04.12.12

Eishockey

Mannheim knabbert noch an Niederlage gegen die Berliner

Vor der Neuauflage des Klassikers Eisbären gegen Mannheim spricht der Geschäftsführer der Adler über die Rivalität mit den Berlinern.

Foto: dpa

Adler am Boden, Puck im Tor: Eisbär Daniel Briere (l.) traf vergangenen Mittwoch beim 5:2 gegen Mannheim
Adler am Boden, Puck im Tor: Eisbär Daniel Briere (l.) traf vergangenen Mittwoch beim 5:2 gegen Mannheim

Gäbe es die Familie Hopp nicht, wäre es weitaus ruhiger in Mannheim und Umgebung. Dietmar Hopp, mit seiner Software-Schmiede SAP zu einem Milliarden-Vermögen gekommen, päppelte 1899 Hoffenheim bis zur Bundesliga-Reife auf und spendierte auch noch das erstligataugliche Stadion in Sinsheim.

Sein Sohn Daniel kümmert sich um die anderen Projekte, die es ohne die Hopps nicht geben würde. Er ist Geschäftsführer der SAP-Arena, einer der größten Multifunktionshallen des Landes, ist Gesellschafter des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, und führt die Geschäfte der Adler Mannheim.

Als Chef des sechsmaligen deutschen Eishockey-Meisters hat Hopp zuletzt eher durchwachsene Jahre erlebt. Schuld sind die Berliner Eisbären. In der vergangenen Saison rissen die Berliner den Mannheimern noch im letzten Moment den Meister-Pokal aus den Händen, vergangenen Mittwoch dominierten sie die als Tabellenführer angereisten Adler mit 5:2. "So ist der Sport", sagt Hopp mehr gelassen als geknickt im Gespräch mit der Berliner Morgenpost vor der Neuauflage des Klassikers Eisbären gegen Mannheim an diesem Dienstag (19.30 Uhr) in der O2 World.

Berliner Morgenpost: Hängt Ihnen so eine Niederlage wie am vergangenen Mittwoch in Berlin lange nach?

Daniel Hopp: Natürlich tut das weh, wenn man so klar verliert wie zuletzt in Berlin, aber bei 52 Vorrundenspielen ist es klar, dass man mal das eine oder andere Spiel verliert und dementsprechend muss man damit umgehen.

Berliner Morgenpost: Aber Sie wären schon das Maß aller Dinge, wenn es nicht die Eisbären gäbe, oder?

Daniel Hopp: Das finde ich nicht, wir haben eine sehr homogene Liga. Letzte Saison waren wir im Finale, und davor hatten wir eine schwierige Zeit durchgemacht. Ich sehe uns als einen von vielen Herausforderern der Berliner. Nicht mehr und nicht weniger.

Berliner Morgenpost: Sie waren mehr als dicht dran. In der Endspielserie der vergangenen Saison fehlten Ihnen 14 Minuten zur Meisterschaft.

Daniel Hopp: Das muss man irgendwann auch mal abhaken. Das war sicherlich für uns ein bitterer Moment, am Ende das Finale zu verlieren, das will ich gar nicht abstreiten, aber wir müssen das auch als Ansporn nehmen für die Zukunft.

Berliner Morgenpost: Wie groß ist der Druck, den Titel wieder nach Mannheim zu holen? Der von außen und der, den Sie sich selbst machen?

Daniel Hopp: Unser Ziel ist, dass wir Kontinuität in unsere Leistungen bringen und eine gute Platzierung bis zum Ende der Vorrunde schaffen, um im Play-off dann eine gute Rolle zu spielen. Ich schaue nicht Tag und Nacht nach Berlin, sondern auf unseren Klub, und es gibt während einer Saison Herausforderungen genug.

Berliner Morgenpost: Welche?

Daniel Hopp: Jedes Spiel ist eine Herausforderung. Das ganze Jahr reduziert sich ja nicht nur auf die Duelle zwischen Mannheim und Berlin. Das war sicherlich eine mitreißende Finalserie in der vergangenen Saison, aber wir haben viele starke Mannschaften in der DEL. Der Fokus liegt immer auf dem nächsten Spiel.

