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22.04.09

Eishockey-WM

André Rankel - Meisterschütze aus der letzten Reihe

Mit den Berliner Eisbären holte André Rankel den deutschen Meistertitel und schoss die meisten Tore. Mit der Nationalmannschaft reist der 23-Jährige nun zur Weltmeisterschaft in die Schweiz. Nur muss sich der Angreifer, der beim EHC zu einem Führungsspieler reifte, dort im Team hinten anstellen.

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Als Nationalspieler trat der Berliner André Rankel noch nicht so stark in Erscheinung wie bei den Eisbären. In 23 Spielen traf er dreimal ins Tor, allerdings nicht bei wichtigen Turnieren
Als Nationalspieler trat der Berliner André Rankel noch nicht so stark in Erscheinung wie bei den Eisbären. In 23 Spielen traf er dreimal ins Tor, allerdings nicht bei wichtigen Turnieren

Langweilig wäre André Rankel sicher nicht geworden. Zu Hause sitzt seine Frau Anita, hochschwanger. Anfang Juni soll es soweit sein. Den Mann an ihrer Seite könnte sie jetzt gut gebrauchen. Doch sie muss verzichten, weil der Bundestrainer es nicht kann.

Für einige Zeit sah es in der vergangenen Woche so aus, als würde Uwe Krupp doch können. Mit einer Äußerung hatte Krupp für Verwirrung gesorgt. Die Spieler aus dem Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seien nach den Anstrengungen in keinem guten Zustand und für die Weltmeisterschaft nur bedingt tauglich. Viele fragten sich, ob Krupp ohne Spieler vom Meister EHC Eisbären in die Schweiz reisen wolle.

Er hatte es nie vor, wie Krupp später sagte. Mit Rankel, Sturm-Kollege Sven Felski und Verteidiger Frank Hördler stehen drei Meister im Kader, wenn Deutschland am Freitag zum Auftakt gegen Russland antritt (16.15 Uhr, live im DSF).

Leistung steht außerhalb jeder Diskussion

Gut verdaut haben Rankel und Co. die dreitägigen Feierlichkeiten. "Wir hatten insgesamt eine Woche Pause. Da blieb genug Zeit, um von allem etwas Abstand zu gewinnen", sagt der Angreifer. Am Montag stand er nach vier Tagen ohne Schlittschuhe an den Füßen erstmals wieder auf dem Eis. "Ein bisschen komisch", fand er das. Aber bis zum Turnierbeginn stimme alles wieder – auch die Leistung.

Sie stand bei Rankel zuletzt außerhalb jeder Diskussion. Mit sechs Treffern war er im Play-off bester Torschütze der Eisbären – und der beste deutsche Torjäger der Liga. Und? "Ich habe meine Tore in den ersten Spielen geschossen", sagt Rankel. Er bricht nicht in Euphorie aus, er stellt sich selbst zurück. Rankel nimmt sich nicht so wichtig.

Mit 23 verstanden, worauf es ankommt

Wer immer über den Flügelspieler redet, landet schnell bei dieser Eigenschaft. "Bescheiden" ist ein Wort, das oft fällt. Ruhig und besonnen, diese Attribute beschreiben ihn ebenso gut. Rankel ist keiner, der durch lockere Sprüche auffällt. Anders vielleicht als mancher junge Kollege beim EHC. Er lässt ausschließlich Taten sprechen.

Nicht nur in Spielen ist das zu beobachten, auch im Training. Das mag Don Jackson, sein Trainer in Berlin, ganz besonders an dem Profi: "Seine Arbeitseinstellung zeichnet ihn aus." Mit nur 23 Jahren hat André Rankel längst verstanden, worauf es ankommt.

So fährt er auch zu WM. In Berlin ist er zu einem Führungsspieler gereift, "davon will ich in der Nationalmannschaft etwas zurückgeben", erzählt Rankel. Wobei das schwieriger ist, als vielleicht zu erwarten wäre. Im Klub spielt Rankel in den Topreihen, mit starken Nebenleuten. Krupp bietet den Angreifer meist in der vierten Reihe auf, mit schwächeren Mitspielern.

Bislang kaum Glanz in der Nationalmannschaft

Das kann Rankel akzeptieren: "Die vierte Reihe spielt sehr oft." Deshalb arbeitet er genauso hart, als würde er im ersten Sturm stehen. Weil aber meist die ersten Reihen die Tore schießen, konnte Rankel in der Nationalmannschaft bislang kaum glänzen. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften blieb er ohne Treffer, ebenso bei der Olympiaqualifikation im Februar. Es erstaunt daher nicht, dass vor dem Turnierbeginn kaum jemand über Rankel spricht.

Dafür reden sie beim EHC über ihn. Steve Walker zum Beispiel, der Kapitän der Eisbären. Der hatte den Nationalspieler kürzlich als möglichen Nachfolger für sein Amt genannt. Rankel grinst: "Ich dränge mich in so was nicht rein." Mit Worten sicher nicht. Die Kraft kann er sich sparen, seine Entwicklung bei den Eisbären sagt ja schon genug. Dann lässt sich der selbstlose Stürmer doch noch ein bisschen schmeicheln. "Es macht mich stolz, dass Walker so denkt." Das kleine Mädchen, das demnächst zu Hause auf ihn wartet, wird diesen Stolz aber weit übertreffen.

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