29.01.13

Sechstagerennen

Weltmeister de Ketele bei Berlins Sixdays auf Siegkurs

Folgt man der Hauptregel eines Sechstagerennens dann sollten die Sieger des 102. Berliner Rundenwirbels feststehen.

Foto: dapd

Die Berliner Sixdays 2013: Nach einer Delle im Zuschauerzuspruch 2012 ist das weltweit älteste Sechstagerennen in die Erfolgsspur zurückgekehrt
Die Berliner Sixdays 2013: Nach einer Delle im Zuschauerzuspruch 2012 ist das weltweit älteste Sechstagerennen in die Erfolgsspur zurückgekehrt

Die Hauptregel eines Sechstagerennens lautet: Rundengewinn geht vor Punktgewinn. Folgt man dieser sollten die Sieger des 102. Berliner Rundenwirbels Kenny de Ketele und Luke Roberts heißen. Der Belgier und der Australier hatten sich am Sonntag besagte Runde Vorsprung auf die Konkurrenz erkämpft. Also, immer schön mit den Mitbewerbern mitfahren und schon kann nichts mehr passieren, denn die können die Runde ja nicht aufholen.

So weit die Theorie. "Wenn man das macht, schaufelt man sich sein eigenes Grab", grinst Kenny de Ketele. "Das merken die anderen Teams und machen dich durch ständige, abwechselnde Attacken fertig. Du musst wissen, wann es sich lohnt, auf einen Angriff zu reagieren", sagt der Belgier.

Die Teams, die der 27-Jährige aus Oudenaarde und sein acht Jahre älterer Kollege aus Adelaide im Blick haben müssen, sind Franco Marvulli/Andreas Müller (Schweiz/Österreich), Roger Kluge/Peter Schep (Cottbus/Niederlande) und Robert Bartko/Theo Reinhardt (Potsdam/Berlin). Diese Reihenfolge hatte am Montagabend auch noch nach der ersten Jagd Bestand. "Ich glaube, dass Robert etwas riskieren wird. Er und Theo wollen zu Hause bestimmt unbedingt gewinnen", tippt de Ketele, ohne die anderen zu unterschätzen.

Der Belgier ist ein wenig ein Spätstarter im Rennsattel. Bis zu seinem 15. Lebensjahr spielte er Fußball. "Ich war nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut", blickt er zurück.

Mitmachen statt zuschauen

Seine Heimatstadt Oudenaarde liegt aber in einer radverrückten Gegend, und regelmäßige Besuche von Etappen der Flandern-Rundfahrt animierten de Ketele zum Wechsel auf zwei Räder. Spätestens mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Zweiermannschaftsfahren 2012 in Melbourne (mit seinem Landsmann Ijjo Keisse) hat sich gezeigt, dass die Entscheidung richtig war. In der laufenden Sechstage-Saison holte sich de Ketele die Siege in Grenoble (mit Keisse) und in Zürich (mit Schep). Die Chancen auf Gesamtsieg Nummer drei sind dank Luke Roberts, 2004 Olympiasieger in Athen und bereits dreimal Bahn-Weltmeister, absolut intakt.

Für Dieter Stein, Sportlicher Leiter in Berlin, liegen die Qualitäten von de Kettele/Roberts "in ihrer Ausgeglichenheit. Sie können in allen Wettbewerben Spitzenleistungen bringen". Der 57-Jährige ist mit dem bisherigen Rennverlauf zufrieden. "Wir haben keine Verletzungen, keine Erkrankungen, und die einzelnen Rennen sind fast alle bis zum Schluss umkämpft."

Eine Vorentscheidung um den Gesamtsieg sieht der ehemalige Bahn-Spezialist aber noch nicht: "Bei vier so starken Mannschaften, wie sie bei uns an der Spitze sind, ist alles offen. Ich habe de Ketele/Roberts zwar von Beginn an zu den Favoriten gezählt, aber die drei Teams mit einer Runde Rückstand sind ganz sicher noch nicht abgeschlagen."

Zufrieden mit der 102. Auflage des Bahn-Klassikers ist auch Sechstagechef Heinz Seesing. In seinem letzten aktiven Jahr freut sich der 75-Jährige "über die Tendenz, dass verstärkt junges Publikum zu uns kommt". Vor allem an den beiden Wochenend-Renntagen Freitag und Sonnabend habe er das beobachtet. "Möglicherweise zahlt sich auch schon ein bisschen aus, dass wir uns mit dem traditionellen Familien-Sonntag früh auch auf Eltern und ihre Kinder konzentriert haben", so Seesing. Nach einer Delle im Zuschauerzuspruch 2012 ist das weltweit älteste Sechstagerennen in die Erfolgsspur zurückgekehrt.

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