Berliner Morgenpost: Noch sind es 14 Mannschaften in der DEL, die Düsseldorfer EG, einer der großen Traditionsklubs, hat allerdings enorme finanzielle Probleme. Machen Sie sich Sorgen, einen Gegner zu verlieren?

Daniel Hopp: Wenn ein Standort Schwierigkeiten hat, schaut man natürlich mit Sorgen dorthin, und ich tue das auch in meiner Funktion als Aufsichtsrat der Liga. Wir werden uns als Liga die Situation dort auch ansehen und versuchen, unterstützend zu wirken, was schwierig ist. Es sollte das Bestreben aller sein, die DEG in der Liga zu haben. Die wirtschaftlichen Themen muss der Klub selbst lösen.

Berliner Morgenpost: Wenn Sie im DEL-Aufsichtsrat über die Liga reden, herrscht da Zufriedenheit?

Daniel Hopp: Unsere Aufgabe ist es, die Liga nach vorn zu bringen. Wir haben einen neuen Fernsehvertrag, der uns zurück ins Free-TV gebracht hat. Wir haben durch den Lockout in Nordamerika und die NHL-Spieler jetzt auch einen ganz besonderen Fokus auf der Liga. Das ist alles sehr positiv, und deshalb denke ich, dass die DEL und unser Sport auf einem guten Weg sind. Man muss seinen Platz hinter dem Fußball in Deutschland finden. Da arbeiten wir ständig dran.

Berliner Morgenpost: Die Fans und Medien freuen sich über die NHL-Stars, die jungen Spieler werden weniger eingesetzt. Sie investieren viel in die Jugendarbeit, unterhalten ein Internat. Ist der Preis nicht sehr hoch?

Daniel Hopp: Also, für die Liga ist das toll, wenn wir viele NHL-Spieler haben. Über eine Saison hinweg mit den vielen Spielen werden alle Spieler, glaube ich, ihre Eiszeiten haben. Es ist eine Sondersituation. Jeder Klub muss für sich entscheiden, wie er damit umgeht. Wenn ich unseren Klub betrachte, werden wir auch aufgrund von Verletzungen die Eiszeiten unter den Spielern ganz gut verteilt bekommen.

Berliner Morgenpost: Sie haben sich mit Dennis Seidenberg von den Boston Bruins und Marcel Goc von den Florida Panthers verstärkt. Wirbeln die so ein Team nicht völlig durcheinander?

Daniel Hopp: Im Gegenteil. Die beiden sind absolute Vorbilder, was Einstellung und Engagement angeht. Sie sind dadurch vor allem für die jungen Spieler auch gute Ratgeber und Gesprächspartner.

Berliner Morgenpost: Beide und einige andere aus der NHL könnten ja auch diesen Winter für die Nationalmannschaft spielen, wenn der Lockout anhält. Braucht das deutsche Eishockey ein erfolgreiches Nationalteam?

Daniel Hopp: Auf jeden Fall. Es ist sehr wichtig, dass die Nationalmannschaft im Februar die Qualifikation für Olympia schafft. Das ist eine gemeinsame Aufgabe für Verband und Liga, mit dem neuen Trainer-Team die Nationalmannschaft dahin zu bringen, dass wir bei Olympia dabei sind. Das ist das Aushängeschild im Sport, da muss Deutschland 2014 in Sotschi dabei sein.

Berliner Morgenpost: Zünden sie ab und zu mal eine Kerze an, dass der Lockout in der NHL bis dahin noch anhält?

Daniel Hopp: Es wäre sicherlich ein Vorteil, wenn wir mit den NHL-Spielern in das Qualifikationsturnier gehen könnten. Aber die Mannschaft hat beim Deutschland Cup gezeigt, dass sie auch so schlagkräftig ist. Wir können es ja sowieso nicht beeinflussen. Da würde auch keine Kerze helfen.

Berliner Morgenpost: Wie war es eigentlich am vergangenen Mittwoch? Die Adler verloren in Berlin, Hoffenheim in Nürnberg. Mussten sich Vater und Sohn gegenseitig trösten?

Daniel Hopp: Wir haben kurz miteinander telefoniert, er war gerade in den USA. Wir telefonieren oft miteinander und wissen beide: Verlieren gehört im Sport dazu, und außerdem gibt es noch andere viel wichtigere Dinge im Leben.

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