24.01.13

Sechstagerennen

Weltklasse beim Berliner Sechstagerennen im Velodrom

"Tatort"-Kommissar Jan Josef Liefers hat am Donnerstag das Sechstagerennen im Velodrom eröffnet. Die Stimmung war prächtig.

Von Matthias Brzezinski
Foto: picture alliance / dpa

Im Verlauf des Sechstagerennens legen die Teams im Velodrom rund 700 Kilometer zurück
Im Verlauf des Sechstagerennens legen die Teams im Velodrom rund 700 Kilometer zurück

Es war exakt 19.55 Uhr, als Jan Josef Liefers den Arm hob und mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand den Abzug der Pistole drückte. Der Knall wurde im Velodrom an der Landsberger Allee begleitet von lauten Beifallsstürmen der rund 12.000 Zuschauer (ausverkauft). Liefers lachte und schickte die Radrennfahrer mit seinem Schuss auf die wilde Hatz ins Oval. Für den Schauspieler war es das erste Mal, dass er in Berlin die Sechstage-Atmosphäre schnupperte. Und die gefiel dem Tatort-Kommissar sichtlich gut. Der 48-Jährige flachste: "Eigentlich arbeite ich ja immer erst ab 20.15 Uhr."

Ehe Liefers das 102. Berliner Sechstagerennen anschoss, war Sängerin Sera Lee spektakulär von der Hallendecke des Velodroms geschwebt und hatte die Zuschauer zu Standing Ovations animiert. Die Stimmung zum Auftakt des Rad-Spektakels war prächtig. Für Innensenator Frank Henkel (CDU) war die Show eine Bestätigung "dass das Rennen als Topevent einen festen Platz im Berliner Sportkalender haben muss." Henkel war nicht der einzige Politiker, der sich am bunten Trubel erfreute. Auch sein Vorgänger Ehrhart Körting (SPD) sowie Klaus Böger, der Präsident des Landessportbundes Berlin (LSB), hatten den Weg nach Prenzlauer Berg gefunden.

Berliner Förstemann sorgt gleich für Aufsehen

Die Fahrer standen der großartigen Show in nichts nach. Gleich im ersten Wettbewerb sorgte ein Berliner für Aufsehen. Im Rundenrekordfahren erkämpfte Robert Förstemann mit 70,14 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit den Sieg und wurde frenetisch gefeiert. Und als wollten sie die Negativ-Schlagzeilen der letzten Zeit vergessen machen, setzten sich die Akteure im Hauptfeld perfekt in Szene. Den Sieg in der ersten großen Jagd sicherten sich der Schweizer Franco Marvulli und der gebürtige Berliner Andreas Müller, die damit auch die Führung in der Gesamtwertung übernahmen.

Die Zuschauer bekommen auch in den kommenden Tagen Radsport vom Feinsten geboten. Dafür hat der Sportliche Leiter Dieter Stein gesorgt. Für den ehemaligen Bahnrad-Spezialisten ist das eine Zeit voll Dauerstress. "Jeder Fahrer hat seine individuellen Wünsche. Jeder hat Vorstellungen, die mit unseren als Veranstalter auf einen Nenner gebracht werden müssen", sagt Stein und fügt mit einem vielsagenden Schmunzeln an: "Meistens klappt das ganz gut." Keiner kennt die Stärken und Schwächen der 32 Sechstagefahrer, der sechs Sprinter, sechs Steher und zwölf Starterinnen im Ladies Cup so gut wie Stein. Fragt man ihn nach den Favoriten, legt er sich aber nur bedingt fest.

"Es gibt einen Haufen. Wir zeigen die absolute Weltklasse und unser Rennen ist extrem ausgeglichen besetzt. Das gilt nicht nur für den Mannschafts-Wettbewerb, sondern auch für die Sprinter. Bei den Stehern und den Frauen sehe ich schon klare Sieganwärter", so Stein. Am schwierigsten ist für ihn die Lage im Hauptfeld. "Es gibt keinen Titelverteidiger, weil so gut wie alle Mannschaften neu zusammengestellt sind. Für mich zählen auf jeden Fall Kenny de Ketle und Luke Roberts zu den ganz heißen Sieganwärtern".

Der Belgier de Ketele (27) ist amtierender Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren und sechsmal Europameister in dieser Disziplin. Luke Roberts (Australien, 35) war 2004 in Athen Olympiasieger in der Mannschaftsverfolgung und zwischen 2002 und 2004 auch dreimal Weltmeister. Der Routinier aus Adelaide kann auch auf die Erfahrung von zwei Starts bei der Tour de France zurückgreifen.

Berliner Müller peilt ersten Sechstagesieg an

Vor allem der Schweizer Marvulli, mit 32 Siegen erfolgreichster Fahrer, hat gute Erinnerungen an das Velodrom. 2008 gewann der 34-Jährige mit seinem Landsmann Bruno Risi. Diesmal soll es mit Andreas Müller (33) klappen. Für den Berliner, der nach Differenzen mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) vor einiger Zeit die österreichische Staatsangehörigkeit angenommen hat, wäre es der erste Sechstagesieg im 69. Rennen. "Wenn wir ohne Sturz bleiben, haben wir sicher unsere Chancen", sagt Müller.

Und Publikumsliebling Robert Bartko? "Robert ist diesmal der Lehrmeister für einen jungen Berliner Fahrer. Theo Reinhard ist erst 22 Jahre alt. Für mich ist er aber ein Riesentalent. Er wird von Roberts Erfahrung profitieren und beiden traue ich auch zu, mal eine Jagd zu gewinnen", wagt Stein eine Prognose. Selbiges verkneift er sich aber, wenn es um die Sprinter geht.

In Berlin zeigt sich die gesamte deutsche Olympia-Elite: Stefan Nimke (34) aus Schwerin, der es bei diversen Spielen zu einem kompletten Medaillensatz gebracht hat. Der in Berlin geborene Maximilian Levy (25) wurde 2012 mit Silber in London dekoriert. Der Berliner Förstemann ist aus London mit einer Bronze-Medaille zurückgekehrt, und Rene Enders (25) aus Erfurt kann zwei Bronze-Plaketten vorweisen. "Die vier platzen vor Kraft, vor Ehrgeiz und vor Siegeswillen", so Stein.

Im Rennen um den Ladies Cup lautet die Frage: Kann Charlotte Becker ihren Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen? "Ich denke, sie ist stabil und erfahren genug, das zu schaffen", legt sich Stein diesmal fest. Die Berlinerin krönte das vergangene Jahr mit WM-Gold im Mannschaftszeitfahren auf der Straße. Bleibt als vierter Wettbewerb noch der Steher-Weltpokal. Der Mann, den es hinter den Motorrädern zu schlagen gilt, ist für Stein Lokalmatador und Vorjahressieger Florian Fernow. "Wenn er seine gewohnte Form mitbringt, wird er gewinnen."

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