05.01.13

Eishockey

Eisbären wollen im Rekordspiel gegen Nürnberg glänzen

Das Open-Air-Stadion in Nürnberg bietet neben einem großen Spektakel für die Zuschauer auch neue Herausforderungen für die Berliner.

Von Marcel Stein
Foto: dapd

Im Nürnberger Stadion erinnert nicht mehr viel an Fußball.
Im Nürnberger Stadion erinnert nicht mehr viel an Fußball.

Also mit der Qualität sieht es ganz gut aus. Erst waren die Spieler der Nürnberg Ice Tigers mit ihren Familien auf dem Eis gewesen, am Freitag auch die des EHC Eisbären nebst Anhang.

Was Patrick Reimer anschließend zu sagen hatte, war vielleicht nicht sonderlich charmant gegenüber den Damen, aber immerhin ein Kompliment an die Eismeister. "Selbst unsere Frauen, die nicht so gut Schlittschuhlaufen können, sind ganz gut zurechtgekommen", erzählte der Stürmer der Ice Tigers nach der familiären Erkundung der Spielfläche der temporär größten Freiluft-Eishockeyarena Europas.

Als beide Mannschaften die Umgebung erforschten, wurde im Nürnberger Stadion überall noch gewerkelt. Die letzten Überbleibsel, die an Fußball erinnerten, verschwanden.

Mit einem weißen Teppich – passend zum "Winter Game", wie dieses einmalige Open-Air-Spiel getauft wurde – wurden Rasen und Laufbahn abgedeckt. An den Banden montierten Arbeiter die Werbebanner, auch die Anzeigetafel wurde installiert. "Ich habe vieles erwartet, aber erst als ich im Stadion war, habe ich gesehen, wie viel Arbeit da drinsteckt", sagt EHC-Verteidiger Frank Hördler zum Umbau der Arena, in der an diesem Sonnabend das meistbesuchte Ligaspiel des europäischen Eishockeys stattfindet (16.30 Uhr, Servus TV).

50.000 Zuschauer im Stadion

Nicht wenig Aufwand mussten zuletzt auch die Trainer beider Mannschaften betreiben, um ihre Teams wieder in die Spur zu bringen. Vor der Saison ließ sich vermeintlich leicht ein echtes Spitzenspiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) prognostizieren, also genau das richtige zu diesem einmaligen Anlass vor 50.000 Zuschauern. Gerade die Nürnberger taten sich im Sommer darin hervor, die Ausgaben deutlich zu steigern und die Saison als einer der Favoriten auf den Titel anzugehen. Die Berliner mussten nicht mehr investieren, da sie als Titelverteidiger ohnehin das Maß der Dinge darstellen.

Hinter den Erwartungen hängen beide Klubs aber immer noch hinterher. In Nürnberg kostete das Trainer Jeff Tomlinson, der zehn Jahre bei den Eisbären tätig gewesen war, im Dezember den Job. "Ich war überrascht, dass er sich dort nicht durchsetzen konnte", erzählt Hördler. Gleich vier Spieler, unter anderem Kapitän Reimer, brachte Tomlinson im Sommer aus Düsseldorf mit, wo er in seinen beiden ersten Jahren als Cheftrainer sehr erfolgreich arbeitete. Aber viele Verletzungsprobleme, der große Umbruch und auch "negative Energie von außen", wie Tomlinson es nannte, störten zu sehr.

Fehlende Unterstützung aus der NHL

Viel umzubauen hatte auch Don Jackson bei den Eisbären. Altgediente Leistungsträger beendeten ihre Karriere oder gingen weg, aufgefüllt wurde überwiegend mit Perspektivkräften. Das führte zu einem wellenförmigen Saisonverlauf mit vielen Höhen und Tiefen. Inzwischen fehlt sogar die Unterstützung aus der NHL, wo wegen eines Gehaltsstreits pausiert wird: Nach Claude Giroux hat sich auch Daniel Briere verletzt. Zudem pausiert Matt Foy.

Trotzdem befinden sich die Berliner in ihrer bisher besten Saisonphase. "Man kann gar nicht sagen, dass wir viel anders machen", so Hördler, "wir ziehen einfach an einem Strang." Nach vier Siegen in Folge und einer Niederlage mit Punktgewinn beim Tabellenführer Krefeld zum Jahresabschluss hält der Meister als Fünfter Kontakt zur Spitzengruppe. "Mit den Punkten kommt das Selbstvertrauen zurück", sagt Abwehrspieler Hördler. Nürnberg kämpft mit dem neuen Trainer Bengt-Ake Gustafsson darum, sich direkt für das Viertelfinale zu qualifizieren. Als derzeitiger Siebter wäre ein Umweg über das Pre-Play-off nötig.

Mit Blick auf die für seine Mannschaft schwierige Saison erachtet Peter John Lee das "Winter Game" als willkommene Abwechslung. "Das ist eine außergewöhnliche Situation mit den vielen Zuschauern und den Bedingungen unter freiem Himmel. Die Spieler müssen lernen, mit allen Dingen gleichzeitig umzugehen", sagt der Manager der Eisbären. Für die Entwicklung des Teams könne sich das nur auszahlen. Dagegen hätte auch Trainer Don Jackson nichts. Der US-Amerikaner ist wie alle anderen angetan von der Atmosphäre rund um diese Mega-Partie. Doch bei allem Spektakel: "Für mich bedeutet dieses Spiel zuerst drei Punkte", so Jackson.

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