30.09.12

Berlin-Marathon

Kein Weltrekord – aber tolle Stimmung bei Traumwetter

Berlin hat bei freundlichem und sonnigem Herbstwetter am Sonntag den 39. Berlin-Marathon wie ein Volksfest gefeiert.

Foto: dpa

Berlin läuft: Pünktlich um 9 Uhr hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die Strecke des 39. Berlin-Marathon freigegeben.

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Start: Die Sonne steht um 8.35 Uhr noch tief über dem Berliner Tiergarten. Thomas Dülfer dehnt sich für den großen Lauf. Der 46-Jährige drückt seine gelb leuchtenden Sportschuhe auf den Asphalt der Straße des 17. Juni, hält sich dabei am Absperrgitter neben dem Startpunkt fest. Gerade sind die 29 Rollstuhlfahrer gestartet: Lauter Applaus, aus riesigen Boxen dröhnt Technomusik in die Menge der Läufer.

Thomas Dülfer, Startnummer 11760, dehnt das andere Bein. Der Höhepunkt des Marathons für ihn, der schon zum 13. Mal in Berlin antritt. "Ganz klar: Der Kilometer 42", sagt der Heizungstechniker aus der Nähe von Kassel. Bis zu diesem Höhepunkt zieht Thomas Dülfer vorbei an Sehenswürdigkeiten und durch Bezirke. Vorbei an Bands, Orchestern, Cheerleadern, jubelnden und klatschenden Menschen – in einer Stadt im Ausnahmezustand.

1. Kilometer: Auf einer kleinen Bühne neben dem Start stehen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Didi Hallervorden – mit Schweißband um den Kopf – und Til Schweiger. Sie drücken gemeinsamen auf einen roten Knopf. Peng. Das ist der Startschuss. Thomas Dülfer und fast 40.000 Läufer setzen sich in Bewegung.

2. Kilometer: "Super Daniel", steht auf dem Schild, das Rica Wand schwenkt. Sie blickt Richtung Siegessäule und tippt kurz auf ihrem Smartphone herum, versucht mit der "Berlin-Marathon-App" ihren Freund zu orten. Verbindungsfehler. "Egal. Es geht ums Hier und Jetzt. Und das ist einer der schönsten Marathonläufe", sagt sie.

4. Kilometer: Kurt Spitznagel sticht auf der Straße Alt-Moabit aus der Masse heraus. Der 47-Jahre alte Marathonläufer aus der Schweiz trägt pinkfarbene Hörner und einen weißen Spitzenrock um die Sporthose. Warum er das macht? Eine Gruppe Zuschauer kreischt, als sie ihn sieht. "Deshalb! Um aufzufallen", sagt Kurt Spitznagel und läuft weiter.

6. Kilometer: Mit dem Bundestag im Rücken, spielt ein Blasorchester direkt vor der Schweizer Botschaft im Regierungsviertel. "Wir spielen, was Pfeffer hat. Märsche, Polka, Volksmusik", sagt Christian Siegeth. Der nächste Titel folgt. "Wir spielen Wochenend und Sonnenschein von den Comedian Harmonists", sagt Christian Siegeth. Wie wahr.

8. Kilometer: Die Sanitäterin Claudia Schmid-Prediger von den Johannitern sitzt in ihrem Einsatzwagen vor dem Friedrichstadtpalast und blickt konzentriert auf den Strom von Läufern, der an ihr vorbeifließt. Rund 400 Johanniter, 700 Feuerwehrleute und ebenso viele Polizisten, die den Verkehr umleiten, sind an diesem Marathon-Tag im Einsatz.

12. Kilometer: Mitten auf der Karl-Marx-Allee dröhnt Techno-Musik aus Boxen, die so groß sind wie ein Kleinwagen. Dahinter parken ein Dutzend Transporter des Technischen Hilfswerks (THW). Die Helfer füllen immer wieder neue Plastikbecher mit Wasser, die sie für die Läufer auf Biertischen platzieren. Einige Marathon-Läufer klatschen im Takt der Musik in die Hände.

