Tourenwagen
DTM will Flughafen Tempelhof zur Rennstrecke machen
Während Bruno Spengler und BMW sich den Titel sichern, arbeiten die Macher der DTM an einer Rückkehr nach Berlin.
Die kleine Gruppe von Männern im besten Alter fächerte sich auf. Hier ein Blick, da ein paar Schritte, eine ausholende Geste, man ruft sich etwas zu. Schließlich ist der Flughafen Tempelhof ein gewaltiges Gelände. Ein Gelände, mit dem sich Träume verbinden.
Einer davon: Die Rückkehr der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) nach Berlin. So wie früher, als zwischen 1984 und 1995 regelmäßig auf der legendären Avus gefahren wurde. Ein DTM-Rennen vor der beeindruckenden Kulisse des alten Flughafengebäudes, mit einer selektiven, weil von den Platzverhältnissen her gut zu realisierenden Strecke, mit Tribünen für rund 50.000 Zuschauer – alles Spinnerei? Egal, man kann sich den Ort des erträumten Geschehens ja mal anschauen.
Natürlich ist alles noch geheim, auch die Namen der Tempelhof-Inspektoren. Es gibt offiziell nichts Offizielles. Und doch: Der Traum bewegt sich – ganz langsam – in Richtung Realität. Die Gegebenheiten des Geländes passen wie die Faust aufs Auge, selbst ein großzügiger Fan-Fahrerlagerbereich wäre machbar.
Und, ganz einfach, weil es sich so gehört, informierte Hans-Werner Aufrecht, Chef der Interessengemeinschaft Tourenwagenrennen (ITR), der Dachorganisation der DTM, Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit in einem persönlichen Gespräch über die Gedankenspiele. Der zeigte Interesse, ohne falsche Hoffnungen zu wecken, aber mit der Option, weitere Informationen auch in die Überlegungen der Berliner Seite einfließen zu lassen. "Es gibt keinen Sachstand", deckelt Aufrecht mögliche Spekulationen. Doch er sieht dabei nicht unzufrieden aus.
Chance für Audi, BMW und Mercedes
Die Intention des ITR-Chefs liegt in der Tatsache begründet, dass sich die DTM mit den Automobilherstellern Audi, BMW und Mercedes in einem Ballungsgebiet wie Berlin optimal präsentieren kann. Frei nach dem Motto: Wenn die Fans nicht zu den Strecken kommen, dann muss eben die Strecke zu den Fans kommen.
Für Hans-Joachim Stuck, Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB), einst selbst im Audi DTM-Champion 1990 und im gleichen Jahr Doppelsieger auf der Avus, ist der Traum von einem Tempelhof-Rennen durchaus faszinierend. "Eine geile Idee. Du hast die Fans hautnah dabei. Du hast kurze Wege." Dennoch sieht der 61-jährige Ex-Formel-1-Fahrer und Sportwagen-Weltmeister auch Probleme. "Es muss eine Piste gewährleistet sein, die den Anforderungen der Autos entspricht und es muss bei so einer provisorischen Strecke auf optimale Sicherheit geachtet werden", so Stuck. Die seit Saisonbeginn eingesetzten DTM-Autos leisten rund 500 PS und können Spitzengeschwindigkeiten deutlich jenseits von 250 Stundenkilometern erreichen.
Neben der Besinnung auf nationale Streckenalternativen geht die Tendenz der DTM aber gleichermaßen in Richtung Internationalität. Ab 2014 öffnet sich die Serie für japanische Automobilkonzerne, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich Audi, BMW und Mercedes-Benz (respektive ihre Kundenteams) auch an der japanischen Super-GT-Serie beteiligen können. Ein entsprechender Kooperationsvertrag zwischen ITR und dem japanischen Serienbetreiber GT Association (GTA) wurde in der vergangenen Woche in Tokio fixiert. Demnach nutzt die Super GT ab 2014 das neue technische Reglement der DTM, die Vereinbarung läuft vorerst über vier Jahre.
"Die GTA, die ITR und die engagierten Hersteller betreten Neuland. Die Super GT in Japan und die DTM haben viele gemeinsame Ideen", sagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich: "Jetzt werden diese Organisationen auf der Basis eines gemeinsamen technischen Reglements zusammenarbeiten." Für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug ist "dieser Schritt sehr zu begrüßen. Daraus zu schließen, dass wir ab 2014 neue Hersteller in der DTM haben werden, ist aber verfrüht."
Eine weitere Expansions-Variante für die kommenden Jahre bietet Moskau. Nach Informationen der Fachzeitschrift "Motorsport aktuell" ist ein Rennen auf dem neuen Moskau Raceway in Russland in den Augen der ITR-Verantwortlichen "sehr wahrscheinlich". Von russischer Seite besteht jedenfalls Interesse, bereits 2013 aktiv zu werden. "Es gibt zwar noch keine Verträge, aber Gespräche", sagte Tatjana Makhina, Sprecherin des Moskau Raceway. So gesehen liegen Berlin und Moskau gleichauf.
Skepsis am Lausitzring
Bert Poensgen, Geschäftsführer des rund 120 Kilometer von Berlin entfernten Lausitzrings, sieht die Tempelhof-Pläne mit gemischten Gefühlen. "Ein Plan ist schnell gemacht, realisiert ist er aber nicht so zügig. Wir haben einen gültigen Vertrag mit der ITR und werden unser Rennen 2013 wie gewohnt ausrichten. Was die Berliner Sache angeht, warten wir ab."
Auf jeden Fall wird Poensgen dann BMW-Pilot Bruno Spengler als Titelverteidiger begrüßen können. Der 29 Jahre alte Kanadier verwies beim Saisonfinale in Hockenheim den Engländer Gary Paffett (31, Mercedes) und seinen brasilianischen Markenkollegen Augusto Farfus (29) auf die Plätze zwei und drei. Für den ehemaligen Formel-1-Piloten David Coulthard (41) und für Susie Wolff (29, ehemals Stoddart) war es das letzte DTM-Rennen. Die beiden Schotten beenden ihre Karrieren. Auch für Ralf Schumacher (37, Mercedes) stehen die Zeichen nach fünf DTM-Jahren auf Karriereende.















