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19.04.11

Frauenfußball

Bajramajs Wechsel nach Frankfurt sorgt für Streit

Der Wechsel von Potsdams Fatmire Bajramaj nach Frankfurt zeigt: Auch der Frauenfußball ist zum gnadenlosen Geschäft geworden. Turbine-Manager Bernd Schröder wirft dem FFC vor, hinter dem Rücken des Vereins agiert zu haben.

© AFP
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Bajramajs Wechsel verursacht Streit zwischen ihrem neuen und ihrem alten Verein

Das Thema war ein ganz anderes. Das Thema war das 1:0 gegen den FCR Duisburg, das die Fußballspielerinnen von Turbine Potsdam wie schon im Vorjahr ins Finale der Champions League der Frauen beförderte.

Aber Bernd Schröder, der Trainer der siegreichen Mannschaft, mochte am Sonntag nicht lange über den Sieg und die sich daraus ergebende Perspektive der möglichen Titelverteidigung im bedeutendsten Europapokal-Wettbewerb referieren.

An einem Tag, der durchaus dazu angetan gewesen war, eine schon jetzt erfolgreiche Saison des Deutschen Meisters zu würdigen, hob Schröder lieber an zu einer allgemeinen Betrachtung der Dinge im deutschen Frauenfußball – und beklagte "einen Verfall der Sitten".

Wenn die Potsdamerinnen im Endspiel am 26. Mai in London gegen Olympique Lyon antreten, wird es die letzte Partie ihrer Starspielerin Fatmire "Lira" Bajramaj im Turbine-Trikot sein. Die 23 Jahre alte Stürmerin wechselt zur kommenden Saison zum 1. FFC Frankfurt, dort unterschrieb sie am Montag einen Vertrag bis 2014.

Ein schlecht gehütetes Geheimnis war ihr Wechsel schon lange, aber jetzt, da er auch offiziell bestätigt ist, mag Schröder sich nicht länger beherrschen. "Wir werden auch ohne 'Lira’ hervorragend Fußball spielen und um Titel kämpfen", sagte er "Morgenpost Online".

Es geht ihm dabei nicht so sehr um den durchaus schmerzlichen Verlust der Offensivspielerin. Schon lange nervten ihn die Allüren der attraktiven Dunkelhaarigen, für die lackierte Fingernägel auf dem Fußballplatz nichts Ungewöhnliches sind, und von der es nicht zuletzt deshalb heißt, dass sie ein, wenn nicht der Star der in fünf Wochen beginnenden Weltmeisterschaft im eigenen Land (26. Juni bis 17. Juli) werden kann.

"Noch ein Jahr hätten wir mit Fatmire nicht durchgehalten", ächzte Schröder am Sonntag. Und doch nutzte der 68-Jährige gierig den Moment, seine Dauerfehde mit Siegfried Dietrich, Frankfurts Manager, fortzuführen.

Die Unterschiede zwischen den beiden könnten größer kaum sein. Schröder ist seit 40 Jahren "Mister Turbine". Seine knapp zwei Meter Körpergröße lassen den früheren Torhüter automatisch bedrohlich erscheinen, wie ein Löwe stößt er von Zeit zu Zeit lautes Gebrüll aus.

Für Schröder ist das Team der Star, "Kollektiv" und "Ausbildung" zählen zu den Lieblingsvokabeln des Fußballlehrers. Den Frauenfußball sieht er kompromisslos an seine Grenzen gestoßen. Und dann ist da noch die Philosophie des gewieften Geschäftsmannes Dietrich: Nach seiner Ansicht wird die Sportart nach dem Ende der WM in neue Dimensionen vorstoßen.

Der Kampf um die Vermarktung der kleinen Gruppe von Vorzeigespielerinnen hat dabei längst begonnen. In Bajramaj, Kim Kulig (21) und Dzsenifer Marozsan (19) sieht Dietrich freudig "die drei Top-Leaderinnen der neuen Frauenfußball-Generation in Frankfurt versammelt".

Marozsan verpflichtete er 2009 aus Saarbrücken, die von Dietrichs Agentur Sidi Sportmanagement betreute Kulig wechselt zur kommenden Saison vom Hamburger SV zum 1. FFC. Das beklagt Dietrichs Widersacher Schröder: "Für die Entwicklung des eigenen Nachwuchses tun sie gar nichts."

Stattdessen verkomme die Branche zusehends. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Bajramaj sei "ein tolles Mädchen", aber inzwischen "fremdgesteuert" – von ihrem Berater, den Schröder öffentlich ungeniert einen "Pharisäer" schimpft, dem nicht das Wohl der Spielerin, sondern einzig der eigene Gelderwerb am Herzen liege: "Der hat zuletzt mit vier Transfers 50.000 Euro verdient."

Sie hätte, sagte Bajramaj am Montag bei einem Termin der Nationalmannschaft, "schon damit gerechnet, dass der Wechsel hohe Wellen schlägt. Unser Trainer ist halt manchmal etwas emotional". Sie hoffe aber, "dass bald wieder der normale Alltag einkehrt".

Nicht überraschend fand den Tobsuchtsanfall im Brandenburgischen auch FFC-Manager Dietrich. Es sei davon auszugehen gewesen, "dass Herr Schröder, der in seiner eigenen Welt lebt, ausrastet und bar jeder Sachlichkeit seine Wut auslässt. Aber auch er muss kapieren, dass auch im Frauenfußball professionelle Strukturen eingezogen sind".

Tatsächlich reklamiert Bajramaj für sich einfach einen Lebensentwurf, der vorsieht, "dass ich nicht bis 37 Fußball spielen will". Da ist ein Wechsel nach Frankfurt der nächste logische Schritt. "Der 1. FFC spielt einen sehr attraktiven Fußball, wird professionell gemanagt und bietet neben den sportlichen Möglichkeiten auch interessante Perspektiven im bestens aufgestellten Umfeld", schwärmte Bajramaj.

Das Paket aus Gehalt, Prämien und Sponsoringeinnahmen lässt sie als eine von wenigen Fußballspielerinnen pro Jahr im sechsstelligen Bereich verdienen.

Eine vom Weltverband Fifa hinsichtlich Perspektiven und Wachstumspotenzialen des Frauenfußballs in Auftrag gegebene Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln hat überdies zu dem kaum überraschenden Ergebnis geführt, dass Bajramaj von den deutschen Nationalspielerinnen mit weitem Abstand am besten vermarktbar sei. Das fügt sich prächtig in Bajramajs Zukunftsplanung. Mittelfristig will sie eine Familie gründen – und bis dahin eben ein Maximum an Geld verdienen.

Aus diesem Grund schlug sie auch andere Angebote aus, etwa von Olympique Lyon oder aus der US-amerikanischen Profiliga WPS.

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