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26.09.11

38. Berlin-Marathon

Makaus Weg vom Bauernjungen zum Weltstar

In Berlin wurde Makau Weltrekordler im Marathon. Doch schon als Kind in Kenia plante er seinen Triumph. Anfängliche Stolpersteine in seiner Karriere hat Makau gemeistert - und nun fasst er Olympia 2012 ins Visier.

REUTERS

Der glückliche Sieger des 38. Berlin-Marathons - Patrick Makau aus Kenia.

17 Bilder

Am Morgen danach ist Patrick Makau wie immer: zurückhaltend, freundlich lächelnd, manchmal aber auch ein bisschen verhuscht. Dass er 24 Stunden zuvor einen Weltrekord im Marathon aufgestellt hat, ist dem Kenianer wahrlich nicht anzumerken. Da ist keiner, der mit Stolz darüber schwadroniert, wie er es geschafft hat. Oder der sich darin sonnt, Haile Gebrselassie, die Lauflegende aus Äthiopien, problemlos abgehängt zu haben.

Nein, Makau erzählt ein wenig versonnen davon, dass er am Morgen "ganz normal" geduscht habe, und dass auch sonst alles seinen Gang gehe. Außer, und da freut er sich richtig, "dass ich heute nicht trainiere". Der 26-Jährige, der am Sonntag beim Berlin-Marathon den bisherigen Weltrekord von Gebrselassie gleich um 21 Sekunden auf 2:03:38 Stunden verbessert hat, wird sich noch einige Tage länger Pause gönnen – und erst einmal alles sacken lassen. "Meine Muskeln sind sehr steif."

In Topform war er am Sonntag, als er vor einer Million Zuschauern durch die Straßen der Hauptstadt gerannt ist. In Berlin, wo er sein Läuferglück jetzt endgültig gefunden hat. Sechsmal ist er bisher in der Stadt an den Start gegangen, je zweimal über 25 Kilometer, im Halbmarathon und eben im Marathon – jedes Mal gewann er.

Eintrittskarte in ein "besseres Leben"

Aber der Coup jetzt ist natürlich der Höhepunkt, "der beste Tag in meiner Karriere". Eine Karriere, die sehr klischeebehaftet scheint, die aber doch die Realität in seiner Heimat widerspiegelt. Schnelles Laufen war für Patrick Makau die Eintrittskarte in ein "besseres Leben", wie er es ausdrückt. Inzwischen ist er ein wohlhabender Mann geworden, die Prämien für seine Siege können sich sehen lassen. Allein der Veranstalter des Berlin-Marathons zahlte ihm 40.000 Euro für den Sieg und 50.000 Euro für den Weltrekord. Mal ganz abgesehen vom Antrittsgeld und Sponsoren-Zahlungen, die den Weltrekord ebenfalls versilbern.

Der junge Makau orientierte sich an den unzähligen kenianischen Läuferstars, die ihr Glück mit ihren schnellen Beinen gemacht haben. "Ich habe gesehen, dass es ihren Familien durch ihre Erfolge besser ging. Ich hörte ihre Namen im Radio und las sie in Zeitungen." Er beschloss: "Ich will so werden wie sie." Besonders wie einer, den er zu seinem großen Vorbild auserkoren hat: Paul Tergat. Der heute 42-Jährige stellte Weltrekorde über 10.000 Meter, im Halbmarathon und im Marathon auf. In einem hat Makau mit seinem Idol jetzt gleichgezogen: Auch Tergat lief in Berlin zum Marathon-Weltrekord, seine 2:04:55 Stunden vom 28. September 2003 hatten vier Jahre lang Bestand. 2007 dann war Gebrselassie 2007 schneller. "Wir leben in der gleichen Gegend, in Ngong in der Nähe von Nairobi", berichtet Makau über sich und Tergat.

Ersten Start verpasst

Schon bei Schulwettkämpfen war Makau aufgefallen, der talentierte Farmersohn aus ärmlichen Verhältnissen wurde gefördert; erst an der Unyuani Primary School, anschließend an der Kyeni Academi Misiani. Im Juli 2005 lief er sein erstes Rennen im Ausland. Er gewann dabei gleich den Halbmarathon in Tarsus (Türkei). "Ich war völlig unerfahren", blickt er zurück, "keiner wies mich ein, so habe ich den Start verpasst." Die Konkurrenten waren schon 100 Meter weit weg, Makau hat sie trotzdem locker eingeholt und abgehängt. Auch wenn obendrein die Schnürsenkel seiner Schuhe immer wieder aufgingen. "Ich bin trotzdem immer weiter gelaufen", erinnert er sich an den hindernisreichen Beginn seiner jetzt schon großen Karriere.

Patrick Makau ist sich seiner Stärke bewusst und plant Großes: "Wenn Gott mir die Kraft gibt, will ich bei den Olympischen Spielen Gold gewinnen." Mit seiner Fabel-Zeit steht er kommendes Jahr sicher in der kenianischen Mannschaft. "In London", blickt er schon einmal voraus, "geht es nicht um die Zeit, sondern nur um den Sieg." Doch auch dort gilt: Wer am schnellsten ist, gewinnt Gold.

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