Olympische Winterspiele
Erste sieben Berliner für Vancouver nominiert
Eisschnelllauf-Weltmeisterin Jenny Wolf führt das Berliner Olympia-Aufgebot an. Dazu gehören bisher vier weitere Eisschnellläufer und die Eistänzer Christina und William Beier. Doch wegen der Nominierung des Berliner Geschwister-Duos droht dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Ärger.
Ihren Anspruch auf eine olympische Medaille hatte Jenny Wolf schon beim Saisonauftakt angemeldet. Da siegte die Eisschnellläuferin beim Heim-Weltcup im Sportforum Hohenschönhausen über die 500 m und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver. Seit Donnerstag nun kann die 30 Jahre alte Berlinerin endgültig planen: Knapp zwei Monate vor dem Auftakt hat der Deutsche Olympische Sportbund 44 Athleten für die Winterspiele vom 12. bis 28. Februar nominiert.
Und natürlich gehört auch Jenny Wolf zum Aufgebot. Insgesamt sieben Berliner wurden bislang für das Weltsportfest bestimmt. Mit Monique Angermüller, Katrin Mattscherodt, Isabell Ost, Samuel Schwarz und eben Jenny Wolf fahren gleich fünf Berliner Eisschnellläufer nach Vancouver, dazu gesellen sich aus der Hauptstadt bislang die Eistänzer Christina und William Beier. Komplettiert werden soll das letztlich rund 150 Athleten starke Team bei der zweiten Nominierungsrunde am 22. Januar.
Allerdings droht dem DOSB nach der Nominierung juristischer Ärger. Während die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein wie erwartet auf der Namensliste fehlte, wollen die ebenfalls nicht nominierten Eistanz-Geschwister Carolina und Daniel Hermann (Dortmund) dann klagen, wenn sie am Sonnabend Deutsche Meister werden.
DOSB-Präsident Thomas Bach hat vier Jahre nach den elf Olympiasiegen, 29 Medaillen und Rang eins in der Nationenwertung von Turin 2006 für den Kanada-Trip klare Ziele. "Wir treten als Titelverteidiger an, sind aber auch glücklich über einen Podestplatz. Doch die Mannschaft will mehr. Wichtig ist uns auch, dass die Athleten sympathische Botschafter sind für Deutschland und die Olympia-Bewerbung München 2018", so Bach.
Im Eistanz wurde das Berliner Geschwister-Duo Christina und William Beier, das nach Sicht der Deutschen Eislauf-Union (DEU) die Kriterien eher erfüllt hat, nominiert. Die Hermanns sehen sich benachteiligt: Sie protestieren dagegen, dass nur die ersten drei Wettbewerbe des Winters für die Normerfüllung zählen und nicht fünf.
In der zweiten Nominierungsrunde werden am 22. Januar auch die Betreuer benannt. Dabei scheint es diesmal keine neuen Probleme um den stasibelasteten Ingo Steuer zu geben, Trainer der Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy (Chemnitz). Er wurde von der DEU vorgeschlagen. Ärger droht eher im Fall von DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf, der im April vor Gericht steht, weil ihn der Berliner Eistänzer Sascha Rabe des sexuellen Missbrauchs beschuldigte. Bisher hat die DEU Dönsdorf nicht vorgeschlagen.
Claudia Pechstein bleibt dem DOSB wohl endgültig als Nominierungsproblem erspart. Die wegen erhöhter Blutwerte gesperrte Berlinerin hatte in Salt Lake City die sportliche Qualifikation für Olympia 2010 verpasst. Auf eine drohende Klage angesprochen sagt Bach: "Die Sachlage ist eindeutig. Das weiß Claudia Pechstein genau."
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