Leistungssportler

Robert Harting und Patrick Hausding sind "Adrenalin-Junkies"

Foto: Jakob Hoff

Robert Harting und Patrick Hausding sind Kumpel. Vor den anstehenden Europameisterschaften gaben sie ihr erstes gemeinsames Interview über Freundschaften im Sport, Erwartungsdruck und Stefan Raab.

Sie sind zwei der erfolgreichsten deutschen Sportler. Diskus-Olympiasieger Robert Harting, 29, und Wasserspringer Patrick Hausding, 25, an der Seite des Dresdners Sascha Klein erster deutscher Weltmeister im Turmspringen. Dicke Kumpels allerdings wurden die Berliner erst durch ihre Freundinnen, Diskuswerferin Julia Fischer (Harting) und Handballspielerin Alexandra Swiridenko (Hausding), die schon länger eng befreundet sind. Vor den Europameisterschaften der Leichtathleten in Zürich (12. bis 17. August in Zürich) und im Schwimmen (13. bis 24. August in Berlin) trafen sich die EM-Favoriten mit der Morgenpost zum Doppelinterview.

Berliner Morgenpost: Herr Harting, springen Sie vom Zehnmeterturm?

Robert Harting: Nee, aber ich bin mal in der Schweiz von einer 13,80 Meter hohen Brücke in drei Grad kaltes Bergwasser gesprungen. Das zählt viel mehr, weil beim Eintauchen die Schnappatmung die komplette Motorik des Menschen übernimmt. Aber, ehrlich, Wasser ist nicht mein Ding.

Und Ihre Diskus-Erfahrungen, Herr Hausding?

Patrick Hausding: Vor einer Weile habe ich mal ein bisschen probiert, als ich Julia beim Training besucht habe. Aber ich habe mir schon lange vorgenommen, mal richtig aus dem Ring zu werfen. Dann aber mit dem ein Kilogramm schweren Frauendiskus. Den doppelt so schweren Männerdiskus werde ich nicht halten können, da reißt es mir den Arm raus. Ich bin aber, was Technik betrifft, extrem lernfähig. Es würde mich interessieren, wie weit ich aus dem Nichts werfen kann.

Harting: Dein Springen ist schon irre. Diese Akrobatik, als normaler Mensch ist man ja völlig desorientiert, wenn man das nachahmen will.

Wasserspringen und Diskuswerfen, unterschiedlicher kann Sport nicht sein. Wie kommt es, dass ausgerechnet Sie beide so eng befreundet sind?

Hausding: Das hat sich mit der Zeit so entwickelt. Unsere Freundinnen sind beste Freundinnen. Zwangsläufig haben wir uns dann auch öfter gesehen. Und es hat gut gepasst.

Harting: Wir haben uns langsam angenähert.

Wie fanden Sie denn Robert anfangs?

Hausding: Wenn du eine Person des öffentlichen Lebens kennenlernst, musst du dich erst mal ein bisschen rantasten. Ich kannte ihn ja auch eher über die Medien, wo er oft nur als der große Kritiker rüberkam. Dann merkst du, dass er privat ganz anders ist.

Und wie war das mit Patrick?

Harting: Ich bin ja eher der direktere Typ, und Patrick ist eher zurückhaltender.

Hausding: Es ist doch normal, dass man sich nicht gleich intime Sachen erzählt.

Harting: Das braucht alles seine Zeit, aber jetzt haben wir ein absolutes Vertrauensverhältnis.

Wäre denn eine solch enge Freundschaft, wie Sie sie pflegen, auch mit einem Konkurrenten aus der eigenen Sportart möglich?

Hausding: Das ist wohl schwierig.

Harting: Die Frage ist doch, wie es zu einer solchen Situation überhaupt kommen kann.

Sie hatten früher viel Zoff mit Konkurrenten.

Harting: Stimmt schon. Aber seit ich mit Jule zusammen bin, bin ich auch ein anderer Mensch. Da bin ich auch stolz drauf.

Sie sind umgänglicher?

