15.04.12

Eishockey

Warum die Eisbären im Finale gegen Mannheim Favorit sind

Starke Psyche, mehr Erfahrung und eine wohlwollende Statistik: Die Berliner liegen im Rennen um die Meisterschaft hauchdünn vorn.

Von Marcel Stein
Foto: DPA
DEL-Playoffs - Adler Mannheim - Eisbären Berlin
Titelkonkurrenten: Noch einmal treffen der Mannheimer Shawn Belle (r) und der Berliner Sven Felski aufeinander

Da sind ein paar Dinge, die klare Hinweise darauf geben, wer in den nächsten Tagen die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für sich entscheidet. Berliner gegen Mannheim lautet das Duell, die beiden Branchenriesen machen den Titel unter sich aus, Sonntag geht es in der O2 World los (14.30 Uhr, Sky live), maximal fünf Spiele wird die Serie dauern. An sich aber müssten nun gar keine Nerven zerfetzenden Partien folgen, denn es weiß doch ohnehin jeder, dass die Berliner ihre Titel stets im Doppelpack gewinnen. Und nach der Meisterpause 2010 folgt auf den fünften Pokal aus dem Vorjahr logischerweise nun der sechste.

Natürlich wirkt einer dieser Serienfaktoren nicht überzeugend, aber es gibt ja noch mehr. Beide Klubs stehen sich zum sechsten Mal im Play-off gegenüber, die ersten drei Duelle gingen an Mannheim, danach gewannen die Berliner – bislang zweimal, also sind die Eisbären wieder dran. Außerdem setzten sich in der Hauptrunde jeweils die Heimteams durch, und die Berliner haben im Zweifelsfall ein Heimspiel mehr. Was soll also passieren? Zumal der EHC seit dem ersten Titel kein Finale mehr verloren hat.

Leider stellt sich in Wirklichkeit dann doch alles etwas diffiziler dar. Größere Vor- oder Nachteile sind bei keinem der beiden Kontrahenten auszumachen. Es sind die besten Teams, die sich herausfordern. "Es werden wohl tatsächlich nur ganz kleine Dinge sein, die am Ende entscheiden", sagt EHC-Trainer Don Jackson. Ein paar davon sollen hier aufgelistet werden, genauso wie einige Punkte, in denen sich Eisbären und Adler gleichen.

Erfahrung: Wenn es ein Merkmal in dieser Serie gibt, dass ohne Zweifel und ganz eindeutig einem der Konkurrenten einen Vorteil verschafft, dann ist es dieses. Geradezu jungfräulich nimmt sich die Titelbilanz aller Adler-Spieler aus verglichen mit der der Berliner. Sechs deutsche Meisterschaften vereint der aktuelle Kader der Mannheimer, dazu kommt eine unterklassige nordamerikanische und eine russische. Bei den Eisbären sind es 39 deutsche Titel, dazu ein Stanley Cup aus der NHL. Auch auf der Trainerbank ist das Verhältnis klar. Jackson gewann als Spieler zwei Stanley Cups, als Coach drei DEL-Titel, einen deutschen Pokal und die European Trophy. Harold Kreis wurde mit Mannheim zweimal als Spieler Meister und gewann in der Schweiz als Trainer zwei Trophäen. Einen Nachteil sieht Jackson in der Titelfülle nicht: "Gewinnen wird niemals langweilig."

Fazit: Vorteil Berlin

Köpfe: Viel Aufmerksamkeit werden die ersten Reihen in der Serie auf sich ziehen. Christoph Ullmann, Ken Magowan und Adam Mitchell sammelten in den bisherigen neun Play-off-Spielen der Adler 34 Scorerpunkte. Bei den Eisbären kommen Barry Tallackson, Florian Busch und Darin Olver auf 31 Zähler – dafür brauchten sie aber nur acht Partien. Neben diesen Formationen sind die Männer zwischen den Pfosten wichtige Faktoren. Rob Zepp vom EHC und Fred Brathwaite von den Adlern führen die Torhüterstatistik mit herausragenden Werten an. Beide sind sich sehr ähnlich, sie überzeugen mit viel Ruhe und starken Reflexen.

