Volleyball Warum Vital Heynen nicht mehr Bundestrainer sein will

Ganz ruhig: Vital Heynen sagt, der Abschied von den deutschen Volleyballern war ein besonders emotionales Erlebnis

Foto: Soeren Stache / dpa

Ganz ruhig: Vital Heynen sagt, der Abschied von den deutschen Volleyballern war ein besonders emotionales Erlebnis

Im Sommer endet die Zusammenarbeit der deutschen Volleyballer mit Vital Heynen. Mit der Morgenpost spricht der Belgier über die Gründe und ein Angebot aus Berlin.

Berlin.  Im Sommer endet nach vier Jahren die Amtszeit von Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen. Der Belgier wurde mit dem Männerteam WM-Dritter 2014. Nach verpasster Olympia-Qualifikation jedoch verlängerte der 46-Jährige entgegen dem Wunsch des Verbandes seinen Vertrag nicht. Mit der Morgenpost sprach Heynen vor dem Pokalfinale zwischen den BR Volleys und dem TV Bühl (Sonntag, 16.45 Uhr, Sport1) über die Gründe und ein mögliches Engagement in Berlin.

Berliner Morgenpost: Sehen Sie sich das Pokalfinale an, Herr Heynen?

Vital Heynen: Ja, für mich schließt sich dort ein Kreis. 2012 war meine erste Amtshandlung als Bundestrainer der Besuch beim Pokalendspiel in Halle. Vier Jahre später sehen wir uns wieder, und meine Geschichte in Deutschland neigt sich dem Ende entgegen.

Aber allein deshalb schauen Sie nicht zu.

Ich glaube sehr stark an den Erfolg von Events. Heutzutage kannst du nicht so einfach etwas für jede Woche verkaufen. Aber einmal im Jahr – da holst du nicht nur die Leute herein, die Volleyball gucken. Solche Veranstaltungen öffnen den Sport zugleich für ein ganz neues Publikum. Darum sind sie wichtig. Da wünscht man sich Spiele mit großer Dramatik, damit diese Leute nächstes Jahr wiederkommen.

Sehen Sie denn eine positive Entwicklung, kommen die Leute zurück?

Mein Gefühl ist, dass die Sportart Schritte nach vorn gemacht hat. Aber es sind kleine Schritte.

Was machen denn Länder wie Polen, Türkei, Italien besser in ihren Ligen, dass sie besser funktionieren?

Ich sehe nicht, dass die türkische Liga besser funktioniert. Dort gibt es unglaublich viel Geld, aber keine Begeisterung. Ich habe dort gearbeitet, da waren bei Spielen 100 Zuschauer auf der Tribüne. Polen ja – da gibt es eine riesige Volleyball-Euphorie. Klar ist: Wenn die Nationalmannschaft gut spielt und die Vereine gut spielen, dann kommen immer mehr Leute zum Zuschauen. Aber Fußball etwa können wir nie schlagen. Jede Sportart hat ihre Chancen, aber auch ihre Grenzen.

Ist denn die polnische Liga einholbar?

In Polen ist Volleyball die Nummer eins, ich glaube, das schaffen wir hier nicht. Aber es wird schrittweise vorwärts gehen. Weil die deutsche Liga eine wirtschaftlich gesunde, stabile Liga ist. Davon verspreche ich mir in den nächsten Jahren noch mehr Qualität.

Was wäre der nächste Schritt, der gemacht werden muss, um Volleyball in Deutschland weiterzuentwickeln?

Ein Thema habe ich vier Jahre lang vergeblich angesprochen. In jeder großen Liga gibt es eine Ausländerbeschränkung. Ich plädiere dafür, damit meine Nationalspieler hier bessere Angebote bekommen. Aber es ist auch wichtig für die Identifikation der Fans. Überall wird es lieber gesehen, wenn Leute aus dem eigenen Land auf dem Feld stehen. Natürlich ist es kein Problem, wenn ein Robert Lewandowski für die Bayern spielt. Aber die Gefahr ist groß, wenn nur noch Ausländer spielen, dass alles allein abhängt vom Erfolg. Und nur dann die Leute kommen. Keine Frage, man braucht große Stars. Aber man braucht auch deutsche Spieler auf dem Feld. Schade, dass es da in vier Jahren nicht vorwärts gegangen ist. Worin Deutschland auch noch zulegen kann, obwohl sie auf einem guten Weg sind, ist die Infrastruktur. Du brauchst gute Hallen, die Leute müssen sich dort wohl fühlen. Polen hat das vorgemacht.

