhin verschaffte ihm das vier Auftritte in der NHL, zwei für die New York Islanders und zwei für die Phoenix Coyotes. Ein Andenken daran trägt er noch mit sich herum. Als er in Berlin ankam, hatte er einen Teil seiner Sachen in der Tasche mit dem Label der Islanders.

Seine Stärke liegt eher von dem eigenen Tor, das weiß Lee noch aus der Zeit, als Caldwell für die DEG spielte. "Er ist einer, gegen den es nicht einfach ist zu spielen. Zwar kann er jede Rolle annehmen, aber sehr gut ist er schon in der Defensive", sagt Lee. Einer sonst offensiv ausgerichteten Mannschaft sollte so ein Spieler ganz gut tun und etwas mehr Stabilität in die anfällige Abwehr bringen können.

Nach Ingolstadt-Spiel folgt Länderspielpause

Wie genau sein Einsatzplan aussieht, darüber weiß Caldwell selbst nicht viel. Trainer Don Jackson hatte ja noch keine Zeit für ihn. "Wir haben bisher kaum über meine Rolle gesprochen", sagt er. Ganz so wichtig fand er es auch nicht: "Ich will erst mal ankommen und mich an Team und Stadt gewöhnen." Dabei kommt ihm entgegen, dass nach der Partie gegen Ingolstadt zunächst Länderspielpause ist.

Sorgen, dass irgendetwas nicht klappen könnte, macht er sich aber nicht. "Ich kenne doch die Liga, dass sollte alles gut passen", sagt Ryan Caldwell. Wenn er sich als Neuling ebenso schnell in das Spielsystem der Berliner einfügt wie am Sonnabend menschlich ins Team, wäre das allerdings eine erstaunliche Leistung.

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