28.09.12

Sportevent

Gesundheitsminister Bahr läuft seinen ersten Berlin-Marathon

Daniel Bahr läuft Marathon - nun zum ersten Mal in Berlin. Morgenpost Online sprach mit dem Gesundheitsminister über seine Leidenschaft.

Von Andreas Gandzior
Foto: dpa

Sportlich: Gesundheitsminister Bahr geht beim Marathonlauf mit gutem Beispiel voran
Sportlich: Gesundheitsminister Bahr geht beim Marathonlauf mit gutem Beispiel voran

Mit mehr als 40.000 Sportlern wird Gesundheitsminister Daniel Bahr beim Marathon an den Start gehen. Über Erwartungen, seine bevorzugte Laufstrecke und warum er seine Laufschuhe in Peking nicht ausgepackt hat, sprach er mit Morgenpost Online.

Morgenpost Online: Herr Minister Bahr, wann haben Sie die Lust aufs Laufen entdeckt?

Daniel Bahr: Ich habe schon als Jugendlicher Leichtathletik gemacht, bin damals aber mehr die Mittelstrecken gelaufen. Dann hab ich eine Zeit lang keinen Sport gemacht. Als ich 2003 während meiner ersten Legislaturperiode in Berlin im Bundestag war, habe ich den ganzen Politikeralltag erlebt und das ging auf die Fitness. Ich fühlte mich nicht mehr so fit, und habe auch zugenommen. Ich habe wieder mit dem Lauftraining begonnen und habe gemerkt, laufen ist ein perfekter Ausgleich.

Morgenpost Online: Es stand also nicht von Beginn an das Ziel fest, einen Marathon zu laufen?

Daniel Bahr: Nein. Mit der Zeit ist die Begeisterung fürs Laufen gewachsen und nach ein paar Jahren wollte ich nicht nur der Fitness wegen laufen, sondern auch etwas erreichen. Dann habe ich mir das Ziel Marathon gesetzt. In meiner Heimatstadt Münster gibt es auch einen Marathon. Da dachte ich, das möchte ich auch mal schaffen.

Morgenpost Online: Sie gehen am Sonntag nicht als Marathon-Anfänger an den Start?

Daniel Bahr: Nein, es ist mein vierter Marathon-Lauf. Es ist aber der erste Berlin Marathon. Also eine Premiere. Ich war 2010 schon einmal angemeldet, aber da hatte ich einen Infekt und habe es sein gelassen. Ich laufe nur, wenn ich wirklich gesund bin.

Morgenpost Online: Der Wunsch, in Berlin zu laufen, besteht demnach schon länger?

Daniel Bahr: Ja, das hatte ich mir seit Jahren als Ziel gesteckt. Auch, weil Berlin ideal in meine Zeitpläne passt. Ich würde auch gern mal in New York, London oder in anderen spannenden Städten laufen und den Marathon erleben. Aber der September ist wirklich der ideale Monat. Im Juli und im August bin ich zeitlich ein wenig flexibler und kann die Trainingseinheiten besser in meinen Terminplan einbauen. Ein Lauf im November bedeutet viel Training im September und Oktober. Da bin ich sehr viel im Bundestag. Wir haben Sitzungen, Haushaltsberatungen, es geht um Gesetzesentwürfe. Zeitlich bin ich dann nicht so flexibel. Die Septembermarathonläufe sind am besten.

Morgenpost Online: Wie häufig trainieren Sie in der Woche?

Daniel Bahr: In den vergangenen Wochen bin ich mehr als vier Mal in der Woche gelaufen. Im Moment sind es sogar fünf bis sechs Mal. Ansonsten laufe ich an zwei Tagen in der Woche.

Morgenpost Online: Das ist bestimmt nicht einfach bei einem vollen Terminkalender?

Daniel Bahr: Ich schiebe die Lauftermine in die Pause. Heute habe ich meine Mittagspause für das Training geopfert.

Morgenpost Online: Wie umfangreich war Ihr Laufpensum vor dem Marathon?

Daniel Bahr: Mit Intervalltraining, Steigerungsläufen und lockerem Laufen sah mein Trainingsplan bis zu achtzig Kilometer in der Woche vor. Das Minimum sind sechsundvierzig Kilometer in der Woche. Leider mussten einige Läufe ausfallen. Ich hoffe, dass es dennoch reicht.

