23.03.10

Sportdirektor

Werner Lorant will mit TeBe Berlin in Bundesliga

Viertligist Tennis Borussia hat sich einen Trainer-Veteran als Sportdirektor gehotl: Werner Lorant übernimmt in Berlin das Ruder, bekommt dafür aber vom Verein kein Geld, hat aber ein klares Ziel: Zu Union und Hertha aufschließen.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpa
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Werner Lorant soll TeBe wieder in Schwung bringen - aber nicht als Trainer

Einen Verdacht schob Werner Lorant sogleich beiseite. "Ich bin nicht hergekommen, um den Trainer abzusägen", stellte der 61-Jährige klar. Der jetzige Coach Thomas Herbst wird also seine fachkundige Arbeit beim Fußball-Regionalligisten Tennis Borussia fortführen dürfen – aber auch so ungestört wie bisher? TeBe, finanziell klamm bis an den Rand des Ruins, hat Werner Lorant als neuen Sportdirektor engagiert. Frühmorgens um drei Uhr war der ehemalige Bundesligaprofi am Dienstag mit dem Auto von seinem Haus in München-Erding über die A9 Richtung Berlin losgefahren, am späten Vormittag trat er bereits bei seinem neuen Klub sein Amt an.

Der Aufgabenbereich des neuen Mannes, der sich Anfang der 90er-Jahre Trainer-Ruhm erworben hatte, als er 1860 München in einem Rutsch aus der Bayernliga in die Bundesliga führte, sind klar umrissen. Tennis Borussias Vorstandsvorsitzender Mario Weinkauf sagt: "Er soll uns mit seinen Kontakten unterstützen, um unsere sportlichen und wirtschaftlichen Zielsetzungen zu erreichen."

Dass Lorant zuletzt fernab der Heimat beim slowakischen Erstligisten DAC Dunajska Streda ein achtmonatiges Engagement als Trainer hatte und die Regionalliga Nord nicht unbedingt aus dem Effeff kennt, soll dabei kein Hinderungsgrund sein. Eine klare Abgrenzung für sein neues Arbeitsfeld ist Lorant allerdings wichtig. "Manager möchte ich nicht sein", sagt er, der Sportdirektor.

Erst einmal sucht TeBe nun händeringend Geld. Um die laufende Saison finanziell über die Runden zu bringen, benötigt der derzeitige Regionalliga-Zwölfte als Soforthilfe gerüchteweise rund 200.000 Euro, andere sprechen aber auch schon mal von 500.000 Euro. Weinkauf hält sich bei der tatsächlichen Höhe der Zahlungslücken bedeckt, will aber allzu aufgeregte Gemüter beruhigen. "Es gibt bereits einen unterschriebenen Kooperationsvertrag, um einen schlagkräftigen Sponsorenpool zu etablieren. Von dieser Seite wird uns eine Summe in einer Größenordnung zur Verfügung gestellt, die eine Insolvenz ausschließt", sagt der Vorstandsvorsitzende. Die Zeit drängt. TeBe muss bis zum 1. April die Lizenzierungsunterlagen für ?die Regionalliga beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt/Main eingereicht haben. "Das ist für uns die Deadline - im wahrsten Sinne des Wortes. Auf diesen Termin steuern wir hin", sagt Tennis Borussias Pressesprecher Hagen Liebing. Kommt der Vertrag mit dem Hauptsponsor nicht zustande, so hatte Weinkauf es angekündigt, müsse TeBe sofort Insolvenz anmelden. Um die Namen der vermeintlich vor der Tür stehenden Geldgeber betreibt TeBe eine eigenartige Geheimniskrämerei. "Wir haben Stillschweigen vereinbart", sagt Weinkauf, "weil wir keine Spekulationen wollen."

Lorant könnte eine Art "Vorhut" sein

Dass sich solche Spekulationen am ehesten mit dem Herausrücken der Wahrheit verhindern lassen, leuchtet TeBe offenbar nicht ein. In der Öffentlichkeit bestehen jedenfalls ernsthafte Zweifel an der Seriosität der helfenden Unternehmen, selbst wenn es sich nicht um die beim 1. FC Union nach einem Kurzengagement schnell wieder hinausgeworfene ISP handeln sollte. Zu frisch sind bei Tennis Borussia die Erinnerungen an die tiefen Wunden, die um die Jahrtausendwende das unselige Sponsoring der "Göttinger Gruppe" im Klub hinterlassen hatte.

Nicht auszuschließen ist indes, dass Lorant als eine Art "Vorhut" vom künftigen Geldgeber im Verein installiert wurde. Dafür spricht seine tapfere Aussage: "Ich arbeite ehrenamtlich." TeBe könne einen solchen Mann ohnehin nicht angemessen entlohnen, und dass Lorant urplötzlich ein lilaweißes Helfersyndrom befallen hat und er nur hobbymäßig in Berlin jobbt, ist wohl auch abwegig. Immerhin verspricht der neue Sportdirektor vollen Einsatz: "Wenn's sein muss, stehe ich morgens um 7 Uhr auf und gehe erst um Mitternacht ins Bett – das ist mir egal."

Und die Ziele? Lorant denkt da eher in größeren Dimensionen. "TeBe ist ein Traditionsverein, der erst noch wieder geweckt werden muss". Dass dieser Verein in Berlin sei, werte den Klub zusätzlich auf, "denn Berlin ist eine Stadt, die durchaus drei bis vier Zweitligisten oder mehr verdient." Immerhin: Vom Erreichen der Champions League – wie dereinst zu Zeiten von Trainer Winfried Schäfer und der "Göttinger Gruppe" – war bei Lorants Vorstellung nicht die Rede. Vielleicht wird ja TeBe aus Schaden klug – wenigstens ein bisschen.

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