26.09.08

Kolumne "Sterne des Südens"

Auch die Italiener schauen auf Sarahs Dirndl

Das mittlere Wochenende auf dem Oktoberfest ist das Italiener-Wochenende. Kein Zufall also, dass "Tuttosport" am Freitag Bayern-Star Bastian Schweinsteiger auf dem Titel hat. Angeblich, weil der Mittelfeldspieler aus München zu Juventus Turin wechseln will. Tatsächlich, um Schweinsteigers Freundin im Bild zeigen zu können.

Von Anja Schramm
Foto: picture-alliance / Sven Simon
Oktoberfest 2007: Bastian Schweinsteiger und seine Freundin Sarah Brandner
Oktoberfest 2007: Bastian Schweinsteiger und seine Freundin Sarah Brandner

Es ist mal wieder so weit, die Italiener kommen. Wie jedes Jahr in München. Das Oktoberfest steht vor dem zweiten Wochenende, dem Italiener-Wochenende. Dann fallen sie wieder ein die Luigis und Paolos, wie im Herbst 1989 die Trabis, sind es an diesem Wochenende die Wohnmobile aus Bella Italia.

"Fürs Oktoberfest lassen wir auch mal den calcio calcio sein", damit wirbt ein Reiseanbieter in Mailand. Am Sonntagabend spielt der AC gegen Inter Mailand, das Stadtderby also, Carlo Ancelotti gegen Jose Mourinho, viel wichtigere Spiele gibt es eigentlich nicht. Aber bis dahin sei man sowieso wieder zurück. Und mit einem zünftigen Rausch würde man gar eine Niederlage ertragen. Das alles steht in dem Prospekt. Die Macher scheinen wirklich nicht viel übrig zu haben für die Kakas und Mancinis, dafür umso mehr fürs "festa della birra".
Und so ein bisschen Oktoberfest hält auch in den Sportgazetten Einzug. Am Freitag zierte etwa Bastian Schweinsteiger das Cover von "Tuttosport", das ein Großteil des Hoheitsgebietes von Juventus Turin abdeckt. "Tuttosport" ist die Nummer drei im Sportblätterwald und nicht unbedingt die Zeitung, die ausschließlich mit seriösen Informationen hausieren geht. Und wenn man die Geschichte liest, die dahinter steht – es geht mal wieder um Schweinsteigers auslaufenden Vertrag am Saisonende und die angeblichen oder tatsächlichen, aber nicht belegten Bemühungen von Juventus, sich seine Dienste zu sichern, weil er doch schon Italienisch lerne in Klinsmanns Leistungszentrum. Wenn man das also alles liest, dann wird man den Eindruck nicht los, die Kollegen in Turin wollten auch nur ein Stück Wiesn in ihr Blatt schmuggeln.

Denn neben Schweini grüßt auch Sarah, seine modelnde Freundin von der ersten Seite, im roten Dirndl mit weißer Puffärmelbluse.

Außerhalb Italiens sei die Wiesn eigentlich nur noch in Bayern beliebter, so heißt es in München. Und am mittleren Wiesn-Wochenende stimmt auch das nicht, da gewinnen eindeutig die Italiener. Da heißt Benvenuti amici auf der Oktoberfest-Homepage, da kommen Polizisten aus Südtirol, die ihren Landsleuten im zünftigen Italienisch beikommen sollen. Und im letzten Jahr hatten sie gar Luca Toni eingespannt. Toni las die Verkehrsnachrichten für die amici aus Italia. Sie sollten doch bitte ihre Wohnmobile auf den extra dafür vorgesehenen Plätzen außerhalb der Innenstadt parken, parlierte Toni.

Auch die Bayern-Profis lassen sich einmal kollektiv auf dem Oktoberfest blicken, diesmal erst ganz am Ende, der englischen Wochen wegen. Zünftig mit Lederhosen und Dirndl für die Spielerfrauen, die am Tag danach in den Zeitungen lesen können, ob denn ihre Tracht den Ansprüchen genügt. Im letzten Herbst etwa erschien Schweinis Sarah in kurzer Krachlederner und kassierte dafür Schelte beim Dirndl-Check, obwohl es recht neckisch aussah. All das wird dann diskutiert in München.

Um Fussball geht es nur nebenbei

Und nebenbei geht es natürlich auch noch ein bisschen um Fußball. "Für die Wiesn lass ich auch mal meine Bayern zwei Wochen alleine", erzählte jüngst ein eingefleischter Bayern-Fan mit Jahreskarte einem TV-Sender, als er nach seinem ganz persönlichen Wiesn-Erlebnis befragt wurde. Er nehme extra Urlaub, und dann gehe es zwei Wochen lang auf die Wiesn, tagtäglich. Diesmal jedoch wurde er beim Anstich an jenem Samstag vor einer Wochen von argen Gewissenskonflikten geplagt, Bayern gegen Werder oder ein paar Maß Bier, er wollte eigentlich beides.

Er entschied sich fürs leibliche Wohl, ausgestattet mit Handy und einem Kollegen, dem er die Karte unter der Bedingung überließ, dass er ihn über jedes Tor informieren solle. Am Ende bekam er sieben SMS. Beim Anstoß prostete er noch mit "oans, zwoa, g'suffa" seinem Gegenüber zu. Aber dann, als er mehr SMS erhielt und seine Tischnachbarn immer mehr spotteten ob der Nachrichten aus der Arena, als die Bayern irgendwann 0:5 zurücklagen, dann haben sie ihm nur noch zugerufen "oans, zwoa, troffa". "Und das Pleitenpicheln", sagte er, "ja mei, selbst nach vier Maß tats noch weh."

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