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Doping-Vorwürfe

Ermittler durchsuchen Haus von Claudia Pechstein

Die Ermittlungen gegen die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gehen in die nächste Runde. Nach einer Anzeige der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) und der Nada wurde jetzt das Haus der wegen Doping-Verdachts gesperrten Sportlerin durchsucht. Auch bei DESG-Teamchef Helge Jasch rückten die Fahnder an.

Claudia Pechstein
Foto: dpa
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein schrieb auf ihrer Internetseite, dass sie die Ermittlungen gegen sie wegen Dopingverdachts begrüßt

Als alles vorbei war, musste Claudia Pechstein zum Besen greifen und den Dreck wegfegen. Der Trupp, der am Donnerstagmorgen, 8.00 Uhr, bei ihr daheim im brandenburgischen Diensdorf-Radlow (Landkreis Oder-Spree) vorstellig geworden war, hatte aber nicht nur Spuren hinterlassen, sondern vor allem solche gesucht. Etwa zehn Ermittler des Bundeskriminalamtes hatten das Haus der gesperrten Eisschnellläuferin durchwühlt, um Hinweise auf mögliche Dopingvergehen der fünfmaligen Olympiasiegerin zu bekommen.

Pechstein selbst begrüßte die Ermittlungen, „denn jede Recherche beziehungsweise Untersuchung wird mich entlasten. Wenn nicht gedopt wurde, kann es auch keine Hintermänner geben“, schrieb die 38-Jährige auf ihrer Internetseite (www.claudia-pechstein.de). Das einzige, was die 38 Jahre alte Berlinerin daran störte, war offenbar der Fakt, dass sie nach der Durchsuchung sauber machen musste. Beim Ausräumen der Schränke durch die Beamten habe sie allerdings dennoch „ein unangenehmes Gefühl“ verspürt.

Sämtliche private Sachen wurden durchforstet

Ausgelassen haben die Beamten, die teilweise mit schusssicheren Westen ausgestattet waren, bei Pechstein nichts. Sämtliche private Sachen wurden nach Anhaltspunkten durchforstet, Kontoauszüge, Unterlagen, Computer und Medikamente samt Beipackzetteln sichergestellt. „Ich bin froh, dass die Ermittlungen langsam an Fahrt aufnehmen. Wir hoffen, dass die Wahrheit ans Licht kommt“, sagte Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG).

Der Verband war einer der Initiatoren der Hausdurchsuchung. Wie die Nationale Antidopingagentur (Nada) stellte die DESG am 1. Dezember 2009 Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Münchner Staatsanwaltschaft. Kurz zuvor hatte der Internationale Sportgerichtshof Cas das Urteil des Internationalen Eislaufverbandes ISU bestätigt, der Pechstein aufgrund erhöhter Blutwerte bei der Mehrkampf-Weltmeisterschaft im Februar 2009 für zwei Jahre gesperrt hatte. Und nach dem Cas-Entscheid vom 25. November war die Nada zu der Anzeige verpflichtet.

Die Gründe für die Beteiligung der DESG an der Anzeige gegen Pechstein sind anders gelagert. Der Verband steht treu zu seiner Spitzenathletin und konnte sich mit dem Urteil, das wissenschaftlich höchst umstritten ist, nie richtig anfreunden. Die Anzeige hat daher eher unterstützenden Charakter, da die DESG wie Pechstein davon ausgeht, dass die Ermittler nichts Belastendes finden werden.

Claudia Pechstein ist Zeugin, nicht Beschuldigte

Besonders eilig hatten es die Ermittler offenbar nicht, schließlich vergingen drei Monate, bis sie bei Pechstein, die sich schon länger auf den Besuch eingestellt hatte, klingelten. Als Beschuldigte wird die Berlinerin in diesem Fall jedoch nicht betrachtet. „Es ist wichtig klarzumachen, dass Claudia Pechstein hier Zeugin ist. Es geht um die Hintermänner“, sagt ihr Anwalt Simon Bergmann. Gesucht wird nach denjenigen, die sie unterstützt und ihr die Dopingmittel besorgt haben sollen. Bereits am Tag der Verkündung des Cas-Urteils forderte Thomas Bach, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), von Pechstein, ihre Hintermänner preiszugeben. Denn allein, so die Annahme, könne die Sportlerin die ihr vorgeworfenen, fein ausgeklügelten Dopingpraktiken nicht ausgeführt haben.

Hinweise auf Kontaktleute erhoffte sich die Staatsanwaltschaft auch beim Verband. Wie Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollen am Donnerstag auch beim Teamchef der DESG, Helge Jasch, Beamte vorstellig geworden sein. Sowohl zu Hause als auch an seinem Arbeitsplatz in München seien Durchsuchungen vorgenommen worden. „Ich war überrascht, was für ein großer Aufwand betrieben wurde“, sagte Jasch. Hintergrund sei die Vermutung gewesen, etwas darüber herauszufinden, auf welchen Wegen die Versorgung mit Dopingmitteln erfolgt sein könnte. Die DESG verweigerte dazu jeden Kommentar.

Verdächtige Werte bei zwölf weiteren Sportlern

Wie ebenfalls aus Ermittlerkreisen zu erfahren war, sind inzwischen weitere Namen von Sportlern bekannt, die die gleichen Merkmale aufweisen, die bei Pechstein zu einer Verurteilung geführt haben. Vor dem Cas erklärte die ISU, dass bei zwölf weiteren Athleten, darunter zwei deutsche Frauen aus der zweiten Reihe, erhöhte Retikulozytenwerte (Vorläufer der roten Blutkörperchen) gemessen worden seien – was von der ISU bislang aber nicht weiter verfolgt worden ist.

Unterdessen kämpft Claudia Pechstein, die zuletzt selbst Strafanzeige gegen die ISU wegen Prozessbetrugs gestellt hat, weiter gegen das Cas-Urteil an. Nachdem ein Beschwerdeverfahren, bei dem nur formale Punkte überprüft wurden, vor dem Schweizer Bundesgericht abgewiesen wurde, bereiten ihre Anwälte nun einen Revisionsantrag vor, der bis kommenden Montag beim Bundesgericht eingereicht werden soll. „Ich bin mir sicher, früher oder später rehabilitiert zu werden“, so Pechstein. Schließlich habe sie nie gedopt.

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