Hartmut Nickel
Der Co-Trainer spricht über und sein Eisbären-Märchen
Niemand kennt die Eisbären besser als Hartmut Nickel. Der 64-Jährige ist seit über 40 Jahren im Verein, war Spieler, Trainer und ist jetzt Co-Trainer. Marcel Stein sprach mit Nickel über Trabant und Wellblechpalast, die O2 World sowie Fans und Titel damals und heute.
Morgenpost Online: Herr Nickel, können Sie sich noch an Ihre Anfänge bei den Eisbären erinnern?
Hartmut Nickel: Das war 1963. Ich bin da als junger Bursche aus Weißwasser gekommen und hatte Herzklopfen vor meinem ersten Spiel. Denn ich musste mich erst bewähren, um in Berlin bleiben zu dürfen. Damals spielten wir noch unter freiem Himmel.
Morgenpost Online: Vor wie vielen Zuschauern?
Nickel: Viele waren es nicht. Da kamen Kumpel, Bekannte, Nachbarn, alles war sehr familiär. Wenn wir vor 1000 Zuschauern spielten, war das schon viel.
Morgenpost Online: Nun spielen Sie fast regelmäßig vor 14.000 Zuschauern, die Stimmung ist prächtig. Wie fühlt sich das an?
Nickel: Ich hätte nie gedacht, dass es so kommt. Für mich ist das ein kleines Wunder. Beim ersten Spiel in der neuen Halle, der O2-World, hatte ich genauso Herzklopfen wie damals als 19-jähriger Bursche. Ich musste lange auf diese Halle warten und habe mir immer gesagt: Das muss ich noch mal erleben.
Morgenpost Online: Was ging Ihnen bei der ersten Partie in der O2-World, beim 11:0 gegen die Augsburger Panther, durch den Kopf?
Nickel: Es hatte immer die Spruchbänder gegeben, auf denen Fans forderten, weiter im Welli zu spielen. Dann sind doch alle in die neue Halle gekommen. Wir waren aufgeregt, gespannt, weil keiner wusste, was passieren würde. Dann bin ich reingekommen in die Halle und war sprachlos. Ich habe befürchtet, dass sich so eine Euphorie über fast 40 Spiele gar nicht halten lässt. Aber sie hat gehalten. Teilweise ist es eine richtige Eishockey-Show, die hier abläuft.
Morgenpost Online: Haben Sie sich denn sofort heimisch gefühlt nach mehr als 40 Jahren im Wellblechpalast in Hohenschönhausen?
Nickel: Wir sind ja eigentlich ständig im Umzug, hier spielen, dort trainieren. Das war am Anfang gar nicht so einfach für mich. Inzwischen hat sich das Heimatgefühl aber eingestellt.
Morgenpost Online: Was fehlt Ihnen an Hohenschönhausen? In der langen Zeit dort ist Ihnen sicher vieles ans Herz gewachsen.
Nickel: Natürlich, aber wenn ich ehrlich antworten soll: Früher bin ich Trabant gefahren, heute hatte ich mal einen Volvo, mal einen Mercedes, mal einen BMW. Klar, ich war dort lange tätig. Aber das sind Entwicklungsprozesse. Ich bin stolz, dass ich das alles miterleben durfte. Das eine ist Geschichte, der neue Tempel das Highlight. Davon bin ich riesig begeistert. Wegschmeißen will ich den Welli deshalb nicht, das dort bleibt mein Lebenswerk.
Morgenpost Online: Das eine Kapitel wurde mit dem Meistertitel abgeschlossen, das neue mit dem Titel begonnen.
Nickel: Unglaublich. Wir sagten: Tschüss Welli, mit dem Meisterbanner. Nun sagen wir: Guten Tag O2-World, mit dem Banner. Da kommen mir jetzt fast die Tränen. Das geht in meine Lebensgeschichte ein. Wir haben eine Brücke geschlagen.
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