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Doping-Vorwürfe

Claudia Pechstein fühlt sich als Gewinnerin

Die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechsein hat sich über acht Stunden vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne verteidigt. Anschließend war sie guter Dinge. Ihr Gutachter legte ein ganz neue Erklärung für die belastenden Blutwerte vor.

Ausgang im Pechstein-Prozess weiter ungewiss
Foto: dpa/DPA
Claudia Pechstein erklärte sich in Lausanne acht Stunden lang

Als Letzte verließ Claudia Pechstein am Freitag gegen 16.45 Uhr das Chateau de Bethusy. Über acht Stunden hatte sie dort verbracht, die Sonne verabschiedete sich fast schon wieder am Horizont. Am Morgen, als sie im Regen zum zweiten und letzten Verhandlungstag vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne erschienen war, wirkte sie noch sehr angespannt. Nun lächelte sie und sagte: „Ich denke, ich werde bald wieder laufen.“

Um dies tun zu können, hatte sie in langen Anhörungen vor dem Gremium mit Hilfe ihrer Anwälte versucht, Argumente dafür zu liefern, dass sie der Eisschnelllauf-Weltverband ISU zu Unrecht zwei Jahre wegen Auffälligkeiten im Blutprofil gesperrt hat. Als die Sitzung beendet war, entschwanden die ISU-Vertreter wortlos. Optimismus, dass das Gericht ihrer Darstellung folgen würde, ließ sich in den Gesichtern nicht erkennen. Im Pechstein-Lager herrschte dieser Optimismus. „Ich bin sicher, dass die ISU nicht mehr so glücklich ist mit ihrer Entscheidung“, sagte Anwalt Christian Krähe.

Pechstein berichtete von „einer fairen Verhandlung, alle konnten ausreden, ganz anders als vor dem Schiedsgericht in Bern“. Dort war das Urteil über ihre Sperre gefallen. Sie hofft, das der Cas die Sperre aufhebt, die vergangenen beiden Tage haben ihr Zuversicht gegeben: „Meine Gutachter haben ihre Arbeit gut gemacht.“

Sogar etwas ganz Neues präsentierten diese am Freitag. „Bei Claudia Pechstein wurde eine Mutation des Epogens festgestellt“, erläuterte Anwaltskollege Simon Bergmann. Erstellt wurde diese Analyse von einem Berliner Charite-Professor, dessen Namen man unter Verschluss hielt. Er trat selbst auf in Lausanne und habe großen Eindruck hinterlassen, hieß es. Neben den zuvor diskutierten Hinweisen auf eine Hämolyse, die ein Faktor für Pechsteins schwankende und überhöhte Retikulozytenwerte sein kann, wäre dies eine zweite natürliche Ursache für ihre unnormalen Blutwerte.

Genau handelt es sich sogar um die Mutation zweier Gene. „Das ist ein sehr seltener Umstand“, sagte Bergmann. Durch die Mutation würde die körpereigene Epoproduktion steigen, was sich wiederum auf die Retikulozyten auswirken kann. Allerdings liegt auch hier wie bei der Hämolyse nur eine Wahrscheinlichkeit vor, die Untersuchungen müssten weitergeführt werden und würden bis zu zwei Jahre dauern. Zudem wären sie teuer. Eine mögliche Hämolyse wäre durch die Genmutation nicht ausgeschlossen. „Das ist das Problem bei dem Fall, dass es schwierig ist, eine hundertprozentige Analyse zu bekommen“, sagte Bergmann.

Pechsteins Anwalt fand, dass der zweite Tag, an dem auch formale Fragen diskutiert wurden, noch besser verlaufen sei als der erste. Die angehörten Experten kamen nicht zu gleichen Standpunkten, es ging erwartbar kontrovers zu. „Vom Sportjuristischen her bleiben wissenschaftliche Restzweifel, daher glaube ich, dass wir gute Chancen haben, dieses Verfahren zu gewinnen“, sagte Bergmann.

Wie sie das Dargelegte bewerten, darauf gaben die drei Richter keine Hinweise. Sie betonten allerdings, wie kompliziert der Sachverhalt sei. „Weil er so wichtig ist auch für die weitere Rechtsprechung und die indirekte Beweisführung“, wie Bergmann sagt. Bezüglich dieser Beweisführung, bei Pechstein liegt kein positiver Dopingbefund vor, hätten die Richter den neuen Entwurf der Weltantidopingagentur (Wada) für einen biologischen Athletenpass zu den Akten genommen. Der regelt, wie Blutprofile aussehen und welche Parameter herangezogen werden müssen, um Doping nachweisen zu können. Zwar erlaubt der neue Wada-Code die Verwendung von Blutprofilen seit Januar, die genauen Rahmenbedingungen sind aber neu. Der Entwurf stammt aus diesem Monat. Das Vorgehen der ISU entspricht nun nicht den Vorstellungen der Wada. In jedem Fall wollen sich die Richter Zeit lassen für das Urteil. Wohl länger, als ursprünglich geplant bis Anfang nächster Woche.

Pechstein würde gern schon bei den Deutschen Meisterschaften am Freitag wieder auf dem Eis stehen. Sie hätte sicher einige Fans an der Bahn, in Berlin ist sogar ein Förderverein gegründet worden, der über 10.000 Euro als Unterstützung für die teure Verteidigung ihrer Unschuld gesammelt hat. In Lausanne wollte sie sich auf jeden Fall nichts zuschulden kommen lassen. Eigentlich war der Rückflug nach Berlin erst für Sonnabend geplant, sie schaffte ihn noch Freitagabend. Also musste Pechstein nach der Anhörung noch schnell die Änderung ihres Aufenthaltsortes bei der Antidopingagentur melden: „Deshalb bin ich so spät rausgekommen."

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