22.04.12

Eishockey

Fans machen den Eisbären im Meisterkampf Mut

Noch eine Niederlage und die Eisbären sind nur Vizemeister. Vor dem vierten Finalspiel in Mannheim machen jetzt die Fans mobil.

Von Marcel Stein
Foto: DPA
DEL-Playoff-Finale- Eisbären Berlin - Adler Mannheim
Lassen sich nicht aus der Ruhe bringen: Eisbären-Trainer Don Jackson und seine Mannschaft

Im Finale passieren schon mal Dinge, die sonst nicht so vorkommen. Ein paar Fans sind ja öfter hinter der Bande zu sehen, wenn die Mannschaft des EHC Eisbären ihre Spielzüge übt. Meist schauen sie wegen Autogrammen vorbei.

Am Sonnabend saßen und standen gut 100 Anhänger im Wellblechpalast herum, und um Unterschriften ging es den wenigsten. Sie wollten sich zeigen, Mut machen, sie applaudierten, schrien wie bei den Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) öfter "Dynamo, Dynamo". "Ich finde das gut", sagte Manager Peter John Lee zu dem kleinen mentalen Aufbauprogramm.

Schaden kann es sicher nicht, die Berliner brauchen jetzt Zuspruch, vor allem aber Selbstvertrauen. Am Abend zuvor hatten sie im dritten Finalspiel in eigener Halle 1:2 gegen die Adler Mannheim verloren, genauso steht es nun in der "Best of five"-Serie. Was bedeutet, dass die Adler am Sonntag in Mannheim Deutscher Meister werden können (16.30 Uhr, Sky live), falls es den Eisbären nicht gelingt, mit einem Sieg eine Entscheidung am Dienstag in Berlin zu erzwingen. "Wir glauben an Euch, es ist noch nichts verloren", hatten die Fans ans Plexiglas plakatiert, schön groß, damit es jeder Spieler während des Trainings gut lesen konnte.

Vieles richtig gemacht

Ihre Zuversicht ist den Eisbären trotz der prekären Lage jedenfalls nicht abhanden gekommen. "Ich bin überhaupt nicht beunruhigt", sagt Florian Busch. Er hatte sich viele Gedanken gemacht, darüber, was gut oder schlecht gewesen war. Negatives konnte er kaum finden. "Wir müssen nur Tore schießen. Ansonsten haben wir viel investiert und vieles richtig gemacht", so der Angreifer. Nur der Lohn blieb aus.

Warum, das wussten die Berliner schnell. "Wir waren ein bisschen zu verspielt", sagt Verteidiger Jens Baxmann. Obwohl der Drang nach vorn gut war, die Eisbären mächtig Druck ausübten, ergab sich nur selten Zwingendes. Es wurde nicht direkt zum Tor gespielt, sondern mehr drumherum. Das sieht zwar hübsch aus, führt jedoch nicht zum Ziel. "Kreativ sein ist gut und schön", sagt Busch, "aber wir müssen mehr zum Tor ziehen." Wobei das einfacher klingt, als es ist. "Mannheim hat kompakte Verteidiger, an denen man nur schwer vorbeikommt", sagt Busch.

Dafür müssen sich die Eisbären eine Lösung überlegen. Ansonsten ist der Änderungsbedarf nicht groß. "Wir wären dumm, wenn wir nur auf die Niederlage schauen würden und nicht darauf, wie wir gespielt haben", sagt Trainer Don Jackson. Er beklagte lediglich einen kleinen "mentalen Fehler", der Travis Mulock unterlaufen war und zum 1:1 führte.

Auch die Strafzeit, die das Spiel entschied, war unglücklich. Doch bei zwei Mannschaften, die auf etwa gleichem Niveau agieren, sind es genau solche Dinge, die den Ausschlag geben. Aber es passt schon ins Bild, dass ausgerechnet Mulock solche Patzer unterlaufen. Er, sein Bruder Tyson, aber auch Julian Talbot spielen sehr unscheinbar im Play-off. Deshalb werden Profis wie Stefan Ustorf, Denis Pederson (beide verletzt) und André Rankel (gesperrt) gerade jetzt arg vermisst bei den Eisbären.

Als Konsequenz daraus gehen die Berliner nun mit einem ungewohnten Gefühl in dieses Spiel. "In einem Finale hatten wir diese Situation noch nicht", sagt Baxmann. Zumindest nicht, seit die Eisbären 2005 ihren ersten Titel gewannen. Zuletzt hatten sie 2004 ein Finalheimspiel verloren, es war das dritte der Serie gegen Frankfurt, im vierten wurden die Lions damals daheim Meister.

Doch solche Statistiken sind Makulatur, es ließen sich genauso gut welche finden, die für die Berliner sprechen. "Wir müssen uns an Düsseldorf erinnern, da waren wir auch unter Druck und haben unser bestes Play-off-Spiel abgeliefert", erzählt Baxmann. Das war vergangene Saison im Halbfinale, als das fünfte Spiel in Düsseldorf über die Serie entschied und die Berliner wenig später den Titel gewannen.

Motivierend könnten auch andere Dinge wirken, Sven Felski etwa würde am Dienstag zum 1000. Mal in der ersten Liga für den EHC auflaufen. Auch haben die Berliner noch nie eine Serie in der O2 World final entschieden. Busch lacht nur angesichts dieser Fakten. Weil es einfach nicht interessiert, es geht jetzt nur um dieses eine Spiel am Sonntag. "Wir müssen uns durchbeißen", sagt Baxmann. Der Trainer lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass sein Team dazu in der Lage ist: "Ich bin sicher, dass wir jedes Spiel gewinnen können." Auch dieses in Mannheim.

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