Morgenpost Online: Haben Sie sich ein Zeitlimit für den Berlin- Marathon gesteckt?

Daniel Bahr: Ich wäre froh, wenn ich unter 4:30 Stunden bleibe. Für eine schnellere Zeit ist im Sommer zu viel Training ausgefallen. Jetzt will ich einfach den Berlin Marathon erleben.

Morgenpost Online: Was macht den Berlin Marathon für Sie so attraktiv?

Daniel Bahr: Dieses Mal ist es für mich die Leidenschaft, in Berlin dabei zu sein, durchs Brandenburger Tor zu laufen. Das ist schon etwas ganz Besonderes, vor Jahren stand hier mal die Mauer. Es ist eine schöne Laufstrecke, und dann die unvorstellbar große Menschenmenge entlang der Strecke, die die Läufer anfeuert.

Morgenpost Online: Bei so einer Stimmung besteht aber auch die Gefahr, das Rennen zu schnell anzugehen.

Daniel Bahr: Das ist der klassische Fehler eines Marathonanfängers. Er läuft zu schnell los. Bei meinem ersten Marathon war ich völlig nervös, weil ich das Gefühl hatte, ich bin viel zu langsam. Die rannten alle los und ich guckte immer auf meinen Pulsmesser und die Uhr und dachte – das kann nicht sein, du bist nicht zu langsam. Ich bin glücklicherweise bei meinem Tempo geblieben. Da habe ich dann die Läufer wieder eingeholt, die zu schnell ins Rennen gegangen sind.

Morgenpost Online: Es gibt mittlerweile viel technisches Equipment, Online-Trainer und Unterstützung durch Smartphones. Was davon nutzen Sie?

Daniel Bahr: Ohne Pulsmesser laufe ich nie. Ich nutze ein Buch mit Trainingsplänen und eine Pulsuhr. Und das Handy ist beim Laufen immer aus. Ich möchte einfach nur laufen.

Morgenpost Online: Und auf Dienstreisen haben Sie die Laufschuhe immer im Gepäck?

Daniel Bahr: Ja. Das ist der Vorteil vom Laufen gegenüber dem Radsport oder einem Mannschaftssport. Man kann es machen, wenn es einem selbst in den Zeitplan passt. Die Laufschuhe sind immer dabei und man kann überall laufen. Ich bin in so viel fremden Städten schon gelaufen. Dadurch sieht man mehr, als nur das Hotel oder den Tagungsort. Ich habe viele Städte dadurch kennen gelernt. Schwer ist es nur auf Auslandsreisen zum Beispiel mit Jetlag. Nur in China bin ich nicht gelaufen. Wir hatten die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen und ich hatte die Turnschuhe dabei. Als ich die schmutzige Luft in Peking sah, habe ich mich entschlossen, das Training ausfallen zu lassen. Die Feinstaubwerte der gesundheitsschädlichen Partikel pro Kubikmeter Luft waren extrem hoch. Also deutlich über unseren Grenzwerten. Da habe ich gedacht, jetzt laufe ich besser nicht.

Morgenpost Online: Können Sie beim Laufen auch mal abschalten und nicht an die Politik denken?

Daniel Bahr: Auch die Gedanken über die Arbeit kann ein Abschalten sein. Wenn ich laufe, kann ich bestimmte Dinge auch in Ruhe durchdenken. Das ist sogar entlastend. Manche Idee kommt mir beim Laufen.

Morgenpost Online: Wo laufen Sie am liebsten in Berlin?

Daniel Bahr: Im Treptower Park ist das schönste Laufgebiet. Der Bodenbelag ist gut und frühmorgens ist es traumhaft schön dort am Wasser und in den kleinen Waldstücken.

Morgenpost Online: Wie sieht Ihre Ernährung vor dem Lauf am Sonntag aus?

Daniel Bahr: Pasta, Pasta, Pasta. Vollkornnudeln. Natürlich den Alkohol reduzieren. Ich weiß, man sollte eigentlich gar keinen Alkohol vor dem Rennen trinken, aber gelegentlich genieße ich auch mal ein Glas Rotwein. Ansonsten viel trinken, Gemüse, wenig Fett. Ich versuche darauf zu achten. Nicht nur vor einem Marathonlauf. Und am Samstagabend mache ich zuhause noch eine private Pasta-Party mit Freunden und der Familie.

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