16.09.08

Gerhard Noack

"Ich habe in Vettel Michael Schumacher gesehen"

Kartsporthändler Gerhard Noack entdeckte Sebastian Vettel als Achtjährigen und förderte ihn auch finanziell. Bei Morgenpost Online spricht er über sein Verhältnis zum Sieger von Monza, Rennfahrer aus bodenständigen Verhältnissen und bittet den Rekordchampion Michael Schumacher um Hilfe.

Foto: EPA
Michael Schumacher und Sebastian Vettel
Vettel (l.) und Schumacher kommen aus bodenständigen Familien

Gerhard Noack war Förderer der wichtigsten deutschen Rennfahrer. Der 56 Jahre alte Rheinländer, der einen Kartsporthandel betreibt, entdeckte unter anderem die Schumacher-Brüder Michael und Ralf. Er ist auch erster Mentor des neuen deutschen Formel-1-Stars Sebastian Vettel, der schon als Kindergartenkind im Kerpener Kart-Klub "Graf Berghe von Trips" gegen ältere Konkurrenten um die Wette fuhr.

Morgenpost Online: Herr Noack, waren Sie Vettels Entdecker, Förderer oder Wegbegleiter?

Gerhard Noack: Ich bin der erste und einzige Entdecker. Ich habe ihn auf der Kerpener Kartbahn angesprochen, da war er gerade acht Jahre alt.

Morgenpost Online: Wie findet man talentierte Nachwuchsrennfahrer?


Noack: Jedenfalls nicht so, dass man mal eben auf die Kartbahn geht und sich einen neuen Schumi herauspickt, der an diesem Tag vielleicht das Rennen gemacht hat. Es ist ein langwieriger Prozess. Ich lebe für den Motorsport, gehe Woche für Woche zu den Rennen und habe Sebastian anderthalb Jahre beobachtet – dann kamen wir ins Gespräch. Er war ein Kunde von mir.



Morgenpost Online: Was hatte er, was andere nicht hatten?


Noack: Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Es gibt nicht das eine Manöver oder den einen Sieg, und du sagst: Das ist er. Ich habe Hunderte Talente kommen und gehen sehen, und in Sebastian habe ich eben den Michael Schumacher gesehen. Ich wollte den Traum noch mal erleben. Dann bin ich zu seinen Eltern gegangen.

Morgenpost Online: Um eine finanzielle Starthilfe für den Sohn anzubieten.

Noack: In der Bambini-Serie musst du pro Saison 10.000 Euro investieren, das steigert sich bis 750.000 Euro in der Formel 3. Das finanzielle Budget einer Familie ist da schnell ausgereizt. Es gab nie große Verhandlungen zwischen mir und den Vettels, es passierte alles auf freundschaftlicher Ebene. Vater, Mutter, Schwester, Sebastian und ich – es hatte immer einen sehr familiären Touch. Ich schaue mir auch das Umfeld eines Fahrers genau an, und das hat hundertprozentig gestimmt.

Morgenpost Online: Vater Norbert ist Zimmermann, Schumachers Vater Rolf war Pächter an der Kartbahn. Warum entstammen gute Rennfahrer oft bodenständigen Verhältnissen?


Noack: Ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass Rennfahrer aus einfacheren Verhältnissen die besseren sind. Die haben mehr Biss und mehr Durchsetzungsvermögen, weil sie wissen, dass ihre Familien große Opfer bringen. Im Gegensatz zu den Wohnzimmer-Playstation-Kindern, die alles mundgerecht serviert bekommen und ein neues Spielzeug, wenn sie halt mal keine Lust mehr aufs Kartfahren haben.

Morgenpost Online: Sie handeln doch auch nicht nur aus reiner Nächstenliebe, oder?

Noack: Ich bin kein Manager, darauf bestehe ich. Ich bin nicht gewinnorientiert, ich will nicht alle Investitionen auf Heller und Pfennig zurückbekommen. Ich bin Berater und helfe unter anderem dabei, Kontakte zu Sponsoren zu machen. Ich habe Freude daran, wenn ich sagen kann: Der Junge in der Formel 1 oder DTM war auch mal bei mir. Die schönste Art des Zurückzahlens ist für mich der Erfolg. Wie jetzt beim Sebastian.

Morgenpost Online: Wie ist Ihr Kontakt zu ihm?


Noack: Wir haben gerade miteinander telefoniert. Wir schicken uns SMS und vor dem Spa-Grand-Prix war er bei mir zuhause. Aber ich bin zu weit weg, als dass ich ihn immer noch beraten könnte.


Morgenpost Online: Michael Schumacher wird ja gern als größter Fan von Sebastian Vettel bezeichnet. War er auch ein Förderer?


Noack: Das stimmt leider nicht, auch wenn es so dargestellt wird. Wir haben ihn um Hilfe gebeten, da fuhr er noch für Ferrari. Aber von Michaels Seite kam nie etwas. Er hatte ja auch wenig Zeit. Jetzt hoffe ich, dass er als Ferrari-Berater seine Kontakte spielen lässt und Sebastian in sein Team holt.

Morgenpost Online: Bis 2010 hat sich Vettel ans Red-Bull-Team gebunden – nicht die erste Adresse im Fahrerlager.


Noack: Er hat das Gefühl, dass er etwas zurückgeben muss. Red Bull hat ihn lange gefördert. Wenn er in zwei Jahre, frei ist, ist er noch kein alter Mann. Außerdem gibt es die Möglichkeit, vorzeitig zu wechseln. Aber das wird er nur im gegenseitigen Einvernehmen tun. Er ist so anständig.

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