16.11.12

Eishockey

Meistermacher Darin Olver kehrt zurück zu den Eisbären

Der Topscorer der Vorsaison Darin Olver gibt sein Saisondebüt gegen Krefeld. Der Angreifer hat sieben Monate lang kein Spiel bestritten.

Von Marcel Stein
Foto: picture alliance / City-Press Gb

Topscorer: In der Vorsaison war Darin Olver der erfolgreichste Stürmer der Eisbären. Seine Rückkehr nach Verletzungspause verspricht einen Schub
Topscorer: In der Vorsaison war Darin Olver der erfolgreichste Stürmer der Eisbären. Seine Rückkehr nach Verletzungspause verspricht einen Schub

Der Pink-tober fiel für ihn aus. Keine rosaroten Handschuhe für Darin Olver, auch kein rosa Trikot, keine farblich harmonierenden Schnürsenkel. Olver lief immer im dunklen Anzug umher, wenn seine Kollegen beim EHC Eisbären ihren Anteil am Kampf gegen Brustkrebs im Oktober durch pinke Kleidung auf dem Eis demonstrierten.

Aber an den Oktober schließt ja der November an, ebenso ein Monat, in dem einer Erkrankung eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Es geht um Prostatakrebs. Der Ausdruck der Anteilnahme kommt diesmal ohne farbliche Accessoires aus, er verlangt nur den Mut zum Schnurrbart. Der heißt im Englischen Moustache, verknüpft mit dem November wird daraus der Movember. An Olvers Oberlippe ist deutlich zu erkennen, dass es wieder so weit ist. Ab Freitag trägt er das Ding dann nicht mehr nur privat, sondern wie die Kollegen das pinke Zeug im Oktober auch wieder dienstlich.

Weg zurück war schwierig

Gut drei Monate später als der Rest stößt Darin Olver also zum Team des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Über den Sommer gerechnet hat der Angreifer sieben Monate lang kein Spiel bestritten. "So lange war ich noch nie raus gewesen, ich konnte vier Monate lang gar nicht Schlittschuhlaufen", erzählt der 27-Jährige. Er musste an der Hüfte operiert werden, der Knochen lag nicht richtig im Gelenk. Schon im Play-off verursachte das schlimme Schmerzen, aber Olver biss auf die Zähne, um seinen ersten Meistertitel feiern zu können.

Der Weg zurück in die Mannschaft war schwierig. Am liebsten wäre er schon vor der Länderspielpause aufgelaufen, aber sein Ehrgeiz wurde von den Verantwortlichen gebremst. Nur kein Risiko. "Alles ging sehr langsam und war sehr frustrierend", sagt Olver. Oft hatte er das Gefühl, dass der Körper Fortschritte macht. "Aber dann ging es gleich wieder ein Stück zurück", so der Stürmer. Immer hin und her, für jemanden, der das nicht kennt ("Ich hatte bisher immer Glück in meiner Karriere"), bestimmt keine leichte Situation.

Dafür hat er nun keinerlei Druck. "Er kann sich in Ruhe einspielen", sagt Manager Peter John Lee. So ganz Olvers Ambition mag das nicht sein, "ich möchte natürlich gleich wieder alles zeigen", sagt er. Aber er sagt auch: "Ich bin realistisch." Nach so langer Zeit kommt die Leistung meist nicht auf Anhieb wieder. Und Olvers Leistung war vergangene Saison enorm, als Neuling in der Mannschaft wurde er sofort Topscorer und bester Torschütze. Doch die Berliner haben derzeit nun wahrlich kein Offensivproblem. "Es ist schön, dass es gut läuft. Bei uns scort ja jeder gerade. Das macht es einfacher für mich", sagt Olver. Die Mannschaft ist nicht von ihm abhängig.

Tallackson hat ihn vermisst

Verantwortlich dafür ist vor allem die Anwesenheit der NHL-Stars Claude Giroux und Daniel Briere. Bevor sie Anfang Oktober nach Berlin kamen, gibt der Manager zu, da "fehlte Olver schon". Doch mit den beiden Kanadiern stieg die Torproduktion des Meisters sprunghaft an. Alle im Team wirkten wie aufgedreht, trafen oder gaben Vorlagen. Nur einer schien sich von den beiden nicht wirklich inspirieren zu lassen. Barry Tallackson, bester Scorer im Play-off und sonst Torschütze vom Dienst, lief immer etwas gehemmt über das Eis und traf gerade einmal fünf Mal. Mit nur zehn Punkten rangiert er in der Scorerliste der Eisbären im Mittelfeld. Seine Körpersprache verriet oft genug: Ich vermisse meinen Kumpel.

Seit zwei Jahren spielen die beiden zusammen, erst in Augsburg, dann in Berlin. Sie sind ein explosives Duo, gemeinsam mit Florian Busch, der zuletzt ebenfalls verletzt fehlte, ein infernalisches Trio. Tallackson litt besonders unter Olvers Abwesenheit. "Natürlich haben wir darüber gesprochen, wir sind ja auch neben dem Eis Freunde", sagt Olver. Die Leiden des Partners will er aber nicht nur auf sich beziehen: "Das geht doch allen so, die lange zusammenspielen. Jeder kennt den Stil des anderen." Peter John Lee weiß, was Olver meint. "Ich denke, ich habe damals auch ohne Chris Valentine gut gespielt. Aber zusammen waren wir einfach immer besser, wir haben uns blind verstanden", erinnert sich der Manager. Gemeinsam schossen sie die Düsseldorfer EG Anfang der 90er-Jahre zu vier Meistertiteln in Folge und waren fast zehn Jahre lang die Dauer-Topscorer der DEG. Lee kann also wirklich nachfühlen, was Tallackson durchmachen musste.

Gegen Krefeld soll am Freitag die beste Reihe der vergangenen Spielzeit mit Busch, Olver und Tallackson erstmals in dieser Saison wieder auflaufen (19.30 Uhr, O 2 World). "Das gibt uns ein paar Optionen mehr", sagt Trainer Don Jackson. Es sorgt aber auch für einiges Gedränge im Angriff, der Coach hat mit der Rückkehr von Olver und Busch mehr Stürmer als Plätze.

Weiß wechselt nach Nürnberg

Wohl auch deshalb wurde gestern Daniel Weiß (22) bis zum Saisonende an die Nürnberg Ice Tigers ausgeliehen.

Sollte die Saison in der NHL, wo sich Spieler und Klubs bisher nicht auf eine Verteilung der Einnahmen einigen konnten, doch noch irgendwann beginnen, würde sich das Überangebot im Angriff wieder aufheben. Giroux und Briere müssten zurück zu den Philadelphia Flyers. Wie die Mannschaft das wegsteckt, ist schwer vorherzusagen. Aber dank Olver kehrt ja nun die alte Topreihe zurück. "Darin ist ein bisschen unsere Versicherung für den Fall, dass die NHL wieder spielt", sagt Manager Lee. Im Movember kann er sich aber nun erst einmal in Ruhe warm spielen.

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