01.02.13

Eishockey

Warum der Druck auf Eisbären-Schlussmann Rob Zepp steigt

Die Eisbären haben viele neue Spieler. Das bekommt auch der Tormann zu spüren. Rob Zepp über Veränderungen beim EHC und in seinem Job.

Von Marcel Stein
Foto: picture alliance / dpa

Veränderte Spielweise: Torhüter Rob Zepp muss mehr Pucks halten als früher
Veränderte Spielweise: Torhüter Rob Zepp muss mehr Pucks halten als früher

Besondere Spiele sind die Begegnungen des EHC Eisbären und der Adler Mannheim immer, schließlich vereinen sie die meisten Meisteritel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf sich. Aus dem Streben danach, die Besten zu sein, erwuchs eine große Rivalität – und die erlebt an diesem Freitag ein Jubiläum: Zum 100. Mal treffen beide Klubs aufeinander.

Wollen die Berliner ausgleichen und den 50. Sieg einfahren, wird besonders ein Mann gefragt sein: Torhüter Rob Zepp. Der spielt eine großartige Saison, dennoch haben die Berliner den Anschluss an den Zweiten aus Mannheim längst verloren.

Berliner Morgenpost: Herr Zepp, in Mannheim treffen Sie auf eines der beiden Spitzenteams. Wie gehen Sie in das Spiel?

Rob Zepp: Für einen Torhüter bietet Mannheim eine gefährliche Mischung. Sie sind sehr gut darin, meinen Job sehr schwer zu machen, in dem sie viel Betrieb vor dem Tor veranstalten. Außerdem verfügen sie über ein gutes Überzahlspiel.

Heißt das, dass Sie noch mehr zu tun haben als sonst?

Ich weiß nicht, ob es mehr wird, aber es wird anders.

Anders ist in dieser Saison vieles. Früher bekamen Sie wenige Schüsse aufs Tor, jetzt mit die meisten in der Liga. Sind das noch die Eisbären, die Sie kennengelernt haben?

Zunächst einmal ist jedes Jahr ein bisschen anders, dieses aber offensichtlich etwas mehr. Es gibt so viele neue Gesichter, das ist der eine Teil. Auf der anderen Seite lassen wir unheimlich viele Chancen zu. Grundsätzlich ist mein Job noch derselbe: Ich muss die Pucks halten. Das ist aber schwieriger geworden. Sonst stand ich wegen unserer aggressiven Spielweise meistens Kontern und Alleingängen gegenüber und hatte daneben weniger zu tun. Jetzt gibt es viel mehr permanenten Druck, weil wir anders spielen.

Trotz der vielen Wechsel gibt es immer noch drei Nationalspieler in der Abwehr vor Ihnen, aber die Probleme wollen nicht enden. Woran liegt es noch, dass keine Stabilität in die Defensivarbeit kommt?

Die anderen Mannschaften wissen immer besser, was sie gegen uns tun müssen. Und wir befinden uns als Team wegen der neuen und auch der jungen Spieler noch immer in einer Lernphase.

Der Klub kann sich glücklich schätzen, Sie in so einer Phase im Tor zu haben, denn Sie werden offenbar mit jedem Jahr besser. Sie absolvierten die meisten Spiele ohne Gegentor in der Liga, haben trotz der erschwerten Bedingungen eine hohe Fangquote.

Trotzdem gewinnen und verlieren wir zusammen.

Weil die Vorderleute nicht gut genug sind, haben Sie trotz Ihrer starken persönlichen Leistungen den schlechtesten Gegentorschnitt, seit Sie im Klub sind. Ist das nicht frustrierend für jemanden, der so nach Perfektion strebt wie Sie?

Jede Saison versuche ich, mich durch harte Arbeit zu verbessern. Auf Statistiken schaue ich dabei erst am Saisonende. Ich weiß aber, dass wir nicht so viele Spiele gewinnen wie früher, das ist frustrierend. Andererseits liegen wir einen Punkt hinter Platz drei, dafür würden andere Teams alles geben. Doch wir haben in der Vergangenheit so hohe Standards gesetzt, dass nur noch das Beste gut genug ist.

Vorher schaute alles auf den Angriff und die vielen Tore. Weil sich das Spiel nach hinten verlagert hat, stehen Sie mehr im Mittelpunkt. Gefällt Ihnen das ein bisschen?

Ach, ich konzentriere mich so sehr auf meinen Job, dass alles andere außerhalb meines Fokus' liegt. Natürlich ist es auch schön, für seinen Job wahrgenommen zu werden. Es fühlt sich aber besser an, mit der Mannschaft etwas zu gewinnen, als den Titel des besten Torwarts zu erhalten.

Spüren Sie es eigentlich körperlich, dass Sie so viel arbeiten müssen wie nie zuvor?

Wenn du mehr Schüsse auf dein Tor bekommst, dann ist das natürlich härter. Da ich viel an meiner Kondition arbeite und auch sonst auf mich achte, fühle ich mich körperlich aber sehr gut. Ich musste mich auch nicht groß anpassen, denn ich spiele technisch einfach, das heißt, ich springe nicht viel herum, sondern bleibe lange in der Position. Das hilft, Energie zu sparen.

Die Mannschaft hatte ebenso das Glück, eine Zeit lang mit den NHL-Stars Claude Giroux und Daniel Briere arbeiten zu dürfen. Profitiert das Team noch davon?

Ohne die beiden wären wir nicht da, wo wir stehen. Sie haben uns gezeigt, was nötig ist, um auf ihr Niveau zu gelangen. Besonders Daniel hatte in seiner Karriere viel Erfolg, aber er ist so geerdet und professionell, das war für alle eine Lektion.

Durch beide sollte die Entwicklung aller vorangetrieben werden. Was ist von dieser Absicht Realität geworden?

Eine Entwicklung passiert nicht über Nacht, sondern mit der Zeit. Der Effekt wird sich also erst später zeigen. Aber Laurin Braun ist jetzt schon ein gutes Beispiel, er fragt mich nach jedem Training, woran wir heute arbeiten wollen. Dabei bringt er oft Daniel ins Spiel und was er tun würde. Er hat erkannt, dass es sich lohnt, etwas von Daniel zu übernehmen.

Sie haben immer sehr viel mit Briere geredet, selbst während der Spiele. Worüber?

Wir haben uns einfach gut verstanden. Oft ging es um bestimmte Situationen, im Training allgemein um Eishockey. Auch privat haben wir viel geredet, das tun wir auch jetzt noch.

Bis zum Play-off ist es nicht mehr weit. Was kann noch kommen?

Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen. Wenn wir es schaffen, unser Spiel zu spielen, gehören wir zu den Besten. Das würde sich dann umso besser anfühlen, weil es ein langer Weg war.

Sie sind mit den Eisbären auch einen langen Weg gegangen in ihren sechs Jahren hier. Ihr Vertrag endet, wissen Sie schon, was Sie machen?

Noch habe ich mich für nichts entschieden. Es ist immer schön zu sehen, welche Optionen du hast, welchen Wert. Aber meine Familie und ich leben hier schon lange und wurden sehr gut behandelt. Es bedürfte einiges, um uns hier wegzuholen.

Und wenn die Perspektiven nicht mehr so wären wie in den vergangenen Jahren mit etlichen Titeln?

Aus diesem Grund würde ich dem Klub nie den Rücken kehren.

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