Fazit: Unentschieden

Schlagkraft: Besonders die letzte Serie zwischen beiden Mannschaften im Halbfinale 2009 ist noch gut in Erinnerung, was Härte angeht. Gerade in Mannheim ging es sehr rustikal zur Sache. Einmal brachte das die Eisbären aus dem Konzept, beim zweiten Mal waren sie gut vorbereitet und gewannen die Serie. Auch diese Saison zeigte bereits, dass es ordentlich krachen kann, Shawn Belle erkämpfte sich einen Platz im Gedächtnis von Sven Felski, der nun gern Revanche nehmen würde. Mit Denis Reul verfügen die Adler über noch einen sehr kräftigen Verteidiger, der auch mal austeilt. Bei den Eisbären fehlt das eher, sie sind insgesamt überwiegend brave Typen. Aber auch solche, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn es mal etwas härter wird.

Fazit: Unentschieden

Deutsche: Schon seit einiger Zeit gibt es eine feste Formel zum Gewinn der Meisterschaft: Wer die besten einheimischen Profis in seinen Reihen hat und damit einen starken Kader bis in die letzten Positionen, für den sieht es gut aus. Über starke deutsche Spieler verfügen sowohl Mannheim und Berlin reichlich. Beide Klubs sind bekannt für Nachwuchsarbeit, die für die höchste Qualität im Land birgt. Die Berliner setzten dieses Gut schon lange spezifisch ein, es ist ein wichtiger Teil der Dominanz über die vergangenen Jahre. Mannheim zieht nun nach und versammelt ebenso viele deutsche Spitzenspieler im Kader. Drei Berliner wissen sogar sehr genau, wie Talente bei den Adlern geformt werden. Die Brüder Constantin und Laurin Braun sowie Florian Busch, der trotz seiner Gesichtsverletzung aus dem Halbfinale spielen soll, entstammen dem Mannheimer Nachwuchs. Schlecht für die Berliner ist, dass der Nationalspieler und Play-off-Top-Scorer der Vorsaison André Rankel für das Finale gesperrt ist. "Sie haben im Augenblick den tieferen Kader", sagt EHC-Stürmer Sven Felski.

Fazit: Vorteil für Mannheim

Charakter: "Wir müssen als Mannschaft zusammenhalten." Das ist Felskis Rezept. Es wird allein deshalb wichtig, weil neben Rankel auch Denis Pederson und Stefan Ustorf fehlen – fraglos eine Top-Reihe in der DEL. Aber Personalprobleme gehören bei den Eisbären ebenso zum Play-off wie die Titel. Sie konnten immer damit umgehen. Deshalb sagt Trainer Jackson auch: "Wir haben genug Spieler, um zu gewinnen." Bei den Adlern war Charakter lange ein Schwachpunkt, aber Trainer Kreis hat das mit den richtigen Transfers zu einer Stärke gemacht, das Team ist harmonisch wie lange nicht. Das gibt den Adlern Auftrieb.

Fazit: Unentschieden

Letztlich sind sich beide Mannschaften sehr ähnlich, in Tor, Abwehr und Angriff unterschieden sie sich nur in Nuancen. Seit Jahren gab es in der DEL kein Finale mehr, das so wenig vorhersehbar war. Sicher verfügen die Berliner über einen Hauch mehr Talent, dafür können die Adler auf etwas mehr körperliche Stärke bauen. Doch das Abwägen der Argumente bringt keine klaren Erkenntnisse. Vielleicht ist es einfach besser, auf die eingangs erwähnten Statistiken zu setzen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Vatikan Papst feiert mit 150.000 Gläubigen Ostermesse
Murmansk Himmelskörper verursacht Lichtexplosion
In Feiertagsstimmung Miranda Kerr schmeißt sich ins Osterhäschen-Kostüm
Südkorea Geretteter Schulleiter bringt sich um
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Mount Everest

Tote Sherpas und ehrgeizige Touristen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote