Kino
"11mm"-Festival" zeigt den afrikanischen Fußball
Dienstag, 16. März 2010 11:35 - Von Milan JaegerMit einem Besucherrekord ist das "11mm Fußballfilmfestival" 2010 in Berlin gestartet. Bereits zum siebten Mal zeigt das Kino Babylon anspruchsvolle Fußballfilme. Schwerpunkt ist in diesem Jahr wegen der WM Afrika. Zum Eröffnungsabend kamen auch die Fußball-Größen Ronnie Hellström und Otto Pfister.
„2004 starteten wir mit 11 Filmen. Damals wussten wir noch nicht einmal, ob wir im nächsten Jahr weiter machen können“, erzählt Christoph Gabler, einer von drei Festivalleitern. Mittlerweile hat er zusammen mit seinen beiden Kollegen Birger Schmidt und Andreas Leimbach das Projekt in der Festivallandschaft fest etabliert, als erstes seiner Art. „In diesem Jahr zeigen wir 50 Filme und haben so viele Filme zu geschickt bekommen wie nie zuvor."
Mehr als 150 Einreichungen aus aller Welt hätten sie in diesem Jahr gezählt. Das Festival sei inzwischen so bekannt, „dass wir nicht mehr jedem erklären müssen was wir hier machen“, sagte Birger Schmidt in seiner Eröffnungsansprache. Das erleichtert auch die Vorbereitung. Da in diesem Jahr, anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, der Festivalschwerpunkt „Fußball in Afrika“ heißt, ist die Recherche entsprechend aufwendig gewesen. 11 Filme über afrikanischen Fußball sind im Programm, die meisten von ihnen haben die Organisatoren selbst finden müssen. „Das ist aber schon ein Fortschritt, früher mussten wir alle Filme selbst suchen, das heute nicht mehr so“, meint Gabler.
Otto Pfister ist auch jüngeren Semestern noch ein Begriff
Die gestiegene Bekanntheit des Festivals lässt sich nicht nur daran erkennen, dass zum Eröffnungsabend am Samstag mehr Besucher kamen als bislang, sondern auch an den prominenten Gästen: Ronnie Hellström, einer der besten Torhüter der 70er Jahre, sowie der deutsche Trainer-Weltreisende Otto Pfister tauschten am Samstag das Grün des Rasens gegen das Blau der Kinosessel. Während Hellström allenfalls noch als „Held der Väter“ bezeichnet werden kann – die zahlreich anwesenden Kinder fragten ihre Eltern, wer der große Mann denn sei, der da vorne auf der Bühne stehe – ist Otto Pfister auch jüngeren Semestern noch ein Begriff. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland trainierte er Togo, 2008 führte er Kamerun bis ins Finale der Afrikameisterschaft und aktuell befindet er sich nach eigener Aussage „im Wartestand.“ Es könne passieren, dass er bei der kommenden Weltmeisterschaft doch eine Auswahl trainiere.
Was eine genaue und persönliche Dokumentation des togolesischen WM-Schicksals ist, stellt für Pfister ein Imageproblem für den afrikanischen Fußball dar. „Filmisch möchte ich den Regisseuren ein großes Kompliment machen, sie zeichnen aber ein zu negatives Bild des afrikanischen Fußballs“, formulierte er am Samstag seinen Vorwurf. Genauer ging er jedoch nicht auf die Situation ein, er wolle schließlich „nicht die Hand beißen, die mich nährt.“ Immerhin sehe er seine mögliche Zukunft in Afrika, vielleicht auch in Togo.
Hoffenheim-Film gilt als einer der Favoriten
Keine Einwände mussten die Regisseure des zweiten Films des Eröffnungsabends ertragen. Im Gegenteil. Ihr Film „Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel“ wurde von allen Anwesenden begeistert angenommen, und dürfte einer der Favoriten auf den Gewinn des Publikumspreises „Goldene Elf“ sein. Den Aufstieg der TSG 1899 Hoffenheim vom Regionalligisten bis zum Herbstmeister der 1. Liga Ende 2008, beleiteten die Regisseure Rouven Rech und Frank Pfeiffer. Erstaunlich ehrlich erscheinen dort alle Funktionäre des Vereins, sowie Mäzen Dietmar Hopp, Fans und Mannschaft vor der Kamera. Der Betrachter fragt sich unweigerlich, warum die Verantwortlichen diesen Film zulassen, entlarvt er sie in einigen Situationen doch immens.
„Zunächst war es schwierig, den Verein von dem Film zu überzeugen und Zugang zu den Managern und der Mannschaft zu bekommen. Nachdem das allgemeine Einverständnis aber erteilt wurde, war es erstaunlich, dass wir tatsächlich überall hin durften“, erzählten die beiden jungen Filmemacher nach der Premiere ihres Films. Weder fehlende Distanz, wie etwa bei „Deutschland. Ein Sommermärchen“, noch sensationsgeiles Ausschlachten der verbalen Ausrutscher der Protagonisten, kann man bei diesem Film feststellen. Und so zeugt die Akzeptanz des Films seitens des Vereins auch von menschlicher Größe.
Diskussion über Homosexualität im Fußball
Der Eröffnungsabend am Samstag war der Auftakt eines Festivals, das noch einige Überraschungen verspricht. Am Dienstag etwa wird es eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Homosexualität im Fußball geben. Außerdem wird der Herthaner Florian Kringe erwartet, wenn am Abend der Film „Halbzeit“ gezeigt wird. Der Film dokumentiert den Werdegang einer ambitionierten Dortmunder Nachwuchsmannschaft, der auch Kringe angehörte. Kringe ist einer der wenigen, die den Sprung in den Profifußball schafften, und so dürfte der Abend für den zurzeit geplagten Spieler eine willkommene Abwechslung vom Abstiegskampf darstellen.
Am Mittwoch wird das Festival schließlich mit der „11mm shortkicks Gala“ zu Ende gehen. Eine prominente Jury, bestehend aus den Schauspielern Rufus Beck, Thomas Thieme, den ehemaligen Fußballprofis Jimmy Hartwig und Pablo Thiam sowie der kenianischen Nationalspielerin Doreen Nabwire von Werder Bremen, wird den besten Kurzfilm prämieren. Im Anschluss wird der Gewinner des Publikumspreises „Goldene Elf“ prämiert und noch einmal gezeigt. Und dann wird es wieder heißen: „Oh, wie war das schön.“ Die Organisatoren jedenfalls freuen sich schon auf nächstes Jahr.
Das „11mm Fußballfilmfestival“ läuft noch bis zum 17. März. Die Filme werden im Kino Babylon in Mitte (Rosa-Luxemburg-Straße 30) gezeigt. Der Eintritt kostet 6,50 Euro.


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich