Boxen
Der "Stolz von Arkansas" fordert Arthur Abraham
Freitag, 16. Oktober 2009 15:12 - Von Matthias BrzezinskiEr sieht sich nicht als Sportler - sondern als Krieger. Der 31-jährige Boxprofi Jermain Taylor will am Sonnabend in der Berliner 02 World noch einmal an seine große Zeit anknüpfen. Darum will der Amerikaner seinem Gegner Arthur Abraham vor den 14.000 Zuschauern nichts schenken.
Jermain Taylor legt die Gabel beiseite, das Steak kann einen Moment warten. Die Frage, was ihn vom ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton unterscheide, macht ihn stutzig. Die Antwort, er werde "der Stolz von Arkansas" genannt und nicht der einst mächtigste Mann der Welt, lässt den 31-jährigen Boxprofi herzhaft lachen.
Taylor hat, kurz vor seinem Kampf gegen den Berliner Arthur Abraham (Sonnabend, 23 Uhr, ARD), durchaus den Nerv für ein bisschen Nonsens. Gemeinsam ist Clinton und Taylor, dass sie ihre Wurzeln im Ort Little Rock haben. Und der Besuch beim 42. Präsidenten der USA am 2. Oktober 2005 gehört zu Jermain Taylors schönsten Erlebnissen. "Es gab Kaffee. Für mich war es fantastisch. Es war eine Ehre", sagt der Mann, der in der mit rund 14.000 Zuschauern ausverkauften O2 World noch einmal an die ganz große Zeit in seiner Karriere anknüpfen will.
Am 16. Juli 2005 gewann er gegen seinen damals für unschlagbar gehaltenen Landsmann Bernard Hopkins knapp nach Punkten und sicherte sich damit die Gürtel der Boxverbände WBC, WBA, IBF und WBO. Damit übertraf Taylor seinen bis dato größten Erfolg - die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000, wo er unter anderen auch Felix Sturm aus Leverkusen besiegt hatte.
"Das alles zählt nicht mehr", findet Taylor schnell wieder in die Gegenwart zurück. "Jetzt zählt nur der Kampf gegen Arthur Abraham. Er ist stark, aber er ist nicht ein völlig außergewöhnlicher Boxer. Ich respektiere ihn, aber ich werde tun, was ein Krieger tun muss", nutzt der große Bruder dreier jüngerer Schwestern die Ausdrucksweise vieler nordamerikanischer Profis. Krieger kämpfen.
Jermain Taylor musste auch kämpfen. Als er fünf Jahre alt war, verließ sein Vater die Familie. "Wir waren arm, obwohl meine Mutter eine Arbeit hatte", sagt Taylor. So wurde er gezwungenermaßen schneller erwachsen als gleichaltrige Freunde. Durch viel Arbeit im Haus und durch Verzicht. "Weihnachten war immer furchtbar", erzählt Taylor und schließt die Erinnerungen an Vergangenes lakonisch ab: "Es ist überstanden."
Vor dem Mann, der den Kampfnamen "bad intentions" (böse Absichten) trägt, steht in Berlin der Auftakt zum Profiturnier Super Six Classic. Am Ende, Mitte 2011, so Taylor, werde er derjenige sein, der die Kontrahenten Arthur Abraham, Carl Froch (England), Mikkel Kessler (Dänemark) sowie seine Landsleute Andre Ward und Andre Dirrell in ihre Schranken verwiesen haben wird. Neben Abraham und Taylor boxen am Sonnabend Froch und Dirrell in Nottingham, sowie am 21. November in Oakland/Kalifornien Ward und Kessler. Siege bringen zwei Punkte, K.o.-Siege deren drei. Jeder kämpft dreimal (Abrahams zweiter Gegner ist Anfang 2010 Dirrell). Am Ende gibt es eine Rangfolge. Die beiden Letzten fallen raus. Der Führende trifft auf den Vierten, der Zweite auf den Dritten. Die Sieger bestreiten das Finale. Rund 50 Millionen Dollar sollen in den Veranstalter-Schatullen als Preisgeld schlummern.
Seine Zuversicht schöpft Jermain Taylor aus seiner Erfahrung und guter Betreuung. "Ich habe schon früh international geboxt. Ich habe die besten Kämpfer besiegt und ich habe mich in Houston im Gym von George Foreman (Ex-Schwergewichts-Weltmeister, d. R.) sehr, sehr gut vorbereitet. Und die Vorbereitung ist der Schlüssel zum Sieg."






















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