20.04.13

Pferdesport

Hoppegarten bietet 2013 mehr Klasse auf der Rennbahn

Die Galopprennbahn Hoppegarten startet in die Saison. Die edlen Rösser sollen der High Society ebenso Freude bereiten wie Ottonormalverbrauchern mit Kindern. Wie das gelingen soll.

Von Matthias Brzezinski
Foto: pa/Arno Burgi

Zieleinlauf: Viele Zuschauer und jede Menge Spannung bis zum letzten Meter – ab Sonntag ist in Hoppegarten wieder beides garantiert
Zieleinlauf: Viele Zuschauer und jede Menge Spannung bis zum letzten Meter – ab Sonntag ist in Hoppegarten wieder beides garantiert

Ein wenig paradox mutet es schon an, was sich Gerhard Schöningh als Eigentümer der Galopprennbahn Hoppegarten zum Ziel gesetzt hat. "Ich würde mich nicht dagegen wehren, sollte Hoppegarten einmal die Nummer eins unter den deutschen Rennbahnen werden", hat der 50-Jährige einmal gesagt.

Im März 2008 übernahm er die Bahn, als alleiniger Eigentümer. Zuvor hatte er sich im Investment-Banking in London sozusagen die Investitionsgrundlage für das Gelände vor den Toren Berlins geschaffen. Wobei er Investmentbanker als Berufsbezeichnung für sich nicht gelten lässt: "Ich habe mich mit börsennotierten Mittelständlern beschäftigt." Bezogen auf Hoppegarten sieht er sich als Teamplayer mit dem Recht der letzten Entscheidung.

Börsennotiert? Nein. Mittelständischer Betrieb? Durchaus. Wenn an diesem Sonntag (Einlass 12 Uhr) die sechste Saison unter der Führung des gebürtigen Krefelders beginnt, haben rund 150 Vollzeit- und Teilzeit-Mitarbeiter einen Teil ihres Jobs bereits erledigt.

Aus Rennpreisen in Höhe von etwa 400.000 Euro in 2008 sind inzwischen 1,2 Millionen geworden. An vier von acht Veranstaltungstagen des Jahres werden sogenannte Gruppe-Rennen (in etwa vergleichbar mit der Champions-League im Fußball) ausgetragen. Dazu kommen die beiden europaweit höchstdotierten Rennen mit Araber-Pferden, die einer Kooperation mit H.H. Sheikh Mansoor Bin Zayed Al Nahyan (Vereinigte Arabische Emirate) zu verdanken sind.

Galoppsport auf eine breitere Basis stellen

Und was ist daran paradox? Schöningh will (und muss) den Galoppsport definitiv auf eine breitere Basis stellen. Die edlen Rösser sollen der High Society ebenso Freude bereiten wie Ottonormalverbrauchern mit Kindern. Champagner im Kühler auf der VIP-Tribüne neben mitgebrachten Broten auf der Wiese vor der Haupttribüne. Eine Hüpfburg für Kinder ("Die Fans von morgen") ist ebenso unverzichtbar wie ein Sonderparkplatz für den einen oder anderen Bentley. "Wir brauchen beides", lautet die Devise. Ein Spagat zwischen den Pferden, wenn man so will.

Zu Beginn des neuen Rennsaison bekennt Schöningh ohne zu zögern "Wir schreiben noch keine schwarzen Zahlen." Setzt aber schnell hinzu: "Wir sind auf gutem Weg dahin. Ich habe einen langen Atem." Der Weg ist quasi zweigleisig. Als nüchtern kalkulierender Geschäftsmann hat er sich der professionellen Hilfe von Headhuntern bedient, um die Bereiche Vertrieb und Marketing zu stärken. "Rund 60 Prozent unserer Besucher kommen aus Berlin. Davon aber nur ein ein kleiner Teil aus dem ehemaligen Westteil. Daran müssen wir arbeiten, denn das dort schlummernde Zuschauerpotenzial ist für uns unverzichtbar", so der Bahnchef. Immerhin: Die Bahn gehört zur Vermarktungsgesellschaft "Berlin Partner".

"Wir wollen mehr und besser dotierte Renntage erreichen. Dazu benötigen wir Unterstützung. Das betrifft Geschäftsleute und Firmen, die die Bahn als Angebot annehmen und auch Menschen, die sich angenehm unterhalten wollen. Das betrifft unsere Präsenz in den Medien und auch die Zusammenarbeit mit anderen Bahnen. Wenn wir Qualität bieten, finanziellen Anreiz, dann profitieren wir, weil wir bessere Starterfelder aufbieten können." Schöninghs Pläne sind durchaus ambitioniert.

