Olympia
Deutsche Hockey-Herren schreiben Geschichte
Die Hockey-Herren haben die Ehre der deutschen Mannschaften gerettet. Mit einem hart erarbeiteten Erfolg über Spanien holte sich das Team von Bundestrainer Markus Weise Gold. Deutschland ist damit erst die zweite Nation nach Pakistan 1984, die als Weltmeister auch Olympiasieger werden konnte.
Von Robert Dunker
Den Krummstock, den er noch knapp eine Stunde nach seinem Tor vorher liebevoll geküsst hatte, flog über den Platz. Seine Kollegen folgten dem Ritual des deutschen Hockeystars und schleuderten glückselig ihre Spielgeräte von sich. Als die Hände frei waren, fielen sie sich in die Arme.
Das Tor von Christopher Zeller sollte das einzige im Spiel um die Goldmedaille bleiben. Das 1:0 in der 16. Minute durch den 23 Jahre alten Angreifer nach einer Strafecke sicherte der deutschen Mannschaft den dritten Sieg bei einem olympischen Turnier nach 1972 und 1992. Die Männer von Bundestrainer Markus Weise rehabilitierten zugleich den Ruf der arg gezausten deutschen Ballsportmannschaften, die wesentlich populärer sind. Die Kollegen vom Basketball und Handball mussten in Peking jeweils ein Scheitern in der Vorrunde verdauen.
Erst als zweite Mannschaft nach Pakistan 1984 konnte Deutschland als amtierender Weltmeister auch Olympiasieger werden. "Das ist ein großer Tag für das deutsche Hockey. Ich bin unendlich stolz auf meine Jungs, mit denen ich durch dick und dünn gegangen bin", jubilierte Weise, der selbst ein Stück Geschichte schrieb. 2004 wurde er als Coach mit den Hockey-Frauen Olympiasieger in Athen. "Das war bestimmt kein Fußballballett, was wir abgeliefert haben, aber wir haben großartig mit allen Spielern verteidigt."
Zweite Strafecke sitzt
Das Spiel war geprägt von Kampf und auch viel Krampf. "Es war unglaublich schwer", japste der Mannheimer Niklas Meinert nach Luft. "Wir haben den Sieg hart erarbeitet. Wir standen hinten sicher und haben am Ende das Ergebnis über die Zeit geschaufelt." Tatsächlich gab es nur wenige Lichtblicke in der deutschen Offensivabteilung. Nach einem Solo von Moritz Fürste über die rechte Seite gab es die zweite Strafecke. Zeller ließ sich die Chance diesmal nicht entgehen, nachdem sein erster Versuch in der fünften Minute noch abgeblockt worden war. "Hey, Goldmedaille, hey", schallte es aus dem deutschen Fanblock, in dem viele Freunde und Familienangehörigen saßen, und: "Flieger, grüß mit die Sonne."
Nach dem Rückstand fand Spanien besser ins Spiel, die deutsche Mannschaft zog sich weiter zurück und hoffte auf Konter. Torhüter Max Weinhold zeigte in der 19. Minute bei der ersten Strafecke von Santiago Freixa seine Klasse und hatte zwei Minuten später Glück, als Freixa nur den Pfosten traf.
Im zweiten Durchgang drängte Spanien zwar verstärkt auf den Ausgleich. Die ausgezeichnete deutsche Abwehr stand aber überwiegend sicher. Auf der Gegenseite hatte sie Pech, als Matthias Witthaus in einen Pass von Moritz Fürste hineinspritzte und an Torwart Francisco Cortes scheiterte (58.). Auch Philip Witte (61.) fand in dem Keeper seinen Meister. Dadurch wurde die Schlussphase noch einmal spannend, den Olympiasieg ließ sich das Team aber nicht mehr nehmen.
Krisensitzung nach dem Belgien-Spiel
Zwei Schlüsselerlebnisse ebneten den Weg zum Olympiasieg. Nach der verpatzten Direktqualifikation bei der EM mit Rang vier folgte ein Umbruch. Nur noch fünf Olympiafahrer von 2004 standen im Peking-Kader. "Wir mussten unsere Ziele neu überdenken, insofern war es doch ein Glück, dass wir uns nicht bei der EM qualifiziert haben", glaubt Philipp Zeller. Auch in Peking lief es zu Beginn des Turniers nicht reibungslos. Nach der Vorrundenniederlage gegen Belgien traf sich die Mannschaft zu einer Krisensitzung. Ohne den Trainer. "Wir wussten, dass es an unserer Einstellung lag. Da wurde Tacheles geredet", erinnerte sich Zeller, der nach dem Spiel mit seinen Teamgefährten ins Deutsche Haus verschwand. "Jetzt weiß ich, dass dieser Ruck ein Grundstein des Erfolgs war."
Auch für Trainer durchlebte einen manchmal schmerzlichen Lernprozess. Er hatte am Anfang seiner Mission vor zwei Jahren einen eher laxen Führungsstil angedacht. "Ich mindestens zwei kritische Phasen zu überstehen." Er unterschätzte die starken Persönlichkeiten, die unter Vorgänger Bernhard Peters herangereift waren. "Ich musste mit einer gewissen Dominanz zu Werke gehen", sagt Weise nun. Die Spieler akzeptierten seinen Führungsstil erst allmählich. "Ich bin nicht jemand, der ein Motivationsfeuerwerk abbrennt. Ich bin einer, der lieber Fragen stellt und die Spieler so zwingt über sich nachzudenken. Ich sage nicht, du musst dich reinhängen, sondern ich frage, bist du bereit, dich reinzuhängen?" Er bekam Antworten, allen voran von Florian Keller. "Er hat uns super eingestellt und mit seiner Art klasse motiviert", lobt der Berliner.
Weise wollte den zweiten Olympiasieg erst mal sacken lassen. Aber auch er sucht schon nach neuen Herausforderungen. Ein Engagement wie Peters im Fußball sei für ihn momentan kein Thema, wollte aber einen Branchenwechsel nicht generell ausschließen. "Das kann mal sehr interessant sein."
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