27.01.13

Eishockey

Mitleid mit Eisbären-Neuling Corey Locke

Die Schwäche-Phase des Titelverteidigers macht es dem Stürmer Corey Locke schwer, sich in die Mannschaft einzufinden.

Von Marcel Stein
Foto: dpa

Corey Locke (l.) soll bei den Berlinern Akzente setzen
Corey Locke (l.) soll bei den Berlinern Akzente setzen

Er war zu sehen, aber kaum zu hören. Obwohl sich die Lippen von Corey Locke bewegten. Um ihn zu verstehen, musste man schon sehr nah heranrücken an den Kanadier. Was den Eindruck erzeugte, dass sein erster Auftritt in der O2 World ihm ein wenig Angst gemacht hatte. Angesichts der Kölner Überlegenheit war das gar nicht abwegig. "Es war ein schwerer Abend", flüsterte der neue Stürmer des EHC Eisbären in die Runde nach dem 1:3 gegen den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Auf die Stimme geschlagen hatte ihm die Niederlage jedoch nicht, Corey Locke ist einfach ein leiser Typ.

Vorher im Spiel, da ist er nicht nur nicht zu hören gewesen, sondern auch kaum zu sehen. Unauffällig nennt man so ein Heimdebüt dann. Es war sein drittes Spiel mit den Eisbären, er muss sich anpassen. "Da gibt es noch an einigen Dingen zu arbeiten", sagt er. Das fängt mit dem eigenen Körper an. "Er ist nicht topfit, weil er in Finnland nicht so viel gespielt hat", sagt Trainer Don Jackson. Vor zwei Wochen holten die Berliner den 28-Jährigen von TPS Turku, um dem Offensivspiel mehr Kraft zu geben und die Defensive so zu entlasten. Gegen die Kölner Haie fand das Offensivspiel des Titelverteidigers jedoch kaum statt.

Die Gründe dafür sind vielfältig, das macht es für Locke noch schwerer, sich in der neuen Umgebung einzufinden. Sein Talent lobt er Trainer: "Er ist an der Scheibe sehr schlau." Im fragilen Gesamtbild der Eisbären fällt das aber bisher nicht auf. "Wir haben noch nicht gesehen, was er kann", sagt Manager Peter John Lee. "Er tut mir ein bisschen leid, dass er da jetzt durch muss. Die Mannschaft ist in einer schlechten Phase."

Nur wenig Orientierung

Schon in einem funktionierenden Team ist es für neue Spieler bei den Eisbären nie leicht, schnell zur Bestleistung zu gelangen. Die Berliner pflegen einfach ein kompliziertes Spielsystem. Wenn es dann im Team nicht läuft, steht ein Neuer wie Locke vor einem echten Problem. Es gibt nur wenig, woran er sich orientieren kann. Zwar spielt er an der Seite von Matt Foy, weil beide sich von früher kennen. Aber der war lange verletzt und wurde nach der Partie gegen Köln von Jackson als einer der schlechtesten Spieler getadelt.

Einen guten zu benennen, wäre deutlich schwerer geworden, abgesehen von Torhüter Rob Zepp. Der Meister wird seine Probleme einfach nicht los. In dieser Saison finden die Eisbären nicht zur Konstanz. Die Profis sind meist damit beschäftigt, mit sich selbst klarzukommen; sich dann noch um das Spielsystem zu kümmern und das Verständnis mit den Kollegen, überfordert sie. "Dass wir auf dem vierten Platz stehen, ist schon ein bisschen Glück, so wie wir spielen", sagt der Manager demütig. Wenn dann noch viele Akteure unter der Woche wegen Verletzungen ausfallen und nicht trainieren, am Wochenende aber überraschend auflaufen müssen, statt sich auszukurieren, hilft das natürlich nicht. Es zeigt eher, in welch kritischem Zustand sich die Mannschaft befindet. Den Berlinern fehlt es trotz eines großen Kaders an der nötigen Tiefe. Das gab es lange nicht beim Meister.

Anpassung soll schnell gehen

Mit Locke reagierten die Eisbären schon auf dieses Problem. Mit etwas Zeit zur Eingewöhnung kann er dieses Defizit wohl auch mindern. "Es soll schnell gehen mit der Anpassung, hoffentlich klickt es schon am Sonntag", hauchte er am Freitag in die Aufnahmegeräte. Nach der Partie gegen die Haie folgt bereits das nächste Spitzenspiel gegen die Hamburg Freezers, den Dritten der Tabelle (14.30 Uhr). Noch eine Niederlage würde nicht nur den vierten Platz gefährden, sondern bald auch die direkte Viertelfinal-Qualifikation, die mit Platz sechs endet.

Ein bisschen Mut macht Peter John Lee der Umstand, dass die Haie in Bestbesetzung antraten und sein Team das Spiel trotz aller Sorgen lange offen halten konnte. Mit etwas weniger Problemen, so sein Schluss, müsste also mehr drin sein. Ähnlich denkt offenbar auch Uwe Krupp, der Trainer der Haie. "Die Mannschaften nehmen sich nicht viel, es hängt ein bisschen von der Tagesform ab", sagte er nach dem Spiel. Vielleicht wollte er aber auch nur ein bisschen nett sein. Für Neuling Corey Locke ist das egal, er muss erst einmal seine Normalform finden. Vielleicht spricht der Kanadier dann ja doch mit etwas festerer Stimme.

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