03.10.08

Galopprennen

Prince Flori triumphiert in Hoppegarten

Favorit Prince Flori hat auf der Galopprennbahn Hoppegarten in überzeugender Manier den Preis der "Deutschen Einheit" gewonnen. In dem mit 50.000 Euro dotierten und zum 18. Mal ausgetragenen Rennen stieß der Hengst mit Jockey Torsten Mundry im Sattel in der Zielgeraden von der dritten Position aus in die Spitze vor.

Von Lars Wallrodt und Matthias Brzezinski
Foto: dpa
Die Galopprennbahn wurde 1868 von König Wilhelm I. und Kanzler Otto von Bismarck eröffnet und zog regelmäßig 40.000 Besucher an
Die Galopprennbahn wurde 1868 von König Wilhelm I. und Kanzler Otto von Bismarck eröffnet und zog regelmäßig 40.000 Besucher an

Wer es in all dem Trubel auf der Galopprennbahn Hoppegarten schafft, einen Moment innezuhalten und der Fantasie freien Lauf zu lassen, kann sie sehen: vornehme Damen in weiten Röcken und mit gewagten Hüten, Gentlemen in Gehröcken und mit steifen Zylindern. Dazwischen Stallburschen und Zocker, Abenteurer und Glückritter, Bürger und Bettler – kurzum: die ganze Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts. Und Pferde, Hunderte von Pferden.

Auch Gerhard Schöningh hatte die Bilder jahrelang vor Augen. Der ehemalige Londoner Fondsmanager liebt den Pferdesport auch wegen seiner großen Vergangenheit. Deshalb kaufte Schöningh im März die Galopprennbahn Hoppegarten. Auch wenn deren Gloria der vergangenen Tage unter einer dicken Schicht Patina begraben liegt – beim Preis der Deutschen Einheit, schimmerte sie wieder durch. Das mit 50.000 Euro dotierte wichtigste Rennen auf der Bahn gewann der 29:10-Favorit Prince Flori mit Torsten Mundry im Sattel.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Hoppegarten regelmäßig der Mittelpunkt des Berliner Lebens. Die Galopprennbahn wurde 1868 von König Wilhelm I. und Kanzler Otto von Bismarck eröffnet und zog regelmäßig 40.000 Besucher an. Bis zu 1500 Pferde standen in den Ställen, das Gelände wuchs bis auf eine Größe von 780 Hektar an, auf denen auf fünf Bahnen gleichzeitig galoppiert werden konnte. Sechs Eisenbahngleise bugsierten die Berliner Oberschicht nach Hoppegarten. Der Rest ging einfach zu Fuß. In der DDR fristete der Galopprennsport ein Nischendasein, da konnte der VEB Vollblutrennbahn werben, wie er wollte. Die Politik konnte keinen wirklichen Nutzen draus ziehen.

Auch deshalb wurde Hoppegarten zu einem Symbol der deutschen Einheit. Am 31. März 1990 strömten mehr als 50.000 Menschen zum ersten deutsch-deutschen Renntag.

Doch die Goldgräberstimmung hielt nicht lange an, schnell wurde es dunkel im Osten. Finanzquerelen und Besitzerwechsel bedrohten die Existenz von Deutschlands wohl schönster Galopprennbahn. Der noble Glanz platzte ab wie alter Lack. Nun soll das Geläuf auferstehen aus Ruinen. Für 2,65 Millionen Euro kaufte Schöningh die Rennbahn. Mit einer Vision: Hoppegarten soll wieder zu der Rennbahn Berlins werden, gar zum Ascots Deutschlands aufsteigen. Behutsam will Schöningh sein Projekt angehen. Nur nichts konstruieren, für das die Zeit noch nicht reif ist. Rund 600.000 Euro hat er bereits in die Anlage gesteckt, damit sind "fünf bis zehn Prozent unserer Vorhaben realisiert", sagt er.

Beim Preis der Deutschen Einheit waren Federboas und schicke Hüte den Baseballkappen und Bluejeans noch gnadenlos unterlegen. Immerhin aber kamen mehr als 10.000 Besucher auf die Bahn, und auf dem Parkplatz ließ ein einzelner Bentley Convertible die Zuschauer ihre Kameras zücken.

Das schönste Lob kam aus berufenem Mund. Die Duchess of Watford, selbst Besitzerin von Rennpferden, war zum ersten Mal zu Besuch und sagte: "Hoppegarten ist eine der wenigen Bahnen in Europa, die sich ihren Stil bewahrt haben." Besonders erfreut war die Herzogin von den Stühlen auf der Haupttribüne. "Wie in Ascot", schwärmte die Blaublüterin. Kein Wunder: Der traditionsbewusste Schöningh hat die Originale des englischen Vorbilds einfach nachbauen lassen.

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