Harting: Zum Beispiel Martin Wierig…

…Ihr Konkurrent aus Magdeburg, zu dem Sie früher eine herzliche Abneigung gepflegt haben…

Harting: …zu dem habe ich inzwischen ein echt gutes Verhältnis. Das ist nett mit ihm, auf dem Weg zum Termin halten wir schon mal bei ihm zu Hause an. Aber eine echte Freundschaft kann sich nicht entwickeln, da haben wir einfach viel zu unterschiedliche Interessen. Man darf nicht vergessen, dass es schließlich auch um die Existenz geht. Da ist es dann eben noch schwieriger, richtig eng mit einem Konkurrenten befreundet zu sein. Als ich ein junger Diskuswerfer war, als sich entschieden hat, ob es was wird mit mir oder nicht, war ich auch ganz anders: bissig, ich konnte nicht abwarten, wollte mit dem Kopf durch die Wand. Ich muss, ich muss, ich muss. Da ging es um meine Existenz, da habe ich keinen Platz für andere gelassen.

Das ist jetzt anders?

Harting: Meine Existenz ist inzwischen weitaus gesicherter. Nicht, weil ich superreich bin, sondern weil ich Strukturen und Methoden habe, wie ich in bestimmte Leistungsbereiche komme und merke, dass es nur an mir liegen kann und nicht an anderen. Das ist ein großer Unterschied.

Eine Erkenntnis, die sich mit dem Alter durchgesetzt hat? Im Oktober werden Sie 30 Jahre alt.

Harting: Falsch. Ich feiere dann den ersten Jahrestag meines 29. Geburtstages. Klar hat es mit dem Alter zu tun, aber vor allem mit Lebenserfahrung.

Herr Hausding, wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Synchron-Partner Sascha Klein beschreiben? Schließlich sind Sie beide aufeinander angewiesen.

Hausding: Natürlich trainieren wir zusammen. Entweder bei mir in Berlin oder bei ihm in Dresden. Aber privat unternehmen wir gemeinsam eher nichts. Wir verstehen uns auf einer ungezwungenen Ebene sehr gut. Das kann man mit der Freundschaft zwischen Robert und mir überhaupt nicht vergleichen.

Harting: Mittlerweile habe ich von ihm sogar eine Baywatch-Badehose geschenkt bekommen. Ich fühle mich durch ihn jetzt wie David Hasselhoff.

Hausding: Damit kannst du ja zu Stefan Raabs TV total Turmspringen gehen. Ich coache dich auch.

Harting: Ich habe denen übrigens noch mal eine E-Mail geschrieben und nachgehakt.

Wollen Sie da etwa antreten?

Harting: Ich doch nicht. Aber Patrick…

Hausding: Natürlich nicht als Springer, das wäre unfair. Aber ich könnte zeigen, wie gewisse Sprünge richtig aussehen oder ein paar Showeffekte reinbringen.

Harting: Du kannst doch die Promis coachen.

Eine Show mit prominenten Amateur-Springern erzeugt weit mehr Aufmerksamkeit als Ihre sportlichen Weltklasseleistungen, ärgert Sie das nicht, Herr Hausding?

Hausding: Das ist doch nicht schlimm, im Gegenteil, es ist eine gute Werbung für unseren Sport. Nach einer solchen Sendung haben wir immer eine gesteigerte Nachfrage in den Klubs. Darum geht es Stefan Raab natürlich nicht, der will, dass sich ein paar Promis auf die Nase legen.

Harting: TV total hat den Vordergrund der Unterhaltung, wohingegen bei Patrick die Ästhetik steht.

Hausding: Raab versteht natürlich, dass eine naive Ausführung bei einer körperlich perfektionierten Sportart Spaß verursacht, weil es dem Sinn widerspricht. Er ist Entertainer.

Harting: Die sind doch alle ehrgeizig, und der Raab ist der Ehrgeizigste von allen.

Hausding: Als Kontrastprogramm hat er eben Elton dabei. Dem wird wahrscheinlich vorher verboten zu trainieren. Zumindest der soll richtig auf die Schnauze fliegen.

Harting: Was mich bei deinem Sport verrückt machen würde, ist die Abhängigkeit von den Punktrichtern. Das wäre gar nichts für mich.

