23.12.12

Eishockey

Berliner Eisbären bangen um Rückkehr von NHL-Star Giroux

Der Lockout in der US-Eishockey-Liga führt zu Planungsunsicherheit. Eisbären-Manager Lee bleibt locker - und hält sich alle Optionen offen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Rückkehr ungewiss: Die Berliner Eisbären hätten NHL-Star Giroux gerne wieder im Team
Rückkehr ungewiss: Die Berliner Eisbären hätten NHL-Star Giroux gerne wieder im Team

Bei den meisten haben die Feiertage schon jetzt am Wochenende angefangen. Zunehmend leert sich die Stadt, um Parkplätze muss plötzlich nicht mehr gekämpft werden, sie sind im Überfluss vorhanden. Alles wirkt irgendwie entspannter – sofern man nicht zu spät dran ist mit Geschenken und sich in Kaufhäusern herumtreiben muss. Oder Manager eines Eishockeyklubs ist.

Das hat weniger damit zu tun, dass die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) gerade zu dieser Jahreszeit traditionell viel spielt. Daran ist Peter John Lee, der Manager des EHC Eisbären, schließlich über Jahrzehnte gewöhnt. Er muss sich neben dem Tagesgeschäft viel mehr auch noch darum kümmern, wie der Kader in ein paar Wochen aussieht. Das Problem ist nur: "Du weißt nicht, was los ist."

Eigentlich sind alle Puzzleteile zu dieser Zeit längst eingepasst, die Planungen gehen schon in Richtung der neuen Saison. So einfach ist es diesmal aber nicht. Die beste Liga der Welt, die nordamerikanische NHL, bringt alles durcheinander. Dort wird um Geld gestritten, die Klubbesitzer wollen mehr, die Spieler sollen weniger akzeptieren.

Die Situation ist verfahren. "Die letzten Gespräche waren nicht gut", sagt Daniel Briere. Er gehört eigentlich den Philadelphia Flyers an, doch die Klubs haben die Spieler ausgesperrt, Lockout nennt man das. Deshalb spielt Briere nun bei den Eisbären und verfolgt den Zwist von Berlin aus. Die starre Haltung beider Seiten hat schon zur Absage der Hälfte der regulären Saison geführt, bis zum 14. Januar gibt es keine Spiele.

"Ich gehe davon aus, dass ich die Saison hier verbringe", sagt Briere bereits. Aber: "Das kann sich jeden Tag ändern." Das macht es so schwer, vor allem für Lee. Alles ist nur vage, zwar sieht es danach aus, als würde die Saison in der NHL ausfallen, aber das weiß eben niemand genau.

Zweifel um Rückkehr von Giroux

Eigentlich war bis Weihnachten mit einer konkreten Aussage gerechnet worden, das hätte nicht nur für Lee, sondern auch für viele andere Manager mit Lockout-Spielern, das Planen einfacher gemacht. Doch noch gibt es ein Fenster, erst ab Ende Januar würde die NHL-Saison sicher ausfallen, sollte es bis dahin zu keiner Einigung gekommen sein.

Lee steckt also nach wie vor in einem Dilemma. Bleibt Briere? Muss er doch noch zurück? Wie reagieren, sollte die NHL tatsächlich beginnen? Zumindest der erste Schritt erscheint einfach. Briere, der in Köln am Freitag mit seinem Treffer zum 4:1 den Sieg gegen den Tabellenzweiten sicherstellte, hatte Anfang Oktober einen Vertrag bis zum 31. Dezember unterschrieben. Der kann nun um zwei Wochen verlängert werden.

"Ich spreche jetzt am Wochenende mit dem Vermittler, es sieht positiv aus", sagt Lee. Er wird das Telefonat nutzen, um sich auch über Claude Giroux zu informieren. Der kam damals gemeinsam mit Briere durch den Agenten nach Berlin. Ende November verletzte sich das Juwel der Flyers und flog nach Nordamerika. Seither kehrte er nicht zurück. Eine Vertragsverlängerung wie bei Briere erscheint nur realistisch, sollte die NHL-Spielzeit ausfallen.

Ganze Nächte am Telefon hatte Lee investiert, um die beiden Stars zu holen. Mittlerweile ist er etwas abgestumpft beim Thema Lockout. "Ich kann da nichts machen", sagt er. Was passiert, passiert ohne sein Zutun. Er kann mehr oder minder nur hoffen, instinktiv die richtige Strategie zu finden.

Zum Beispiel hat er den jungen Stürmer Daniel Weiß nach Nürnberg geschickt, weil in Berlin der Kader zu voll war. Mit der Option, ihn bis zum 31.12. zurückzuholen; nur bis zu diesem Datum sind Wechsel innerhalb der DEL erlaubt. Würde die NHL gewiss starten, käme er wohl zurück. Aber so? "Wir haben noch nicht über ihn geredet. Wenn alle gesund bleiben, lassen wir ihn wohl in Nürnberg", sagt Lee.

Manager Lee gibt sich gelassen

Sollte danach eine andere Entwicklung eintreten, müsste der Manager Ausländerlizenzen einsetzen und Spieler aus anderen Ligen verpflichten. Oder eben weitere Lockout-Profis. Das ginge bis zum 14. Februar. Zwei ihrer elf Lizenzen haben die Berliner noch offen. Eingesetzt werden dürfen aber nur neun Ausländer. Es würden also unter bestimmten Bedingungen Versetzungen auf die Tribüne drohen.

Kosten und Nutzen müsste Lee dann genau abwägen. Denn noch immer würde dem Meister eine Verstärkung durch einen erfahrenen und schussgewaltigen Verteidiger sehr gut zu Gesicht stehen. Wie Lee vorgehen wird? "Wir müssen sehen, wie sich alles entwickelt in der NHL", sagt er.

Kommt Giroux bei anhaltendem Lockout zurück, würde er wohl keinen Verteidiger mehr holen, deutet er an. Kommt er nicht mehr, dann ja. Dann müsste auch niemand auf der Tribüne sitzen, da Giroux" Platz fei wäre. "Es gibt so viele Möglichkeiten. Im Kopf habe ich einen Plan A, B und C", erzählt Lee.

Nervös macht ihn das alles nicht, jedenfalls gibt er sich gelassen. Dabei haben die Manager zu diesem Saisonzeitpunkt selten noch so viel Einfluss auf den Ausgang des Titelkampfs.

Familie von Briere über Weihnachten in Berlin

Insgeheim rechnet der Manager sogar damit, dass die NHL doch noch startet. Dann wäre auch Briere weg und die Eisbären könnten noch zwei weitere Ausländer einsetzen. Ein Verteidiger würde dann sicher geholt werden, vielleicht dazu ein Stürmer. Es ist viel Theorie, mit der sich Lee in diesen Tagen befassen muss.

Er sagt: "Wir genießen einfach, was wir durch den Lockout bekommen." Das waren anfangs Spiele mit dem Superstar-Duo Giroux und Briere. Jetzt sorgt Briere allein für Glamour in Berlin, zuerst gegen Straubing (14.30 Uhr), am Mittwoch gegen Wolfsburg (16.30 Uhr) und am Freitag gegen Ingolstadt (19.30 Uhr, jeweils O2-World und im Liveticker der Berliner Morgenpost) – und auch danach noch ein bisschen.

Sogar seine Familie ist nun da, um Weihnachten in Berlin zu feiern. Auch Briere genießt, was er mitnehmen kann.

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