30.09.12

Eishockey

Eisbären Berlin blamieren sich bei den Hannover Scorpions

Ausgerechnet gegen den DEL-Tabellenletzten patzten die Berliner und unterlagen 2:4. Es gab haarsträubende Abwehrfehler.

Foto: Bongarts/Getty Images

Durch Tyson Mulock gingen die Eisbären zwar in Führung, doch nutzte das letztlich nichts
Durch Tyson Mulock gingen die Eisbären zwar in Führung, doch nutzte das letztlich nichts

Peter John Lee, der Manager des EHC Eisbären, erzählt diese Anekdoten immer gern. Sein oberster Chef, der US-Milliardär Philip F. Anschutz, Besitzer der Anschutz Entertainment Group, zu der die Berliner gehören, interessiere sich sehr für den Klub. Regelmäßig informiere er sich über das Wohl und Wehe des EHC, tue seine Anteilnahme in elektronischen Botschaften kund und freue sich über die Versorgung mit Neuigkeiten aus Übersee. Kommenden Sonntag, wenn der Stanley Cup, den sein Eishockeyteam aus Los Angeles in der nordamerikanischen Profiliga NHL gewann, in Berlin präsentiert wird, soll er sogar leibhaftig zugegen sein.

Wahrscheinlich wird er sich dann schon darauf eingestellt haben, nicht zu viel von seinem Lieblingsspielzeug zu erwarten. Sonst schwappen ja immer nur gute Nachrichten rüber nach Amerika, derzeit aber gibt es von den Eisbären kaum Gutes zu erzählen. Die Mannschaft vergeigt die ersten Wochen der Liga gerade in einem Ausmaß, das die Fans sehr lange nicht erleben mussten. Gegen den bisherigen Tabellenletzten, die Hannover Scorpions, unterlag der Titelverteidiger am Sonntag mit 2:4 (1:1, 0:2, 1:1). Es war die vierte Niederlage im sechsten Saisonspiel.

Mehr war nicht drin

Bislang konnten die Berliner wenigstens gegen Mannschaften gewinnen, die hinter ihnen in der Tabelle stehen. Doch gegen die bis dahin sieglosen Niedersachsen war nicht einmal mehr das drin. Obwohl nach dem Erfolg gegen München (3:2) am Freitag etwas mehr Selbstvertrauen hätte vorhanden sein sollen. Und mit dem nach seiner Sperre zurückgekehrten Jimmy Sharrow ebenso etwas mehr Routine in der Abwehr. Doch beides traf nicht zu. Die Mannschaft war unsicher in ihren Aktionen, und Sharrow neigte genau wie die anderen zu Fehlern.

Momentan, das bleibt nach einem halben Dutzend Partien festzuhalten, befindet sich der Meister in keiner guten Verfassung. Von Beginn an lief nicht viel zusammen gegen die Scorpions. Die haben eine Mannschaft, die mit geringen Mitteln zusammengestellt worden ist, da kamen einige Profis aus der Zweiten Liga neu dazu.

Aber das genügt derzeit, um die Eisbären zu überfordern. Klare Spielzüge gelangen ihnen nur selten, das 1:0 etwa passierte eher zufällig. Julian Talbot hatte den Puck verloren, fuhr weiter durch das Drittel der Gäste, bekam die abprallende Scheibe zurück und bediente Tyson Mulock (17.).

Unkoordiniert ging es weiter

Derart unkoordiniert ging es weiter. Kurz vor der ersten Pause verteidigten Sharrow und Zugang Jamie Arniel nicht richtig, was Marin Hlinka zum Ausgleich nutzte (20.). Kaum zurück auf dem Eis stand Ivan Ciernik völlig frei und brachte die Scorpions in Führung (21.). Nach einigen von Hannoveraner Defensivfehlern begünstigten Chancen, die jeweils in einer Art vergeben wurden, die fassungslos machte, weil die Berliner jeweils mit zwei Spielern ungehindert vor dem Scorpions-Tor standen, traf Scott King zum 3:1 für die Gäste (31.). Wieder erwischte die Abwehr einen finsteren Moment.

Dass den Eisbären dann noch Julian Talbot ausfiel, der bei einem Zusammenprall an der Bande eine Rückenprellung erlitt, war den Comeback-Bemühungen nicht zuträglich. Immerhin gelang Florian Busch noch der Anschluss (50.), aber Hlinka stellte letztlich den alten Abstand wieder her (59.).

Also erneut keine guten Nachrichten aus Berlin für Herrn Anschutz. Der hatte ja zuletzt angekündigt, die Entertainment Group samt allen Klubs und Arenen, also auch Eisbären und O2 World, verkaufen zu wollen. Es wurde spekuliert, dass dies im Zusammenhang stehen könnte mit einem Projekt in Los Angeles. Dort zog sich die Genehmigung für den Bau eines Football-Stadions hin, am Freitag stimmte der Stadtrat dem 1,2 Milliarden Dollar teueren Geschäft nun zu. Anschutz hat also, was er wollte. Vielleicht mindert das die Verkaufsabsichten wieder.

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