Hausding: Sicher, Diskuswerfen ist schon objektiver: Die Weite wird gemessen, fertig.

Die Etablierten haben beim Wasserspringen einen Bonus?

Hausding: Das würde ich schon sagen. Ein ungeschriebenes Gesetz lautet: Du kannst als Nobody nichts reißen. In einer so subjektiven Sportart muss man sich über die Jahre einen Namen machen. Das hat bei mir von Jahr zu Jahr immer besser geklappt.

Harting: Stell dir mal vor, ein Kampfrichter wurde am Tag zuvor von seiner deutschen Freundin verlassen, der ist am Boden zerstört – da hast du schlechte Karten….

Hausding: So schlimm ist es nun auch nicht.

Ob mit oder ohne Punktrichter, für Sie beide steht jetzt der Höhepunkt des Jahres bevor: die Leichtathletik-EM in Zürich und dann die Schwimm-EM. Für Patrick Hausding ist es auch noch ein Heimspiel. Wie groß ist der Druck?

Hausding: Wir hatten letztes Jahr schon die Europameisterschaft in Rostock, das war zwar auch vor heimischem Publikum, aber es kam nicht so das Gefühl auf, zu Hause zu springen. Aber im eigenen Sprungbecken… Jetzt geht's noch, aber ich weiß, dass zwei, drei Tage vorher die Spannung extrem zunehmen wird. Es ist hart, so eine Situation mental durchzuhalten. Ich habe schließlich fünf Wettkampftage vor mir, wo ich jeden Tag um Medaillen kämpfe. Aber ich mache das auch nicht zum ersten Mal. Du darfst dir nicht zu viel Druck machen, sonst geht es nach hinten los.

Harting: Auch ich spüre den Druck, je näher der Wettkampf kommt. Das Jahr ist nicht gut für mich gelaufen, ich war nicht wirklich in guter Form, aber die anderen hatten noch mehr Probleme. Das macht mich natürlich ein bisschen ängstlich. Es ist eine komische Situation: Du bist selbst geschwächt, aber es reicht trotzdem. Da ist es schwer, immer wieder den eigenen Schweinehund zu überwinden. Da muss man immer wieder selbst mit sich kämpfen. Aber für Patrick zu Hause ist es noch mal was ganz anderes.

Die Erwartungen an Sie beide sind hoch.

Hausding: Klar, wenn man im eigenen Verband an der Spitze steht, vor allem auch mit Sascha im Turm synchron, wird schon erwartet, dass du da Gold gewinnen musst und da noch eine Medaille und dort noch eine. Es ist immer ein neuer Kampf. Aber in den vergangenen Jahren hat es super geklappt. Seit 2008 gehe ich immer mit einer Medaille nach Hause, seit 2010 mindestens mit vier. Aber es wird immer schwerer, weil in Europa die Spitze noch enger zusammengerückt ist.

Harting: Aber es ist doch auch ein geiles Gefühl: Du hast einen Haufen Verantwortung zu tragen, vor allem für dich selbst.

(Harting nimmt am Tisch eine geduckte Haltung ein und sieht sich dabei immer wieder prüfend um)

Harting: Du bist das kleine süße Rehkitz, das in der Dämmerung wartet, um zur Wasserstelle zu kommen. Links und rechts lauern die Löwen, dieses Angreifbarsein! Ich kriege ja schon Gänsehaut, wenn ich davon erzähle. Das ist das Adrenalin. Aber genau das ist dieser Kick. Wir sind doch alle irgendwie Junkies. Junkies nach diesem Gefühl. Gerade wenn man angreifbar ist, schüttet man Adrenalin aus, ist dadurch leistungsfähiger, gieriger, bissiger, aggressiver, man hat dann mehr Fähigkeiten.

Hausding: Ich weiß jetzt schon, wenn ich bei der EM meinen ersten Sprung mache, dann geht mir ordentlich die Pumpe. Du musst dann jeden Tag vor deinem heimischen Publikum, deinen Freunden, vor deiner Familie, die alle in der Halle sind, deine Leistung bringen. Das ist sicherlich jedes Jahr das gleiche, aber diesmal ist alles eben noch einen Zacken schwieriger. Ich habe auch schon Wettkämpfe erlebt, bei denen am Ende, als es um die Wurst ging, mein Adrenalin-Spiegel so hoch war, dass ich Probleme hatte, mich noch an den Sprung zu erinnern.

