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Berlin-Marathon

Für richtig schnelle Frauen reichte das Geld nicht mehr

Der Großteil des Etats für die Top-Läufer floss auch dieses Jahr wieder ins Männer-Feld. Doch auch bei den Frauen gibt es Stars. Die Äthiopierin Askale Tafa Magarsa gilt als Topfavoritin.

35. Berlin Marathon
Foto: ddp
Die Äthiopierin Askale Tafa Magarsa gilt als Topfavoritin des diesjährigen Berlin-Marathon

Ende des Jahres, wenn die ersten Gespräche mit den Agenten der Top-Läufer geführt werden, steht Mark Milde, der Renndirektor des Berlin-Marathons, immer wieder vor der gleichen Frage: Männer oder Frauen? In welches Feld soll der größere Anteil des Etats für die Top-Läufer fließen? Da Spitzenathleten quasi mit jeder Sekunde, die sie die Strecke schneller laufen, teurer werden, lässt sich – trotz Unsicherheitsfaktoren wie Tagesform und Wetter – anhand des finanziellen Einsatzes ungefähr abschätzen, in welchem Bereich die Zeit des Siegers und der Siegerin liegen wird.

Nachdem der Berlin-Marathon zu Beginn des Jahrtausends von den starken japanischen Läuferinnen um die Weltrekordlerin Naoko Takahashi geprägt wurde, wird seitdem wieder mehr in die Männer investiert. Mit großem Erfolg: Der Kenianer Paul Tergat (2003) und der Äthiopier Haile Gebrselassie (2007 und 2008) liefen insgesamt drei Weltrekorde. Das vergangene Jahr muss Milde dabei wie ein sportlicher Sechser im Lotto vorgekommen sein: Nachdem Irina Mikitenko 2007 bei ihrem Debüt auf der 42,195 Kilometer langen Strecke auf Anhieb Zweite geworden war, triumphierte sie vor zwölf Monaten und stellte dabei sogar einen Deutschen Rekord auf. Endlich sorgte auch das Rennen der Frauen mal wieder für große Schlagzeilen.

Es bedarf keiner großen prophetischen Gabe, um eine gut vermarktbare Sieger-Geschichte in diesem Jahr nahezu auszuschließen. Denn nach der erneuten Verpflichtung Gebrselassies und seines starken Konkurrenten Duncan Kibet aus Kenia hatte Milde schlichtweg nicht mehr genug Geld für eine absolute Top-Läuferin übrig. Außerdem entschied sich Mikitenko, 2009 den Marathon bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft zu laufen. Die Teilnahme sagte sie zwar zwei Wochen vor dem Rennen wegen des Todes ihres Vaters ab. Ein Start am Sonntag in Berlin war trotzdem nie ein Thema.

„Das letzte Jahr ist fast nicht zu toppen“, weiß Milde. „Aber auch unabhängig davon ist das Frauen-Feld ist diesmal nicht so hochkarätig.“ Das habe mehrere Gründe: In diesem Jahr seien viele Top-Läuferinnen verletzt und nicht in Form gewesen, außerdem sei die Auswahl einfach wesentlich geringer als bei den Männern mit dem schier unerschöpflichen Reservoir aus Kenia. Zumindest hat Milde dieses Problem nicht allein: „Ich weiß von meinen Kollegen der anderen großen Marathons, dass sie auch Probleme haben, starke Frauen-Felder zusammenstellen.“

In Berlin gilt die Äthiopierin Askale Tafa Magarsa als große Favoritin. Hier wurde sie im vorigen Jahr bereits Zweite und stellte in 2:21:31 Stunden ihre persönliche Bestleistung auf. Damit ist die 24-Jährige die zweitschnellste äthiopische Marathonläuferin aller Zeiten. Ihre stärksten Konkurrentinnen werden wahrscheinlich ihre Landsfrau Getaneh Genet (Bestzeit 2:26:37) und die Portugiesin Fernando Ribeiro (2:29:48) sein. Doch ohne einen bekannten Namen im Feld dürfte das nur absolute Marathon-Freaks interessieren.

Milde hofft deshalb aufs nächste Jahr, in dem es keine Konkurrenz durch internationale Großereignisse wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften gibt. Er breitet Mikitenko schon mal verbal den Roten Teppich aus: „Irina als deutsche Läuferin mit Siegchancen wäre natürlich das Größte!“

Alle Platzierungen, all Zeiten, alle Teilnehmer des 36. Berlin-Marathons finden Sie in der Marathon-Beilage der Berliner Morgenpost. Die Beilage liegt der Zeitung am Tag nach dem Marathon bei, am Montag, 21. September.

Gebrselassie – der Star beim Berlin Marathon



Erschienen am 16.09.2009

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