Finalserie
Was die Eisbären aus der Niederlage in Mannheim lernen
Insbesondere das letzte Drittel beim 1:4 in Mannheim war für die Eisbären enttäuschend. Doch die Berliner sind gleichwertige Gegner.
Don Jackson tut sich ziemlich schwer mit Niederlagen, gerade im Play-off, und genau dort befindet sich der Trainer mit den Eisbären Berlin. Adler Mannheim heißt der Gegner im Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und der war am Mittwochabend im zweiten Spiel einfach zu stark für den Titelverteidiger. Nach dem 4:1 hatte Jackson in der Kabine der Berliner wohl viel zu tun, zu erklären, vielleicht auch zu trösten. Jedenfalls ließ er zur obligatorischen Spielanalyse auf sich warten, und Harold Kreis, Trainer der Adler, war sichtlich genervt.
Die Wartezeit hatte auch ihr Gutes. Adam Mitchell (30) verschaffte sie eine bessere Bühne für Beurteilungen des Sieges, mit dem die Adler in der Serie "Best of five" zum 1:1 ausglichen, aber auch seiner eigenen Leistung. Seine Sturmreihe mit Christoph Ullmann und Ken Magowan hatte alle Treffer erzielt, Mitchell jeweils seinen Anteil: "Vier Punkte im Finale, das ist ein Traum." Die ersten beiden Treffer bereitete er vor, die letzten beiden schoss er binnen 73 Sekunden selbst.
"Das Spiel meines Lebens"
Mitchell und seine beiden Kollegen dominieren in diesem Play-off, sie bilden das Sturmtrio mit den meisten Punkten, sind so etwas wie Mannheims Versicherung im Titelkampf. Trainer Kreis sagt: "Sie erlegen sich selbst eine große Verantwortung auf." Dass Mitchell mal so viel davon würde tragen können bei einem Verein wie Mannheim, darauf gab seine Laufbahn lange keine Hinweise. Mit 23 Jahren kam er nach Deutschland, direkt vom College in die Dritte Liga. Ein paar Jahre tingelte er durch die Provinz, spielte in der zweiten Liga, bis ihn Hans Zach nach Hannover lotste. Dort wurde der Kanadier bereits 2010 Meister.
Seinen sportlichen Höhepunkt erlebt er aber erst jetzt. "Das war das Spiel meiner Karriere", sagte er nach dem 4:1. Von solchen Superlativen war Christoph Ullmann weit entfernt, er blickte auf Spiel drei der Serie, die an diesem Freitag in Berlin fortgesetzt wird (19.30 Uhr, O2 World und Sky). "Die Eisbären werden sicher auch ihre Schlüsse aus dem Spiel ziehen", sagte Ullmann. So wie Mannheim es nach der ersten Partie getan hatte. Die Adler liefen mehr, hielten die Positionen gut, sie gewannen Bullys und Zweikämpfe, gaben den Eisbären nur wenig Platz.
Trotzdem spielten die Berliner teilweise gut. "Wir haben es aber nicht geschafft, richtig Druck aufzubauen", sagte Verteidiger Jens Baxmann. Ebenso wurde Torhüter Rob Zepp nur unzureichend unterstützt. "Das war das Spiel, in dem wir die meisten Rebounds im Play-off zugelassen haben", erzählte Stürmer Daniel Weiß. Im letzten Drittel lief gar nichts mehr. "Das war einfach fürchterlich", bekannte Jackson, "einigen schien die Energie zu fehlen, warum, weiß ich nicht." Das wirft die Frage auf, ob die Kompensationsfähigkeit der Mannschaft ihre Grenze erreicht, schließlich mussten die ganze Saison über viele Verletzungen aufgefangen werden. Im Play-off fehlt eine ganze Top-Sturmreihe.
Jackson beschäftige sich aber nicht nur mit den Unzulänglichkeiten seines Teams, sondern auch mit Aktionen der Adler. Im Kabinengang sprach er Kapitän Marcus Kink an, weil er Florian Busch absichtlich gegen den Kopf gecheckt haben soll, das sorgte für einigen Unmut. Durch übertriebene Härte fällt das Finale bisher jedoch nicht auf. Mehr dadurch, dass sich zwei gleichwertige Gegner gegenüberstehen. Zumindest, wenn die Berliner das letzte Drittel in Mannheim ausklammern.