Harting: Das ist doch der Inbegriff der Perfektion durch Training, weshalb du das ganze Jahr trainierst. Dass du sozusagen in Abwesenheit und bei Erschöpfung automatisch funktionierst.

Arbeiten Sie mit einem Mentaltrainer zusammen?

Harting: Mental coaching ist für mich: Kalendertage abreißen.

Hausding: Ich habe auch noch nie jemanden dafür benötigt. Wir hatten vor Jahren mal über den Verband einen Sportpsychologen dabei, der versuchte, die Sportler zu erreichen. Aber man kann ja niemanden zwingen, dass er Mentalarbeit macht. Bei mir war und ist das nicht notwendig. Mir hilft einfach die jahrelange Erfahrung. Ich speichere bei mir ab, was in Wettkämpfen gut und was schlecht geklappt hat. Das ist oft gar nicht in Worte zu fassen.

Harting: Ich habe für mich die Fähigkeit entwickelt, mich selbst zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen. Aber eines ist mir ganz wichtig zu sagen: Mental coaching ist kein Zeichen von Schwäche. Wer mit einem Mentalcoach zusammenarbeitet, ist keine Pfeife. Ein Athlet ist deshalb nicht besser oder schlechter. Ihm fehlt zwar einerseits etwas, er hat aber andererseits die Gunst, Informationen zusätzlich von außen zu seinem technischen, physischen Leben einzubauen.

Sie sind beide Welt- und Europameister, Robert hat olympisches Gold, Sie haben olympisches Silber. Doch beim Bekanntheitsgrad liegen Welten zwischen Ihnen. Ärgert Sie das, Herr Hausding?

Hausding: Robert ist ja nicht dafür verantwortlich. Es hängt auch damit zusammen, wie sich eine Sportart selbst verkauft, oder wie die Gesellschaft sie wahrnimmt. Für uns ist auch schwierig, dass wir eine sehr spezielle Sportart betreiben. Fußballspielen kann jeder, jeder weiß, wie man den Ball ins Tor schießt. Aber kaum jemand weiß und sieht, wie ein dreieinhalbfacher Salto funktioniert.

Harting: Heute erwartet die Gesellschaft vom Sport nicht nur Ergebnis, sondern auch Erlebnis. Alles, was eingebuddelt ist oder eingesperrt, in einer Halle oder in einem Stadion, hat gerade Probleme. Nähe und etwas Unerwartetes ist angesagt. Klippenspringen zum Beispiel.

Hausding: Klar, da stimmt die Location, es gibt ganz andere Showeffekte. Wobei Klippenspringen methodisch viel einfacher ist als das, was ich mache.

Harting: Mach doch beides.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht?

Hausding: Nicht so richtig. Es ist halt zu gegensätzlich zu dem, was ich mache. Vielleicht später mal, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und man noch einen Euro damit verdienen kann. Das ist mehr Funsport. Die Zuschauer sitzen in der prallen Sonne, mit einem Bier oder einem Eis und gucken zu, wie aus 25 Meter Höhe vom Berg runtergesprungen wird.

Wahrscheinlich verdienen Weltklasse-Klippenspringer mehr als Sie.

Hausding: Das ist schon möglich, lässt sich aber nicht ändern.

Vielleicht fehlt Ihnen auch ein Markenzeichen, wie es Robert hat, der zu besonderen Anlässen sein Trikot zerreißt. Aber Ihre Badehose können Sie sich ja schlecht vom Leib reißen.

Harting: Ganz anders: Wir können uns eine Maskenbildnerin suchen, die dich auf zwei Ebenen einsprüht. Erst rötlich, als wenn deine Haut und deine Muskeln offen liegen. Dann sprüht sie mit Hautfarbe drüber. Wenn du nicht so richtig ausgeleuchtet bist, merkt das niemand. Dann springst du runter, kommst aus dem Wasser, ziehst dir, ratsch, die oberste Schicht weg – und das rote Muskelfleisch kommt zum Vorschein. Was denkst du, was da los ist.