Aber deshalb hören Sie nicht als Bundestrainer auf. Warum also?

Wenn, dann hätte ich für vier Jahre verlängert, es geht ja immer um einen olympischen Zyklus. Die ersten vier Jahre waren super, meine besten Jahre im Volleyball. Ich kann nicht ein schlechtes Wort sagen, habe nie zuvor mit einer so angenehmen Gruppe gearbeitet. Als wir nach der verpassten Olympia-Qualifikation Abschied genommen haben, das war so emotional, so emotional habe ich das mit Spielern noch nie erlebt. Aber dann musst du nachdenken. Ich verliere nicht gern, ich mache gern etwas immer besser. Kann ich das noch vier Jahre schaffen, dass es besser wird? Meine Antwort an mich selbst war: Das wird schwierig.

Sie klingen dennoch positiv. Haben Sie nichts vermisst? Unterstützung, Leidenschaft, Anerkennung?

Viele Sachen, aber die verrate ich nicht (lacht). Ich nehme das Positive mit. Ich finde nur, dass ihr in Deutschland, wenn es nicht um Fußball geht, Dingen nicht genug Aufmerksamkeit schenkt. Deshalb habe ich mich sehr über die Anerkennung gefreut für die Handballer nach ihrem EM-Sieg. Das brauchen wir auch in anderen Sportarten. Ich denke nicht an mich, ich habe genug Aufmerksamkeit gekriegt. Nehmen Sie lieber Denis Kaliberda und Georg Grozer. Sie zählen zu den besten Volleyballern der Welt. Aber wenn sie hier morgens auf die Straße gehen, werden sie nicht mal erkannt. Wir verkaufen unsere Sportart nicht genügend.

Wenn Sie Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes wären – was würden Sie als erstes tun?

Hören Sie auf, ich bin ein Macher, ein hyperaktiver Mensch. Ich würde verrückt werden, wenn ich still auf einem Stuhl sitzen müsste. Wir haben mit Thomas Krohne einen Präsidenten, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Vielleicht hat er das gleiche Problem wie ich. Er kommt aus der Wirtschaft und versucht, etwas zu bewegen, zu verändern. Aber in einer bürokratischen Sportverwaltung ist das schwierig, viel schwerer als in einem Unternehmen.

Was sagen Sie zum Bericht einer Fachzeitschrift, Krohne habe seine Position genutzt, um seinem Medienunternehmen wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen?

Ich habe in vier Jahren Zusammenarbeit nie das Gefühl bekommen, dass Thomas Krohne etwas für sich oder sein Unternehmen gemacht hat. Er will Volleyball voranbringen. Ich kenne die Fakten nicht, aber mein Gefühl würde mich sehr trügen, wenn das wahr wäre.

Warum sind Sie eigentlich nicht Trainer der BR Volleys? Sie haben Visionen, verrückte Ideen, fangen gern Neues an – klingt ideal für diese Stadt. Und die Berliner wollten Sie doch verpflichten, oder?

Wir hatten im letzten Jahr Kontakt, das stimmt. Aus familiären Gründen habe ich abgesagt, ich war fast zwei Jahre lang nicht zu Hause gewesen und wollte Zeit für meine Familie haben. Wenn das Interesse der Berliner bleibt, werden wir eines Tages wieder zusammensitzen und reden. Die BR Volleys sind ein gutes Projekt. Und ich habe schon ein paar Ideen, was man noch machen könnte. Ich brauche Spieler, die gern arbeiten und Leute, die bereit sind, etwas zu ändern und die hohe Ziele haben. Ich suche immer nach Orten, wo man etwas Neues, etwas Besseres erreichen kann. Vielleicht kommen Berlin und ich eines Tages zusammen. Verrückte Ideen habe ich immer.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter