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16.04.09

Nationalmannschaft

Bundestrainer will keine müden Eisbären bei der WM

Sehr gut ist nicht gut genug für Eishockey-Nationaltrainer Uwe Krupp. Obwohl der Eishockey-Meister aus Berlin 17 Spieler deutscher Herkunft stellt, sind nur eine Handvoll davon in der engeren Auswahl für die Weltmeisterschaft in der Schweiz. Die Begründung des Trainers: Die Spieler sind zu müde.

Eigentlich sollte die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz (24. April bis 10. Mai) der Abschluss einer gelungenen Saison für die deutschen Top-Spieler der Eisbären werden. Doch viele der Berliner WM-Kandidaten werden schon nach dem Ende des Play-offs ihren Urlaub antreten können. Denn Bundestrainer Uwe Krupp (43) wird wohl auf die meisten Leistungsträger der beiden Finalisten Eisbären und Düsseldorfer EG verzichten. "Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass diese Akteure nicht fit sind", erklärt Krupp seine Planungen.

Die Zeit zwischen dem letzten Spiel in der Liga und dem ersten WM-Spiel ist denkbar knapp. Bereits Freitag nächste Woche (24. April) beginnt in Bern für die deutsche Nationalmannschaft mit dem Spiel gegen Russland die Weltmeisterschaft. Geht es nach Krupp, ist das zu wenig Zeit, um neue Spieler noch auf das Turnier vorzubereiten.

Derzeit sollen acht Profis der beiden Finalisten auf seiner Liste stehen. Die Chancen der Düsseldorfer Daniel Kreutzer und Patrick Reimer sind dabei wohl eher gering. Feste Größen wie die Berliner Sven Felski, André Rankel und Frank Hördler sollten trotz der langen Play-off-Phase aber gute Karten haben. "Es wird nur noch der ein oder andere dazukommen. Es werden nicht so viele sein, wie manche erwarten", dämpft Krupp allerdings deren Hoffnungen, noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

Eisbären-Manager Peter-John Lee ist über die Vorbehalte des Bundestrainers gegenüber seinen Spielern überrascht, lobt dieser sonst doch gern die Förderung deutscher Talente in Berlin: "Wenn es stimmt, wäre es traurig. Wer bei uns Top-Spieler ist, kann auch in der Nationalmannschaft spielen." Persönlich hat er mit Krupp allerdings noch nicht gesprochen und zweifelt deswegen, ob die Gerüchte wirklich stimmen: "Das alles klingt für mich wie ein Witz. Ich hoffe, wirklich dass der Bundestrainer nur falsch verstanden worden ist."

NHL-Profi Jochen Hecht kommt

Dem scheint jedoch nicht so, denn der Kampf um die Plätze im 24-Mann-Kader des DEB ist bereits voll entbrannt. Nach den ersten beiden Testspielen gegen Tschechien (2:6 und 3:5) über das Osterwochenende mussten vier Spieler ihre Koffer packen. Außerdem kündigte gestern NHL-Profi Jochen Hecht seine WM-Teilnahme an. "Wir haben seine Zusage", erklärte Krupp gestern. Hecht hat mit den Buffalo Sabres den Einzug in die Play-offs um den Stanley Cup verpasst und den Flug nach Deutschland deswegen bereits gebucht. Für die WM-Kandidaten, die noch um die letzten Tickets kämpfen, bedeutet das allerdings auch: Nach den letzten Vorbereitungsspielen gegen Dänemark heute in Ravensburg und am Samstag in Memmingen muss einer mehr nach Hause fahren.

Die Chancen für die Eisbären, die frühestens nach den Testspielen zum Kader stoßen könnten, werden dadurch nochmals kleiner. Der Bundestrainer schätzt die Chancen der Nachzügler deswegen realistisch ein: "Entweder müssen wir sie ganz genau kennen, oder sie müssen so überragend sein, dass sie uns sofort weiterhelfen."

Verschiebung der Meisterschaft ist einzige Lösung

Im Hinblick auf die nächste Saison hat er bereits im Gespräch mit den Verantwortlichen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) versucht, den engen Terminplan zu entzerren. Vor allem wenn im nächsten Jahr die WM in Deutschland stattfindet, sollen die Leistungsträger der Vereine auch in der Nationalmannschaft die Fans in die Hallen locken. Die Termine in der Liga zu verschieben, ist jedoch schwierig, die Arenen der Clubs sind bereits ausgebucht. Die einzige Lösung im nächsten Jahr könnte also nur eine Verschiebung der Weltmeisterschaft sein. Den Berliner WM-Kandidaten nützt das in diesem Jahr jedoch nichts mehr.

Das deutsche Team um Bundestrainer Uwe Krupp eröffnet die WM am 24. April gegen Titelverteidiger Russland. Weitere Gegner der Vorrundengruppe B sind Gastgeber Schweiz (26. April) und Frankreich (28. April). In der Gruppe A treffen Kanada, die Slowakei, Weißrussland und Ungarn aufeinander. Schweden, die USA, Lettland und Österreich bilden die Gruppe C. Finnland, Tschechien, Norwegen und Dänemark spielen in der Gruppe D.

Hauptrunde Hier stehen sich die jeweils ersten drei Teams der Gruppen B und C sowie der Gruppen A und D gegenüber. Gespielt wird gegen die drei Mannschaften aus der anderen Gruppe. Die Ergebnisse aus den direkten Vorrunden-Duellen werden mitgenommen. Die vier Gruppenletzten der Vorrunde ermitteln zwei Absteiger.

Play-off Die ersten Vier der beiden Hauptrundengruppen erreichen das Viertelfinale, ab hier wird im K.o.-System weiter gespielt.

Weltmeister Mit jeweils 24 Titeln sind Kanada und Russland Rekordweltmeister. Die Tschechen gewannen den WM-Titel elfmal. Für Deutschland stehen zweimal Silber (1930, 1953) und zweimal Bronze (1932, 1934) in der Statistik.

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