Um Aufmerksamkeit muss sich Robert Harting nicht sorgen.

Harting: Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich einfach auch Glück habe. Zum Beispiel mit den Hürden, die in London auf einmal da rumstanden…

…die Bilder vom Hürdenläufer Harting auf seiner Ehrenrunde gehörten zu den unvergesslichen Momenten der Olympischen Spiele 2012…

Harting: … und dann wird mir in London auch noch die Akkreditierung geklaut. Aber es sind ja noch ganz andere Dinge: Ich beherrsche grundsätzlich keine Diplomatie, weshalb ich immer die Wahrheit ausspreche. Und was passiert zurzeit in der Gesellschaft? Jeder hat das Lügen satt, jeder weiß, er wird beobachtet und traut sich kaum noch was. Und dann kommt einer, der erzählt die Wahrheit und ist total authentisch. Das ist dann die Nische, die zufällig durch mich besetzt ist. Das hat nichts mit meiner sportlichen Leistung zu tun.

2016 werden Sie beide, wenn alles gut läuft, gemeinsam als Berlins olympische Helden bei den Spielen in Rio de Janeiro an den Start gehen. Was halten Sie denn von der Diskussion über eine eventuelle Olympia-Bewerbung Berlins für 2024?

Harting: Deutschland braucht Olympische Spiele. Für den olympischen Sport wäre es sehr wichtig, auch im Nachgang würde man sehr davon profitieren. Aber um Olympische Spiele gut zu präsentieren und erfolgreich zu sein, braucht man Konsens. In Berlin sehe ich keinen Konsens. (...) Wenn nicht noch die ganz besondere Idee kommt, diesen Konsens zu erreichen, brauchen wir uns gar nicht zu bewerben. Olympia in Berlin fände ich toll, aber 2024 – da wäre ich zu alt.

Hausding: Wieso, dann feierst du doch zum soundsovielten Mal deinen 29. Geburtstag. Ohne Spaß: Ich denke, jedes Land, jede große Stadt kann so etwas austragen. Aber das muss sehr gut vorbereitet sein. Es bringt doch nichts, wenn man so aus dem Nichts sagt: Olympische Spiele, warum eigentlich nicht? Lasst uns das doch einfach mal probieren… Da fällt mir auch gleich der neue Flughafen ein. Wenn bei einer Olympiabewerbung dieselben Leute an den Schalthebeln sitzen, dann kann man es doch gleich vergessen.

Die Bevölkerung scheint auch abzuschrecken, dass Olympische Spiele immer gigantischer und teurer werden.

Harting: Das ist das eine. Und dann kommt in letzter Zeit zu jedem olympischen Diskurs auch ein gewisser Leidensdiskurs hinzu. Ob das Rio 2016 betrifft oder in der Vergangenheit Sotschi betraf.

Hausding: 2008 vor Peking war das auch so.

Harting: Das ist gut so und wichtig. Es darf aber nicht so weit gehen, dass man sich als Athlet vor Sotschi die Frage stellen musste, ob man überhaupt hinfahren soll. Ob man schon ein Buhmann ist, weil man quasi mit der Teilnahme die Verhältnisse unterstützt, die in dem Land herrschen. Bei Olympischen Spielen wird ein solcher Maßstab angelegt, beim Fußball nicht.

Sie meinen jetzt die WM in Brasilien?

Harting: Vergleicht man den Diskurs von Sotschi mit dem in Brasilien – die brennenden Favelas, der Zorn des Geldes, Gigantismus der Fifa – fahren die beiden repräsentativsten Politiker der BRD trotz dessen hin. Nicht zuletzt bewerten sie damit Fußball höher als alles andere. Damit erhält Sport eine politische Priorität, die die Bevölkerung übernimmt. Gleichwohl beneide ich sie, bei dem Finale dabei gewesen zu sein. War bestimmt geil! Hier in Deutschland war die Hölle los. Ein toller Abend.

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