Einen außergewöhnlichen sportlichen Erfolg gab es zum Ende der Saison 2012. Roland Dzubasz, mit derzeit 67 Pferden in Hoppegarten stationiert, sicherte sich mit 59 Jahressiegen das deutsche Trainer-Championat. Der 44-Jährige ist der erste gesamtdeutsche Champion aus Hoppegarten seit 1944. Damals behauptete sich Valentin Seibert. Für Dzubasz, dessen Pferde im Jahr 2012 Preisgelder in Höhe von rund 500.000 Euro gewinnen konnten, stellt sich die Entwicklung in Hoppegarten "insgesamt positiv" dar. Dennoch sieht er auch Probleme: "Der Galoppsport braucht drei Dinge ganz besonders. Erstens mehr Rennen. Daraus resultieren bessere Verdienstmöglichkeiten und daraus wiederum die Möglichkeit, dass mehr Leute Lust bekommen, Geld in Rennpferde zu investieren." Dann würden sich auch die nicht wegzudiskutierenden Nachwuchsprobleme im Bereich der Jockey-Schüler besser lösen lassen.

Großer Preis von Berlin

Höhepunkt des Jahres ist der 123. Große Preis von Berlin. am 21. Juli. Unvergessen der Sieg von Danedream 2011 in dessen Folge die Dreijährige das wichtigste Rennen der Welt, den Prix de l'Arc de Triomphe und 2012 die King George VI and Queen Elizabeth Stakes in Ascot gewinnen konnte. Die Stute, mittlerweile in der Zucht, ist mit einer Preisgeldsumme von mehr als drei Millionen Euro das gewinnreichste deutsche Galopp-Rennpferd.

Im wichtigsten Rennen am Auftakt-Sonntag, dem mit 22.000 Euro dotierten Preis von Dahlwitz, starten sieben Pferde. Die Distanz beträgt 2000 Meter. Favorit ist der Derby-Sieger von 2011, Waldpark, mit Jozef Boyko im Sattel. Der 42 Jahre alte Tscheche, der Waldpark auch zum Derby-Triumph geführt hatte, hat mehr als 1000 Siege erkämpft. Zum Favoritenkreis gehören auch Andolini (Rastislav Juracek) und Salon Soldier (Filip Minarik). Roland Dzubasz ist in den acht Rennen zur Saisoneröffnung mit elf Pferden vertreten.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Renntage in Hoppegarten
  • Renntage

    Mit der Saisoneröffnung am Sonntag (21. April 2013, ab 12 Uhr) stehen acht Veranstaltungen auf dem Pogramm: 5. Mai 2013 (Araber-Renntag), 19. Mai 2013 (Ladies Day), 9. Juni 2013 (Diana-Trail), 21. Juli 2013 (123. Großer Preis von Berlin, dotiert mit 175.000 Euro), 11. August 2013 (Hoppegartener Fliegerpreis), 7. September 2013 (Auktionsrennen), 3. Oktober 2013 (Preis der Deutschen Einheit, dotiert mit 85.000 Euro).

  • Ticketpreise

    Stehplätze kosten zwischen sieben und 15 Euro, Tischplätze auf der Haupttribüne sind für 25 und 35 Euro zu buchen. Logenplätze auf der Haupttribüne kosten je nach Renntag 25 bis 50 Euro. Der Hoppegarten-Knüller ist das Familienticket, bei dem zwei Erwachsene mit mindestens einem Kind unter 14 Jahre 14 bis 20 Euro Eintritt bezahlen. Die Preise gelten beispielsweise auch für eine Familie mit vier Kindern unter 14 Jahren. Jahreskarten liegen zwischen 66 und 280 Euro.

  • Anfahrt

    Mit dem Auto über den Berliner Ring oder die Frankfurter Allee. Parkplätze kosten drei Euro. Mit der S5 erreicht man die Bahn-Haltestelle Hoppegarten Mark vom Alexanderplatz aus in etwa 30 Minuten. Dann warten noch rund zehn Minuten Fußweg.

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Papua-Neuguinea Vulkan spuckt Feuer, Asche und Gestein
Germanwings Viele Verspätungen durch den Piloten-Streik
Zweites Baby Shakira ist schon wieder schwanger
Uefa-Auszeichnung Cristiano Ronaldo ist Europas Fußballer des Jahres
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Hochzeit in Frankreich

Pitt und Jolie sind verliebt, verlobt – und verhei…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote