07.01.13

Eishockey

Ohne NHL-Stars - Die Eisbären in der Transferfalle

Weil die NHL startet, verlassen Briere und Giroux die Berliner. Ohne die Stars lief es zuletzt schlecht - sogar die Play-offs sind in Gefahr.

Von Marcel Stein
Foto: dpa

Hoffnung: Matt Foys (r.) kraftvolle Auftritt können den Berliner Eisbären helfen
Hoffnung: Matt Foys (r.) kraftvolle Auftritt können den Berliner Eisbären helfen

Claude Giroux war schnell. "Es ist ein wunderbarer Tag für das Eishockey", twitterte der Kanadier am Sonntag. Er war froh über die Nachricht, dass die nordamerikanische Profi-Liga NHL ihren Spielbetrieb schnellstmöglich wieder aufnimmt und er spielen kann. Klar, er hätte zuvor auch noch in Berlin bei den Eisbären ein bisschen über das Eis flitzen können, doch nach einer Verletzung erschien ihm das wohl zu riskant. Er reiste nach Kanada und wartete dort auf das Ende des Lockouts in der NHL.

Also kein Giroux mehr, auch kein Daniel Briere, die beide die Pause in der NHL für einen unterschiedlich langen Ausflug in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) genutzt haben. "Wir spielen jetzt so, wie wir vor der Saison geplant haben", sagt Trainer Don Jackson. Da drängt sich sofort die Frage auf, ob dieser Plan wirklich so gut war. Drei Spiele hatte Briere zuletzt wegen einer Verletzung verpasst, alle drei wurden verloren. Am Sonntag hieß es in Hannover 1:4. Die Scorpions liegen als Neunter damit nur fünf Punkte hinter dem Titelverteidiger. Der ist zwar noch Fünfter, kann aber nicht mehr sicher sein, dass Play-off-Viertelfinale als einer der ersten Sechs der Tabelle sicher zu erreichen.

Briere und Giroux fehlen der Eisbären-Offensive

Mit Briere und Giroux musste sich darüber niemand Sorgen machen, mit ihnen war die Offensivkraft so groß, dass es schon gereicht hätte. Nun aber sieht alles wieder anders aus. Haben sich die Berliner zu sehr darauf verlassen, dass der Lockout anhält und sich verpokert? Wäre es sinnvoller gewesen, so wie Köln auf NHL-Profis zu verzichten und sich gleich mit guten Spielern zu verstärken, die die ganze Saison bleiben? "Köln war nicht in unserer Situation. Wir hatten viele Verletzungen, deshalb haben wir die Jungs geholt, nicht nur als Show", sagt Manager Peter John Lee. Er wollte die Ausfälle von Constantin Braun und Darin Olver mit den Verpflichtungen auffangen. Mit der Hoffnung, dass die Mannschaft zum Lockout-Ende auch ohne die NHL-Profis stabil ist. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Die Eisbären tun sich genauso schwer wie zu Saisonbeginn ohne die Verletzten und ohne Briere und Giroux.

Das spricht dafür, dass Lees Transfertaktik diesmal nicht gegriffen hat. Zugänge wie Jamie Arniel genügen bei weitem nicht, um Spieler wie Sven Felski (Karriereende) zu ersetzen. In der Abwehr wurde nach dem Wechsel von Richie Regehr und der überraschenden Entscheidung von Nick Angell, seinen Vertrag aufzulösen, nur Mark Katic geholt. Und der hat die Saison davor wegen einer Verletzung fast komplett verpasst.

Den Berlinern fehlt es an Substanz

Nun geht es in der Abwehr nach über der Hälfte der Hauptrunde drunter und drüber. "So bald Trubel ist, rennen alle blind hin", sagt Stürmer Laurin Braun. Bezeichnend ist, dass Lee in Julian Talbot, der eigentlich Stürmer ist, zuletzt aber in der Abwehr spielen musste, einen der besten Verteidiger sieht. "Das zeigt, dass wir einiges zu tun haben", so Lee. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass er es versäumt hat, den Qualitätsverlust im Sommer auszugleichen. Der Mannschaft fehlt es an Substanz. Dass wegen des zeitweiligen Überangebots an Stürmern Daniel Weiß nach Nürnberg ausgeliehen wurde, erscheint ebenfalls nicht mehr weitsichtig.

Noch bleibt die Möglichkeit, Spieler zu verpflichten, über zwei offene Lizenzen verfügen die Eisbären. Allerdings ziehen aus ganz Europa die NHL-Spieler ab, viele Klubs suchen nun Ersatz und der Markt wird in Hektik geraten. "Wir müssen sehen, ob jemand dabei ist, der die Mannschaft besser machen kann", sagt Lee. Bis zum 31. Januar hat er Zeit, dann endet die Transferfrist. Doch die unklare Marktsituation dämpft offenbar seine Erwartungen. Unbedingt reagieren müsse man nicht, so Lee. Das hört sich derzeit nach einer sehr mutigen Meinung an.

Matt Foy vor der Rückkehr

Andererseits bräuchten Zugänge eine ganze Weile, um das schwierige Offensivsystem des EHC zu erlernen. Einfacher würde es dadurch auch erst einmal nicht für den Meister. Dessen Lage wirkt verzwickt. Wie ein Titelkandidat stehen die Berliner, die am Dienstag in Hamburg spielen, in dieser Saison nicht da. Wenigstens kehrt Matt Foy (Rippenbruch) bald zurück. Der Neuling erwies sich nach anfänglichen Schwierigkeiten als gute Wahl. Aber er ist eben kein Briere – und auch kein Giroux.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Eishockey

Eisbären verlieren erstes "Winter Game"

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Sonderabgabe Zukunft des "Soli" spaltet Länderchefs
Ebola Dieses Flugzeug soll Leben retten
Fans besorgt Angelina Jolie hat gesündigt
Per Zufall Bibliothekar findet Shakespeare-Original
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Transport mal anders

Unterwegs per Elektro-Einrad oder schwimmendem Bus

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote