Eisbären
Giroux und Briere bleiben trotz Premieren-Pleite optimistisch
Ihren ersten Auftritt bei den Eisbären müssen die NHL-Stars erst einmal verdauen. Aber sie wollen mit ihrer Reihe "noch viel Unheil anrichten".
Klar, die Fans waren wirklich toll. Er hatte schon davon gehört, was stimmungsmäßig so abgeht in Europas Eis-Arenen, aber das jetzt mal zu erleben, das war schon was anderes. "Sie haben von Anfang an geschrien, ich habe nicht mal verstanden, was meine Mitspieler auf dem Eis gesagt haben", sagte Claude Giroux. Erst ab dem zweiten Drittel konnte er sich besser damit arrangieren, es half nur nichts. Sein erstes Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) endete mit einer Niederlage.
Persönlich nahm Giroux das nicht so schwer, er verdient sein Geld normalerweise in der National Hockey League (NHL), der unbestritten besten Liga der Welt. Und dort ist er einer der Besten, genau wie Daniel Briere. Doch nun spielen die beiden Kanadier in Deutschland, und sie mussten mit dem EHC Eisbären in ihrem ersten DEL-Auftritt ein 5:6 gegen die Kölner Haie verdauen. "Aber es hat viel Spaß gemacht, die Fans waren unglaublich", sagte Briere.
Trotzdem war er natürlich enttäuscht. Genau wie Giroux musste er nach dem Spiel viele Interviews geben. Seit Tagen sind die beiden die Medien-Stars, ständig werden sie von Kamerateams verfolgt. Für sie ist das natürlich nicht neu, in der nordamerikanischen Profiliga gehört das zum Alltag. Aber die NHL spielt derzeit nicht, deshalb sind sie hier. Seit wenigen Tagen erst trainieren sie mit den Berlinern, dem Meister der DEL, der Start missglückte zwar, machte aber Hoffnung auf mehr.
Giroux ist mit 1,80 Meter Körpergröße nicht sehr groß, deshalb sah es nachher ein bisschen komisch aus, als er neben Uwe Krupp, dem stattlichen Trainer der Kölner Haie (1,98 Meter), wartete, bis er nach seiner Sicht des Spiels gefragt wurde vom Fernsehmoderator. Krupp grinste derweil bei jeder Antwort, er war selbst ein erfolgreicher Spieler, Champion in der NHL, und hatte nun ein Team geschlagen, dass erstmals zwei NHL-Stars dabei hatte. Vor allem, weil die Berliner defensive Defizite zeigten.
Aus Abwehrfehlern lernen
Das war auch Giroux aufgefallen. "Wir haben unseren Goalie zu oft allein gelassen, wir müssen ihm mehr helfen." Das lässt sich seit vielen Jahren über die meisten Spiele der Eisbären sagen, die Berliner sind chronisch anfällig in der Defensive. Bislang bekamen sie das meistens in den Griff, sechs Meisterschaften in den vergangenen acht Jahren zeugen davon.
Auf die Fans hatten sich Briere und Giroux schon gefreut, "das gibt uns immer noch mehr Schub", sagte Giroux. Ihr Auftritt fiel schon ziemlich gut aus, für ihr erstes Spiel nach so wenigen Tagen mit der Mannschaft hinterließen die Stürmer eine gehörige Duftmarke, sie gaben jeweils Torvorlagen, Giroux traf sogar, sie sorgten darüber hinaus für viel Torgefahr, waren technisch bemerkenswert. Ihre Klasse wurde sichtbar, beim Zug zum Tor etwa.
Aber es reichte eben nicht. "Köln ist ein gutes Team, sie haben viel Talent", stellte Giroux fest. Briere war zuvor im Training der Berliner schon aufgefallen, dass es keinen "großen Unterschied in der Qualität der Spieler zur NHL gibt". Auffällig waren die zwei Profis, die sonst für die Philadelphia Flyers spielen, dennoch.
Mit André Rankel bildeten sie eine Sturmreihe, sie harmonierten erstaunlich gut nach so rudimentärer Übungsphase. Wobei Rankel sich an das intuitive Spiel der Stars sicher noch gewöhnen muss, sie spielen schwierige Pässe und lassen das leicht aussehen, vor allem Giroux bringt viele Ideen ein. "Unsere Reihe kann eine Menge Unheil anrichten", glaubt Briere. In der Bewegung nach vorn bereitete aber nicht nur diese Formation Spaß. "Wir haben viel Druck gemacht, hatten die meiste Zeit den Puck. Ich mag, wie sich die Mannschaft offensiv bewegt", konstatierte Briere. Das hielt seine Enttäuschung über die Niederlage in Grenzen, denn Offensivkraft hat viel mit Talent zu tun.
Defensive Souveränität dagegen hängt meist daran, wie gut alle zusammenarbeiten, wie sehr alle sich an die vorgegebene Spielweise halten. Das taten die Eisbären gegen Köln zu selten. "Wir haben zu viele Chancen zugelassen. Da müssen wir einen besseren Job machen", fand Briere. Das betrifft die ganze Mannschaft, die sich neu sortieren muss mit den beiden Stürmern, Travis Mulock und Julian Talbot, die nun in der Abwehr ihren neuen Platz haben. Dass dort nicht alles auf Anhieb klappt, war zu erwarten. "Ich spiele das erste Mal seit ich sechs Jahre alt bin Verteidiger", sagte Mulock, der Top-Scorer des Titelverteidigers. Trainer Don Jackson übte dennoch keine Kritik an den Neu-Abwehrspielern, sie seien gut gewesen, fand er. Deshalb werden sie weiter in der Verteidigung spielen.
Zwei Stürmer werden Verteidiger
Daran mochte auch Daniel Briere nichts aussetzen. Denn: "In der Defensive kann man anders als in der Offensive vieles leicht korrigieren, mit Videoschulungen zum Beispiel." Fraglos wird der Trainer in dieser Weise aktiv werden. "Wir müssen schlauer sein und besser laufen", sagt Trainer Jackson. Am Sonntag sind die Eisbären in Wolfsburg am Start (14.30 Uhr) und können die Erkenntnisse hoffentlich gleich umsetzen.
Tabellenführer Köln war in dieser Hinsicht ein guter Gegner, weil er die Mankos in aller Deutlichkeit aufzeigte. "Hoffentlich können wir aus diesem Spiel viel lernen und schnell durchstarten", keuchte Giroux nach seinem ersten DEL-Auftritt noch. Das gilt besonders auch für die neue Parade-Sturmreihe der Eisbären. "Wir lernen mit jedem Wechsel und brauchen etwas Geduld", schloss Claude Giroux seine Ausführungen. Für die Gegner bedeutet das definitiv nichts Gutes.
















