24.04.12

3:1-Sieg

Eisbären Berlin sind deutscher Rekord-Eishockey-Meister

Triumph der Leidenschaft: Die Eisbären drehen auch im fünften Finale gegen Mannheim einen Rückstand und sind zum sechsten Mal Meister.

Foto: DPA
DEL-Playoff-Finale Eisbären Berlin - Adler Mannheim
Sven Felski jubelt nach seinem 1000. Spiel mit dem Pokal

Dieser Abend war für viele ein ganz großer. In letzter Zeit feierten die Eisbären aus Berlin ihre Titelgewinne ja regelmäßig außerhalb Berlins. Seit die neue Arena im Friedrichshain steht, ist das so. Für die Mannschaft keine große Sache, aber eben schade für die vielen Fans, die in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seit 2009 für Rekorde gesorgt haben. Nun bot sich die Gelegenheit, die Serie gegen die Adler Mannheim ging ins fünfte und letzte Spiel – Heimvorteil Eisbären. Und sie beschenkten ihre Fans, gewannen 3:1 (0:1, 1:0, 2:0), setzten sich in der Serie mit 3:2 durch. Nie hat die O2 World ausgelassenere Freude bei den Spielen der Berliner erlebt als an diesem Abend. Bei der Siegerehrung wurden auch die Mannheimer gefeiert.

Eisbär Jens Baxmann konnte das Glück kaum fassen: "Es ist ein Traum. Und das bei den vielen Rückschlägen, die wir in dieser Saison haben hinnehmen müssen." Aber er zollte auch den Adlern großen Respekt: "Auch Mannheim hätte gewinnen können." Stefan Ustorf, der verletzt nicht mitspielen konnte, sagte nur einen Satz: "Ich bin unglaublich stolz auf die Jungs."

Einer der EHC-Spieler war mehr als nur glücklich: Sven Felski hatte Tränen in den Augen. Ausgerechnet an diesem Abend absolvierte er sein 1000. Spiel für die Berliner in der Ersten Liga. Die Mannschaft krönte es mit dem Meistertitel. Welch eine Dramaturgie! Und der 37-jährige Felski ging mit dem Pokal als Erster auf die Ehrenrunde. Die Eisbären dürfen sich nun Rekordmeister der DEL nennen, zum sechsten Mal feierten sie und ließen die Adler damit hinter sich. Schon Minuten vor dem Ende ging die Euphorie in der bebenden Halle in Ekstase über.

Und immer wurde nach Felski gerufen. "Was kann es im 1000. Spiel, auch noch in Berlin, Schöneres geben?", fragte er rhetorisch. "In den ersten 20 Minuten haben wir nicht gut gespielt", gab er zu, "aber danach haben wir den richtigen Weg gefunden." Und dann kam natürlich die Frage aller Fragen: Macht Felski weiter, hängt er noch ein weiteres Jahr beim EHC dran? "Keine Ahnung", kam als Antwort, "jetzt werden wir erst mal feiern – und im Sommer sehen wir weiter."

Erstmals mussten die Eisbären in einer Finalserie über die volle Distanz gehen. Nach dem Spiel vom Sonntag in Mannheim, bei dem sie einen 2:5-Rückstand noch in ein 6:5 nach Verlängerung drehen konnten, war der psychologische Vorteil auf Seiten der Berliner.

Die Adler blieben jedoch ruhig, während die Berliner bald etwas nervös wurden. Dadurch entstanden mehr kritische Situationen vor dem Tor von Rob Zepp als vor dem von Fred Brathwaite bei den Adlern. Für einen Moment schien sich diese leichte Nervosität auf Zepp zu übertragen, er traf eine falsche Entscheidung, als er einen Puck mit dem Schläger wegschieben wollte. Das wurde zu einer Vorlage für Ronny Arendt, der die Adler in Führung brachte (14.). Die Quote der Missverständnisse bei den Eisbären steigerte sich nun rapide. Vor den Augen von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit bekam die Mannschaft von Trainer Don Jackson arge Probleme, aus dem eigenen Drittel herauszukommen. Die Adler nahmen die Verunsicherung wahr, stellten sich an der Blauen Linie auf und fingen fast alle Aufbaupässe ab. Doch sie nutzten das nicht aus. Dafür spürten die Zuschauer, dass die Mannschaft Unterstützung brauchte, sie wurden lauter. "Dy-na-mo, Dy-na-mo" donnerte es durch die Arena. Und irgendwann kam einmal ein Pass der Berliner durch, Florian Busch spielte Barry Tallackson frei und der traf zum glücklichen Ausgleich (34.).

Ausgleich gibt neue Kraft

Das veränderte das Spiel, die Eisbären schöpften Kraft und Mut aus diesem Treffer. Sie konnten selbst wieder das Geschehen gestalten, liefen nicht mehr nur hinterher. Die Partie wurde zu einem offenen Schlagabtausch, zu einem echten letzten Finalspiel, in dem jeder der ebenbürtigen Kontrahenten alles gab.

Zu Beginn des letzten Drittels stand Fehlervermeidung im Vordergrund. Es wurde ruhiger auf dem Eis. Als sich aber Darin Olver hinter dem Tor an der Bande durchsetzte und Brathwaite den Puck durch die Beine schob, brandete riesiger Jubel auf (45.). Die Berliner lagen vorn, hatten jetzt ihrerseits erstmals in der Serie den Titelgewinn vor Augen. Und anders als die Adler noch vor zwei Tagen behielten die Eisbären die Nerven. Julian Talbot verwandelte gegen den starken Brathwaite einen Penaltyschuss (51.) und baute die Führung aus. Und dann war nur noch Jubel.

Es war ein Abschluss der Saison, der kürzlich noch unmöglich schien, weil die Adler einfach wenig falsch machten und den Berliner ihr personelles Defizit vor sich hertrugen. Doch im großen Stil blendeten sie alles aus, kämpften bis zur letzten Minute und belohnten sich mit dem sechsten Titel in den vergangenen acht Jahren.

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