30.09.08

Frauenfussball

Ärger über Vergabe der Spielorte für WM 2011

Im Kanzleramt hat der Deutsche Fußball-Bund die neun Spielorte der Frauenfußball-WM 2011 bekanntgegeben. Promis wie Nena und Franziska von Almsick waren dazu geladen. Da sich elf Städte für die Austragung der Partien beworben hatten, gab es im Westen und im Osten auch enttäuschte Gesichter.

Foto: dpa

Im Berliner Olympiastadion (Kapazität: 74.244 Zuschauer) findet das Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM 2011 statt.

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Der Deutsche Fußball-Bund hatte ein Staraufgebot mobilisiert, um der Vergabe der Spielorte für die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland Aufmerksamkeit zu sichern. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel tummelten sich unter anderen Schlagersängerin Nena, Schwimmstar Franziska van Almsick und Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts im Bundeskanzleramt. Die ARD übertrug, und am Ende blieben nur zwei Enttäuschte zurück. Bielefeld und Magdeburg gingen von den insgesamt elf Bewerberstädten leer aus.

Der DFB hatte Dienstagvormittag dem Weltfußball-Verband Fifa das vom Organisationskomitee favorisierte "8+1 Modell" schmackhaft machen können. Demnach gibt es neben Berlin acht Spielorte. In der Hauptstadt soll nur das Eröffnungsspiel ausgetragen werden, was als Homage an die Männer-WM 2006 gedacht ist. Dort endete mit dem Finale Italien gegen Frankreich das Männerturnier, da soll auch die Frauen-WM beginnen.


Der große Bogen ist geschlagen. Der chronisch klamme Berliner Senat machte für das Unterfangen sogar zwei Millionen Euro locker. "Auf jeden Fall ist das ein Fortschritt gegenüber den Weltmeisterschaften in den vergangenen Jahren", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. 2007 in China wurde in fünf Stadien gespielt, 2003 in den USA in sechs. Der DFB machte damit sein Versprechen wahr, die WM "ins ganze Land zu bringen", Endspielort wird am 17. Juli 2011 Frankfurt am Main sein. Die Deutschlandkarte zeigt, dass flächendeckend verteilt wurde. Der Verband ließ aber auch Frustrierte zurück.

Erster Unmut kam bereits am Morgen auf. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper erfuhr, dass seine Stadt keinen Zuschlag für die Austragung bekommen würde, und er machte aus seinem Ärger darüber keinen Hehl. "Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir haben alle Bedingungen erfüllt. Ich bin darüber enttäuscht, dass man im Osten keinerlei Chance hat, wahrgenommen zu werden. Da kann man sich abrackern wie man will", sagte er, was wiederum dem DFB sauer aufstieß. Das Stadion hätte für drei Millionen Euro noch einmal umgebaut werden müssen, und der Ort wird ansonsten vom Verband immer reichlich mit Spielen bedacht.

Doch Trümper haderte auch damit, dass stattdessen Dresden ein Spielort 2011 sein wird, obwohl dort das Stadion noch nicht fertig gestellt sei. 2009 soll das der Fall sein. "Alle Bewerber haben die Bedingungen erfüllt. Aber wir konnten nicht alle berücksichtigen, denn jedes Stadion kostet Geld", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Das Turnier wirtschaftlich abzuschließen, wird ohnehin nicht leicht, ein Gewinn wie noch aus dem Spektakel 2006 (140 Millionen Euro) wird nicht erwartet.

Der DFB kalkuliert für die 32 Spiele und 16 Mannschaften mit einem Etat von rund 55 Millionen Euro. 2006 waren es 430 Millionen Euro bei doppelt so vielen Spielen und Teams. Öffentliche Gelder werden wie schon vor zwei Jahren nicht in Anspruch genommen, das Frauen-Budget wird nur über zwei Einnahmequellen gestemmt. So sollen 24 Millionen Euro von sechs nationalen Sponsoren fließen.

Eine Million Karten im Verkauf

Zwei hat der DFB schon fest an sich binden können, mit den restlichen vier gibt es verheißungsvolle Gespräche, die möglichst Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen. Die restlichen rund 30 Millionen Euro müssen über Ticketverkäufe erwirtschaftet werden. Eine Million Karten (2006 waren es drei Millionen) gehen in den Verkauf, der im nächsten Jahr beginnt. "Dieses Mal werden wir kämpfen müssen, 2006 hatten wir allein 40 Millionen Vorbestellungen", sagte Niersbach.

Die Fifa ist dennoch überzeugt, dass es in seinem Bestreben, den Frauenfußball salonfähig zu machen, keinen besseren Ausrichter als Deutschland geben kann. "Wir wollten das Turnier mitten in Europa zeigen, um den Wert zu steigern. Die Männer sollen etwas von ihrem Markt abgeben", sagte Fifa-Präsident Joseph Blatter. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Ähnliches im Sinn. Sie würde sich freuen, sagte sie, wenn Fußballfans, "die Namen der Frauen-Nationalspielerinnen bald genau so runter rattern können wie die der Männer."

Auf dass es heißt: Und mit der Nummer neun – Birgit...

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