Berlin-Marathon
Gebrselassie bekommt dieses Jahr Konkurrenz
Mittwoch, 16. September 2009 17:02 - Von Jörg RößnerSeit drei Jahren ist der Berlin-Marathon untrennbar mit einem Sieg des äthiopischen Superstars Haile Gebrselassie verbunden. Der Marathon-Weltrekordler läuft und dreht freudestrahlend Ehrenrunden. In diesem Jahr muss er aber gegen Duncan Kibet um den Sieg kämpfen.

In den vergangenen drei Jahren war der Ablauf vor dem Berlin-Marathon stets der gleiche: Irgendwann im Frühjahr meldete Veranstalter SCC Running stolz die Verpflichtung des äthiopischen Superstars Haile Gebrselassie für den Lauf Ende September. Später im Jahr wurden noch ein paar Namen anderer, meist kenianischer, Athleten bekannt gegeben. Doch da jeder wusste, dass sie kaum eine realistische Siegchance haben, interessierte sich niemand wirklich für sie.
In den Tagen vor dem Rennen stieg das Haile-Fieber, das der charismatische Äthiopier durch sein freundliches Auftreten und seine zuvorkommende, sympathische Art noch weiter verstärkte. Am Lauf-Sonntag war er dann sportlich gefordert – und erfüllte die Erwartungen von Jahr zu Jahr besser. Obwohl er nie um den Sieg, sondern „nur noch“ um eine gute Zeit kämpfen musste: Verpasste er den angepeilten Weltrekord 2006 um eine Minute relativ deutlich, verbesserte er zunächst Paul Tergats und anschließend seine eigene Berliner Bestmarke jeweils um rund 30 Sekunden (2:04:24 und 2:03:59). Die Zuschauer an der Strecke und natürlich im Ziel am Brandenburger Tor feierten den kleinen Äthiopier. Der lief Ehrenrunden und bedankte sich freundlich für die tolle Unterstützung – die Haile-Show war perfekt.
Das wird diesmal wahrscheinlich anders sein, denn der 36-Jährige hat erstmals einen Konkurrenten, der diese Bezeichnung auch verdient: Duncan Kibet. Mit dem Kenianer, der im April in Rotterdam seine Bestzeit auf 2:04:27 Stunden verbesserte, startet der zweitschnellste Marathon-Läufer der Welt ebenfalls in Berlin. Milde räumt ein, dass Gebrselassie von dieser neuen Konstellation anfangs alles andere als begeistert war: „Sie ist mit ihm abgestimmt, aber wir mussten Überzeugungsarbeit leisten. Doch jetzt kann er mit der Situation leben.“ Er will natürlich wieder siegen. „Doch ob ihm das gelingt, ist fraglicher als je zuvor.“ Möglicherweise hat der zweifache Olympiasieger und vierfache Weltmeister über die 10.000 Meter realisiert, dass der 31-Jährige ihm auch eine Hilfe sein kann. Denn sein erklärtes Ziel, den eigenen Weltrekord in Berlin zum dritten Mal hintereinander zu unterbieten, lässt sich leichter erreichen, wenn er bis zum Ziel voll gefordert ist. Auf andere starke Läufer wirkte dieser Effekt aus Mildes Sicht bereits bestens: Sie starten für eine niedrigere Gage, weil sie sich im Sog des Star-Duos eine Steigerung ihrer Bestzeit erhoffen, durch die sie dann ihren Marktwert steigern würden.
Kibet hätte in New York oder Chicago mehr verdienen können, „aber gegen Haile zu laufen, hat ihn offenbar gereizt“, so Milde. Vom Auftreten ist der zweifache Vater auf jeden Fall der totale Gegenentwurf zum stets smarten Gebrselassie. Kibet „ist so ein bisschen rapper-style-mäßig drauf und ziemlich crazy“, beschreibt ihn Milde. Zu einer Pressekonferenz in Wien erschien er mal im Trikot von Manchester United. In Berlin geht er mit der Startnummer 2 ins Rennen und sorgt dafür, dass das Feld der Männer zur Freude von Milde „in diesem Jahr so stark besetzt ist wie nie zuvor“. Auch der Renndirektor ist sehr gespannt, wie sein personelles Experiment ausgehen wird.
Alle Platzierungen, all Zeiten, alle Teilnehmer des 36. Berlin-Marathons finden Sie in der Marathon-Beilage der Berliner Morgenpost. Die Beilage liegt der Zeitung am Tag nach dem Marathon bei, am Montag, 21. September.











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