07.12.12

Kickboxen

Frau Dr. Theiss kann viel besser hauen als heilen

Die 32-Jährige verteidigt in Berlin ihren WM-Titel. Sie ist das Aushängeschild des Kickboxens, aber auch auf anderen Feldern erfolgreich.

Von Matthias Brzezinski
Foto: dapd

Gut drauf: Christine Theiss hat Kickboxen im Fernsehen salonfähig gemacht
Gut drauf: Christine Theiss hat Kickboxen im Fernsehen salonfähig gemacht

Kampfsport gilt hierzulande als Männersport. Doch es ist Christine Theiss (32), die dem fernöstlichen Kampfsportkonglomerat aus Karate, Taekwondo und Kung Fu medial ein Gesicht verleiht. Zum Beispiel an diesem Freitagabend, wenn sie in den Sat.1-Studios in Adlershof (Beginn: 19 Uhr) ihren Weltmeistertitel zum 21. Mal verteidigt und die Bilder vom Kampf gegen die fünf Jahre jüngere bosnische Europameisterin Sanja Samardzic ab 23.15 Uhr live via Sat.1 zu sehen sind.

Gewinnen ist wichtig, Spaß auch

Theiss wird in dieser verkehrten Welt gern als die hübsche Frau Doktor vermarktet, privat sieht sie es dagegen gar nicht so eng mit dem akademischen Titel. Und doch ist sie damit, im besten Sinne des Wortes, die Quotenfrau der deutschen Kickboxszene geworden. Darauf, es in ihrem Sport nach ganz oben geschafft zu haben, ist sie stolz. "Ich habe mit sieben Jahren angefangen mit dem Kampfsport. Ich fand immer die Eins-gegen-eins-Situation gut. Dabei war Gewinnen zwar wichtig, aber mindestens genauso wichtig war der Spaß beim Training", beantwortet sie die Frage "Warum eigentlich Kampfsport als Mädchen?" lieber gleich vorweg.

Das allein reicht ihr aber nicht. "Mit zunehmendem Erfolg rückt der Spaßfaktor etwas in den Hintergrund. Man ist gut in dem, was man macht, und man will es bleiben. Da baut sich Druck auf. Mir hilft, dass ich, wenn es denn nur noch wenige Minuten bis zu einem Kampf sind, so etwas wie Jagdfieber spüre." Christine Theiss lacht entwaffnend, geradezu konträr zur verbal fast brutal klingenden Motivationserklärung.

Seit 2008 mit Doktortitel

Überhaupt lacht sie gern. Und sie zeigt Geduld. Eigentlich eine gute Voraussetzung für den Job als Arzt. Seit 2008 gibt es eine – als gelungen bewertete – Dissertation von ihr zum Thema Kardiologie. Deswegen eben Dr. Christine Theiss. Hauen und heilen? Schon wieder verkehrte Welt.

"Ich heile nicht, höchstens mich selbst, wenn es nach dem Training oder einem Kampf mal eine Blessur gibt. Ich bin weg vom Fenster in der Medizin. Das liegt einfach daran, dass ich mich auf den Sport konzentriert habe. Von 2008 bis jetzt ist die Entwicklung so rasant vorangegangen, dass ich definitiv neu anfangen müsste", so Theiss.

Moderatorin im Privatfernsehen

Den Mediziner-Alltag kennt sie trotzdem, Ehemann Hans ist Arzt: "Ich weiß, wie es ist, wenn mal wieder in aller Herrgottsfrühe am Kopfende das Handy klingelt und er weg muss."

Bereut hat sie ihre Entscheidung gegen den weißen Kittel bislang nicht. Denn neben dem Kickboxen profiliert sich die Hobby-Köchin Zug um Zug auch noch als Moderatorin im Privatfernsehen. "Das ist ein toller Job", strahlt sie: "Aber es ist auch ein Haifischbecken. Im Fernsehen bist du mit ein wenig Glück schnell oben und auch ganz schnell wieder unten." Dennoch: Sport und Spots werden unter einen Hut gebracht. Zuletzt drehte Christine Theiss eine weitere Staffel für die Sat.1.-Show "The biggest loser", in der es um kontrollierte Gewichtsabnahme geht.

Ohne Videostudium zum Erfolg

Das ist für Theiss gar nicht so verkehrt: Der eigene Körper ist ihr wichtig. "Mich ärgert, wenn Leute glauben, sie könnten mit ein paar Besuchen im Sportstudio aussehen wie wir", sagt sie. "Der Sport ist so anstrengend, so fordernd. Alle, die erfolgreich sind, haben Jahre dafür gebraucht." Im Klartext heißt das: Sie erwartet nicht zwingend Beifall, aber Respekt für eine Kampfsportszene, die nicht überall gut beleumundet ist.

Für ihren Trainer Mladen Steko (36) ist sie ein Juwel: "Christine kann sich unglaublich konzentrieren und umsetzen, was man ihr sagt. Für mich ist sie im Moment fast unschlagbar." Um das noch lange so empfinden zu können, verbringt der ehemalige Kickbox-Weltmeister viele Stunden mit dem Videostudium der Gegnerinnen. Denn das mag Theiss nicht: "Ich schau nie Videos. Ich habe das anfangs gemacht und dann gemerkt, dass ich im Kampf unkonzentriert war. Ich habe immer darauf gewartet, dass etwas kommt, was ich auf Video gesehen habe. Das hat nicht geholfen, sondern mich abgelenkt. Mladen sagt mir, worauf es ankommt."

Kinderwunsch für die Karriere zurückgestellt

Und noch einmal verkehrte Welt. Bei Problemen im Alltag müsste Theiss ja auf ihre Kampfkünste vertrauen können. Doch wenn sie gefragt wird, wie man sich am besten vor körperlichen Auseinandersetzungen schützen kann, dann sagt sie: "Durch Weglaufen – und durch Schreien."

Gelaufen wird bei Familie Theiss im Übrigen stets in Begleitung von Boxerhündin Tiffany. Vielleicht auch deswegen, weil der Kinderwunsch für die Karriere noch etwas zurückgestellt wird. "Mein Mann und ich haben am letzten Sonntag unseren siebten Hochzeitstag gehabt. Kinder sind schon ein Thema, aber so schnell wie Kate und William waren wir nicht", erzählt Theiss. Einen Sieg gegen Sanja Samardzic vorausgesetzt, sieht sich Deutschland bekannteste Kickboxerin auf jeden Fall auch noch 2013 im Ring: "Es macht einfach zu viel Spaß.

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