13.12.12

European Trophy

Eisbären wollen schwedischer Dominanz trotzen

Nur nicht gegen Wien verlieren - sonst müssen die Berliner die European Trophy schon wieder verlassen. Die Eisbären geben sich kämpferisch.

Foto: picture alliance / dpa

Schlüsselspieler: Darin Olver soll die Eisbären zum Sieg in Wien führen
Schlüsselspieler: Darin Olver soll die Eisbären zum Sieg in Wien führen

Da grinst Jens Baxmann. Denn er kennt jemanden, der wohl in den nächsten Tagen noch ein bisschen mehr mit dem EHC Eisbären mitfiebert als andere. An ihn wurde schon die Bitte, es war eigentlich mehr ein Auftrag, adressiert, doch bloß keinen Unfug zu treiben in Wien.

Denn Sven Felski hat sich verpflichtet, er wird als Fernsehexperte die Spiele des Endturniers der European Trophy begleiten. Bis zum Ende am Sonntag. Seine ehemaligen Kollegen – Felski beendete im November seine Karriere – können nicht so sicher planen: Am Donnerstag trifft der deutsche Eishockey-Meister im Viertelfinale auf den Gastgeber Vienna Capitals (20.30 Uhr, Servus TV). Bei einer Niederlage würden die Eisbären am Freitag schon nach Berlin zurückkehren, dann wäre Felski allein in Wien – und das will er nicht. Der Auftrag des 38-Jährigen, dem Anfang des neuen Jahres das "Goldene Band der deutschen Sportpresse" verliehen wird, an die Mannschaft ist also klar: Nur nicht gegen Wien verlieren.

Das wollen die Berliner auch nicht, aber ihre Rolle bei diesem Turnier stellt sich zunächst nicht als eine zentrale dar. "Wir sind ein bisschen Außenseiter", sagt Manager Peter John Lee. Ein bisschen ist daran die schwankende Form des Meisters Schuld, ein bisschen sind es die Verletzungsprobleme. Zwei Spieler fallen sicher aus, einer davon ist NHL-Star Claude Giroux. Der kann wieder trainieren nach einer Nackenstauchung, bleibt aber vorerst in Kanada. "Ich glaube, er hat viel Druck von seinem Klub in Philadelphia. Alle waren etwas schockiert, als er sich verletzt hat und sind jetzt sehr vorsichtig", sagt Lee. Derzeit scheint offenbar nicht sicher, ob Giroux noch einmal zurückkehrt.

"Fahren nicht zum Spaß nach Wien"

Kämpferisch gibt sich der Manager trotz der Situation. "Wir fahren nicht nur zum Spaß nach Wien", sagt er. Einen klaren Favoriten kann er nicht ausmachen unter den acht Teilnehmern. Als Gewinner steht die schwedische Liga allerdings jetzt schon da. Gleich die Hälfte der Viertelfinalisten kommt aus Schweden und belegt dort aktuell die Plätze zwei bis fünf in der Eliteserie. "Es hat den Anschein, dass diese Liga am stärksten ist", sagt Verteidiger Jens Baxmann, dem mit dem EHC als einzigem von vier deutschen Vertretern (Mannheim, Hamburg, Ingolstadt) die Qualifikation gelang. Noch nie in den beiden vorherigen Auflagen der European Trophy, deren Teilnehmerzahl von 18 auf 32 gestiegen ist, standen so viele Mannschaften aus einem Land im Finalturnier. Neben den Berlinern und Wien ist mit Tampere noch ein finnisches Team dabei sowie mit Bratislava ein slowakisches.

Slovan werden ganz gute Chancen attestiert, nach den Eisbären 2010 und Außenseiter Salzburg 2011 der dritte Sieger des kontinentalen Turniers zu werden. Denn die Slowaken wechselten im Sommer die Liga und gehören nun der pan-russischen KHL an. An sich ist die beste europäische Liga nicht im Turnier vertreten, die Verzahnung erscheint aufgrund der weit höheren Budgets als beim Rest der Ligen schwierig. Aber Slovan spielte schon in der Vorsaison in der Trophy mit und blieb dabei.

Lees Traum: eine Champions League im Eishockey

Eine durch den Ligawechsel indizierte, kräftige Etaterhöhung macht die Slowaken zum Überraschungsteam in der KHL, sie belegen Platz fünf dort. "Es erhöht natürlich die Attraktivität und den Reiz des Turniers, wenn Mannschaften aus der KHL mitmachen", erzählt Baxmann. Anziehungskraft übt bei dieser Auflage aber auch die Teilnahme von NHL-Lockout-Spielern aus. Andrej Sekera und Lubomir Visnowsky spielen für Slovan, der angeschlagene Daniel Briere reist mit den Eisbären an. In neun Ländern wird das Finalturnier live im Fernsehen übertragen, das ist ein großer Erfolg für die Veranstalter. "Die Trophy hat sich sehr gut entwickelt", sagt EHC-Manager Lee. Seiner Meinung nach ist das Wachstumspotenzial aber immer noch groß. Eine Art Champions League wie im Fußball zu etablieren, das ist der Traum von Lee.

Näher liegt aber erst einmal das Viertelfinalspiel gegen Wien. "Das ist ein Team, das schlagbar ist. Aber wir müssen an unserer Konstanz arbeiten", sagt Baxmann. Zuletzt war das genau das Problem der Berliner, sie spielten mal so, mal so und vor allem hinten raus meist schlecht. Sven Felski weiß das und hofft, dass sich seine ehemaligen Kollegen zusammenreißen – und ihn in Wien nicht allein lassen

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