12.09.08

O2 World

Neue Heimat für die deutschen Meister

Am Sonntag bestreitet der deutsche Eishockey-Meister EHC Eisbären sein erstes Spiel in der Riesen-Arena O2 World, eine Woche später folgt Basketball-Champion Alba Berlin. Beide Hauptstadt-Klubs verbinden mit dem Umzug in die neue Halle große Ziele – sportlich wie wirtschaftlich.

Für die Störenfriede draußen vor der Halle hatten sie drinnen gar kein Verständnis. Eine erhabene Zeremonie sollte die Eröffnung der O2-World am Mittwochabend werden, doch einige versuchten, die gute Laune der geladenen Gäste zu verderben – nicht ohne einen gewissen Erfolg. Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, war genervt und fühlte sich genötigt, sein Missfallen über die Demonstranten zum Ausdruck zu bringen. Die hätten nicht verstanden, was die neue Multifunktionsarena am Ostbahnhof für die Stadt bedeutet. "Sie ist wichtig für die Zukunft Berlins."

Für den EHC Eisbären beginnt die Zukunft am Sonntag. 16.30 Uhr wird der Puck beim Spiel gegen die Augsburger Panther zum ersten Bully in der ausverkauften Arena eingeworfen – unter den Augen von 14.200 Besuchern. Noch nie haben in Berlin so viele Menschen ein Spiel des Meisters der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verfolgt. "Das ist eine neue Dimension", sagt Geschäftsführer Billy Flynn.

Großer Schritt aus Hohenschönhausen

Sein Klub vollzieht den Schritt nicht allein, auch Basketballmeister Alba Berlin wechselt den Standort und spielt nun in der O2-World. Der Sprung in die neue Welt ist für die Basketballspieler aber nicht ganz so groß wie für die Eishockeyprofis. Bislang war Alba in der Max-Schmeling-Halle zu Hause. Dort passten knapp 9000 Zuschauer hinein. Jetzt können 15.000 Menschen die Mannschaft erleben. Die Eisbären kommen hingegen aus einer kleinen, alten Eishalle, in der nicht einmal 5000 Besucher Platz hatten. Dort, im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen, musste der Verein nicht viel tun, um den Wellblechpalast voll zu kriegen. Der harte Kern war immer da – und für neues Klientel kein Raum. So bekam der Verein einen Ruf als Kiezklub und musste trotz der großen Erfolge in den vergangenen Jahren mit drei Meistertiteln bis zuletzt damit leben.

Geschichte sollen sie nun sein, die Zeiten der kleinen Eishockeyenklave tief im Berliner Osten. Mit dem Umzug vom Randgebiet in das Zentrum der Stadt soll ein neues Image her. "Wir wollen ein Klub für die ganze Stadt werden", sagt Flynn. Messbar wird der Anspruch an den Zuschauerzahlen. Flynn hat sich ein hohes Ziel gesetzt. Die Kölner Haie, mit 13.098 Gästen pro Spiel erfolgreichstes Hallenteam in Deutschland, wollen die Eisbären gleich in der ersten Saison überbieten. Dazu müssen sie ihren Zuschauerschnitt fast verdreifachen.

"Entertainment für die ganze Familie"

Flynn sieht darin kein Problem. In der 165 Millionen Euro teuren Arena, erbaut von Eisbären-Besitzer Philip F. Anschutz, soll den Berlinern nicht einfach Sport geboten werden, sondern eine Show. Damit will der Klub neue Zuschauerschichten anlocken. "Wir bieten Entertainment für die ganze Familie", sagt der EHC-Chef. Das laute, bunte Spektakel mit riesigen LED-Wänden hält Einzug in Berlin. Am Ostbahnhof ist demnächst ein Stück Amerika zu erleben.

Das war immer das Ziel des US-Milliardärs Anschutz. Als er die Eisbären 1999 übernahm, geschah dies in der Absicht, sie irgendwann in der eigenen Großarena spielen zu lassen. Dafür zahlte Anschutz jahrelang großzügig die Rechnungen des EHC, denn wirtschaftlich konkurrenzfähig war der Verein mit der kleinen Halle allein nicht.

Eisbären mit dem zweithöchsten Etat

Das wird sich nun ändern. Mehr Zuschauer und größere Marketingmöglichkeiten machen die Berliner erstmals finanziell unabhängig. "Am Ende des Jahres", sagt Flynn, "werden wir ein Plus haben". Und das, obwohl die Eisbären ihren Etat um mehr als eine Million Euro auf 7,5 Millionen erhöht haben. Nur die Adler Mannheim (acht Millionen) geben mehr Geld aus in der DEL.

Damit auch Anschutz mit der neuen Arena Geld verdienen kann, muss sie gut ausgelastet sein. Deshalb holten die Betreiber auch Alba in die Halle. Wie die Eisbären sehen die Basketballspieler, die am 21.?September gegen Quakenbrück ihre Premiere geben, dort eine große Zukunft für sich. Von einem "Aufbruch in eine neue Ära" ist die Rede und von einem "historischen Schritt" (Alba-Aufsichtsratschef Axel Schweitzer).

Alba will international Maßstäbe setzen

Mit dem Umzug will die erfolgreiche Basketball-Maannschaft vor allem international Maßstäbe setzen. Sie ist wieder aufgestiegen in die Europaliga, und das neue, wirtschaftlich attraktive Umfeld soll dem achtmaligen Deutschen Meister helfen, sich in der kontinentalen Spitze zu etablieren.

Internationalen Sport haben auch die Eisbären zu bieten. Der Meister nimmt an der neuen Champions League teil. Passender könnte der sportliche Rahmen für beide Vereine nicht sein in der ersten Saison im neuen Zuhause. Das findet auch Detlef Kornett, der Europachef des Anschutz-Konzerns. Als "würdige Heimat für wahre Champions" bezeichnet er die O2 World.

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