16. Kilometer: Eine kleine Verschnaufpause braucht Dennis van de Werke. Der 29 Jahre alte Holländer geht an der Kirche am Südstern in Kreuzberg vorbei. Der Fußweg ist voller Menschen, die anfeuern, Transparente in den Händen halten und den Läufern zujubeln. Dennis van de Werke wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Jetzt geht's weiter!" Er ist wieder im Tritt.

20. Kilometer: An der Ecke Yorckstraße Mehringdamm steht Eren Gültekin vor dem Kiosk, in dem er jobbt. "Das Geschäft wird bei solchen Events natürlich immer angekurbelt", sagt der Verkäufer. "Heute geht auch der Verkauf von Wasser ganz gut", sagt Gültekin. Sonst laufe vor allem Bier gut.

24. Kilometer: Weniger Bier, dafür mehr Prosecco, verkauft Giuseppe Lacaria am Marathon-Tag an die Zuschauer. Er beobachtet vor seinem Restaurant in Friedenau die vorbeiziehenden Läufer. Auf dem runden Stehtisch vor ihm befindet sich ein Kübel, der mit Eiswürfeln und Prosecco-Flaschen gefüllt ist.

25. Kilometer: Auf dem Dach eines roten Mercedes-Sprinters, direkt am Streckenrand, steht ein Stativ mit einer Kamera darauf. "Direkt hinter dem Zeitmesser machen wir Fotos von den Teilnehmern, die sie später ansehen können", sagt Carolin Sala. Die 26-Jährige arbeitet für eine internationale Internetplattform. Der Marathon wird in diesem Jahr in 194 Länder übertragen.

28. Kilometer: Auf dem Platz am Wilden Eber in Schmargendorf kocht die Stimmung. "Hier ist die Stimmungshochburg", ruft Rebecca Behrendt, die um die Ecke wohnt. Auf der großen Bühne hinter ihr beschallen Trommler das Publikum mit ihrem Rhythmus. Cheerleader an der Absperrung lassen ihre silbernen Wimpel durch die Luft kreisen, das Publikum folgt klatschend dem Takt.

34. Kilometer: Robert Schendner läuft über den abgesperrten Kurfürstendamm. Er lässt die Gedächtniskirche hinter sich, hat das Ziel schon bald vor Augen. "Am tollsten ist die Organisation, die verschiedenen Nationen – und ganz einfach die Stadt", sagt der Gladbecker.

38. Kilometer: Endspurt. Renate Stärke schwingt am Potsdamer Platz ein riesiges Banner mit dem Namen ihres Freundes. "Die ganze Familie steht hier", sagt sie. Das Ziel ist bald in Sicht.

41. Kilometer: "Die letzten 1000 Meter", ruft der Moderator, der jetzt jeden einzelnen Läufer lobt und anfeuert. "Ingrid, Du schaffst das! Malcolm, good job!"

42. Kilometer: Hinter dem Brandenburger Tor tröten, klatschen und jubeln die Zuschauer auf den vollbesetzten Tribünen. Der Kenianer Geoffrey Mutai überquert die Ziellinie, 2:04,15, kein Weltrekord – dafür aber sehr lauter Applaus. Auf Platz 14 folgt Jan Fitschen, 2:13,10. Die Zuschauer feiern ihn wie einen Helden.

Ziel: Auch Thomas Dülfer, der Heizungstechniker, Startnummer 11760, kommt nach 3:41,41 Stunden ins Ziel. "Keine Bestzeit, aber es ging um das Ambiente und das war großartig!", sagt er. Immerhin: Er lief knapp eine halbe Stunde schneller als der Bundesgesundheitsminister (4:08,14 Stunden). Daniel Bahr lief jedoch auch zum ersten Mal in Berlin, und nicht zum 13. Mal, wie Thomas Dülfer. Und der will im kommenden Jahr garantiert wieder starten.

Mitarbeit: Laura Réthy

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