Star-Läufer
Gbrselassie ist für Marathon ein "Lottogewinn"
Auf keinen Läufer freuen sich die Berliner so sehr wie auf Haile Gebrselassie. Der berühmte Äthiopier konnte den Berlin-Marathon in den letzten fünf Jahren vier Mal gewinnen und ist ein absoluter Publikumsmagnet.
Von Sebastian Arlt
Ein paar Touristinnen haben sogar gekreischt, als der kleine Mann Freitagfrüh am Brandenburger Tor auftauchte. "Haile, Haile"-Rufe, Bitten um Autogramme und gemeinsame Fotos. Und Haile Gebrselassie, der berühmteste Läufer der Welt, hat alle Wünsche erfüllt. Lächelnd natürlich, wie man den 1,64 Meter großen Äthiopier kennt. "Wie ein Popstar" sei Gebrselassie gefeiert worden bei seiner Visite am geschichtsträchtigen Ort, hat Mark Milde beobachtet. Den Renndirektor des Berlin-Marathons hat diese Episode einmal mehr darin bestärkt, wie wichtig es ist, den beliebten Läufer an diesem Sonntag wieder im Starterfeld zu haben. "Wie ein Lottogewinn" sei das, sagt Milde.
Dabei schien die schöne Geschichte zu Ende zu sein, diese Liebesbeziehung zwischen Berlin und Haile. "Hier ist meine Glücksstadt", sagt der 38-Jährige gern. Vor 19 Jahren ist er als Junior zum ersten Mal bei einem Staffelrennen in Berlin gelaufen, später hat er viermal hintereinander (2006 bis 2009) den Marathon gewonnen, zweimal davon in Weltrekordzeit. Noch immer steht die Bestmarke bei 2:03:59 Stunden, gelaufen von ihm am 28. September 2008 . Nirgends schlug ihm bei Läufen so viel Sympathie entgegen wie in Berlin, wo eine Million Zuschauer den Mann mit dem großen Herzen bejubelten.
Doch im vergangenen Herbst zog er einen Start in New York vor. Es war in Berlin das "Jahr eins nach Haile" (Milde), doch für Gebrselassie endete sein Auftritt in "Big Apple" am 7. November 2010 in einem Desaster. Er gab nach 25 Kilometern mit Kniebeschwerden auf, erklärte danach unter Tränen seinen Rücktritt. Zwei Wochen später folgte jedoch die Rolle rückwärts, der Rücktritt vom Rücktritt. Gebrselassie läuft weiter, weil er die Herausforderung sucht, Laufen sein Leben ist, und sicher auch, weil seine Passion sehr gut entlohnt wird.
"So wollte ich nicht zurücktreten", erzählt er heute rückblickend, dabei blitzen beim Lächeln seine weißen Zähne. Doch das sei alles Vergangenheit, es zähle "nur die Zukunft": neue Läufe, neue Ziele. Über allem steht jetzt die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London 2012. Denn dem zweimaligen Olympiasieger (1996 und 2000 über 10.000 m) und viermaligen Weltmeister, der in seiner Karriere bisher 20 Weltrekorde über diverse Langstrecken aufgestellt hat, fehlt noch die Krönung. Denn: "Die wichtigste Medaille ist eben Gold im Marathon."
Aber erst einmal muss sich auch ein Haile Gebrselassie für Olympia qualifizieren. Die drei schnellsten Äthiopier werden in London für ihr Land an den Start gehen. "Es gibt sehr gute Leute, ich muss sehr schnell laufen", sagt Gebrselassie. Eine Zeit zwischen 2:04 und 2:05 Stunden muss es wohl schon sein. Es gehe "weniger um den Sieg als eben um eine starke Zeit". Seinem schärfsten Konkurrenten, dem Vorjahressieger Patrick Makau, geht es ähnlich. Auch für ihn soll Berlin zum Sprungbrett in Richtung London dienen. Dafür muss er zu den schnellsten drei Kenianern gehören.
Die Strecke in Berlin ist schnell, die Bedingungen zumeist optimal. Die Chancen, eine starke Zeit in Hinblick auf die Olympia-Qualifikation zu laufen, sind hier besonders groß. "Das hat uns bei der Verpflichtung der Stars sehr geholfen", gibt Milde zu. Gebrselassie und Makau haben ebenso Abstriche beim Antrittsgeld gemacht wie die Favoritinnen im Frauenrennen, Paula Radcliffe und Irina Mikitenko.
Doch wie stark ist Gebrselassie wirklich? Im Februar 2011 wollte er einen Marathon in Japan laufen, wegen eines Trainingssturzes im Vorfeld musste er seine Teilnahme jedoch absagen. Im April lief er bei einem Halbmarathon in Wien starke 60:18 Minuten. "Ich glaube fest an ihn", sagt Milde. "Er kommt nicht als Rentner auf Abschiedstour hierher, nur, um noch mal Kasse zu machen."
"Ich bin in guter Form und freue mich", sagt Gebrselassie. Und grinsend fügt er an: "Haile is coming." Seine Fans in Berlin freuen sich ebenfalls.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- 38. Berlin-Marathon: Makaus Weg vom Bauernjungen zum Weltstar
- Berlin-Marathon: Aufgabe von Gebrselassie ist "Ende einer Ära"
- Storify: Makau gewinnt Berlin-Marathon mit Weltrekord
- Großereignis: Warum der Marathon in Berlin einzigartig ist
- Marathon: Thüringerin skatet in Berlin am schnellsten
- Bambini-Lauf: Bei den ganz kleinen Läufern ist jeder ein Sieger
-
18:51Pfingsttreffen: Sudetendeutsche wählen auffällig leise Töne
-
18:49Berliner Staatsoper: Intendant Flimm fühlt sich von Wowereit im Stich...
-
18:43"Vatileaks": Päpstlicher Kammerdiener hintergeht Benedikt XVI.
- 1. Live-Ticker Hertha BSC will über Einspruch beraten
- 2. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 3. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 4. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler
- 5. Rocker-Kriminalität Hells Angels betrieben eigenen Folterkeller














