29.10.07

Fifa-Präsident Blatter

"Die Zukunft des Fußballs ist weiblich"

Am Dienstag vergibt die Fifa die kommende Weltmeisterschaft der Frauen. Um die Ausrichtung haben sich Deutschland und Kanada beworben. Präsident Joseph S. Blatter spricht bei Morgenpost Online über die Zukunft des Frauen-Fußballs und die deutschen Chancen auf die WM 2011.

Foto: AFP
Blatter

Morgenpost Online: Herr Blatter, welche Anforderungen stellen Sie an einen Ausrichter, und welche Hoffnungen verbinden Sie mit 2011?

Joseph Blatter: Die hervorragenden Einschaltquoten weltweit während der vergangenen Weltmeisterschaft der Frauen in China, die den außerordentlichen Zuschauerzuspruch in den Stadien sowie die ständig steigende Anzahl von Fußballspielerinnen auf der ganzen Welt widerspiegeln, sind der Beweis für den fantastischen Aufschwung im Frauenfußball insgesamt. Dies sind weitere ermutigende Nachrichten für all jene, die dem Beispiel der Fifa folgen und fest an die Zukunft des Frauenfußballs glauben. Frauenfußball hat ohne Zweifel seinen Platz im internationalen Fußball gefunden, muss aber diesen Erfolg auch in den kommenden Jahren weiter bekräftigen.

Morgenpost Online: Kommt der Frauen-WM 2011 deswegen eine außerordentlich große Bedeutung zu?

Blatter: Die nächste WM wird ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte. Es gilt, den großen Erfolg von 2007 abermals zu übertreffen. Zudem denkt die Fifa aufgrund der hervorragenden sportlichen Leistungen bei der vergangenen Frauen-WM in China darüber nach, das Teilnehmerfeld von derzeit 16 auf 24 zu erweitern. Mit 32, eventuell sogar 52 Spielen, benötigt der Gastgeber in vier Jahren eine hervorragende Stadioninfrastruktur. Aber die ist ja in beiden Ländern ohnehin vorhanden.

Morgenpost Online: Was sind Ihre Visionen für den Frauenfußball?

Blatter: Schon seit 1995 betone ich, dass die Zukunft des Fußballs weiblich ist, und die Ergebnisse unserer jüngsten Studien bekräftigen meine These. Diese haben gezeigt, dass mittlerweile Frauen in allen Ländern der Welt Fußball spielen können. Sie spielen selbst in Ländern Fußball, wo sie aus kulturellen Gründen nicht in der Öffentlichkeit spielen dürfen. Fußball hat die Kraft, kulturelle und soziale Barrieren zu beseitigen und hilft dabei die Akzeptanz von Mädchen und Frauen in der Gesellschaft zu fördern.

Morgenpost Online: Sehen sie die wachsenden Mitgliederzahlen im Frauenfußball als Trend oder als Strohfeuer?

Blatter: Weltweit spielen mittlerweile 26 Millionen Frauen Fußball, dies sind zehn Prozent aller Fußballspieler. Die Zuwachsrate bei registrierten Spielerinnen liegt gar bei 54 Prozent. Mit der U17- und der U20-WM der Frauen im nächsten Jahr haben wir nun die gleichen Strukturen geschaffen wie im Männerfußball, um diese Disziplin global auf gleiches Niveau zu bringen.

Morgenpost Online: Mit Kanada wäre bei der sechsten Weltmeisterschaft zum dritten Mal ein Ausrichter aus Nordamerika Gastgeber. Besteht bei der Vergabe das Bestreben, ähnlich wie im Männerfußball, das Turnier reihum an die Kontinente zu vergeben?

Blatter: Das Rotationsprinzip wurde nur für die Weltmeisterschaft der Männer eingeführt und wird am 30. Oktober im Exekutivkomitee der Fifa erneut besprochen. Für alle anderen Weltmeisterschaften für Jugend, Frauen, Futsal und Beach Soccer werden die Austragungsländer unter Kandidaten aus allen Konföderationen ausgewählt. Entscheidend ist dabei, dass die Events dazu genutzt werden, in dem Austragungsland ein nachhaltiges Erbe zu hinterlassen, das den Sport weiter fördert. Dies beinhaltet die Unterstützung der Regierung, die Einbettung in Förderprojekte auf lokaler und kommunaler Ebene als auch eine entsprechende Infrastruktur.

Morgenpost Online: Was spricht für Deutschland, was für Kanada?

Blatter: Beide Kandidaten haben in der Vergangenheit mit der Ausrichtung von Fifa-Events ihre Qualitäten gezeigt, und wir haben keinen Zweifel, dass beide mehr als kompetent sind, eine erfolgreiche Weltmeisterschaft zu organisieren. Deutschland muss man dabei nicht besonders erwähnen. Kanada hat dieses Jahr die U20-WM organisiert und nicht nur 1,1 Millionen Zuschauer in die Stadien gezogen, sondern zugleich auch das erfolgreichste Sportereignis in Kanada in den Annalen verewigt.

Morgenpost Online: Aber einer muss im Vorteil sein?

Blatter: Sehen Sie, beide Nationen haben eine hervorragende Stadieninfrastruktur und enthusiastische Fans, nicht zu sprechen von den engagierten bewerbenden Nationalverbänden und der Unterstützung der Regierung. Ich bin überzeugt, dass beide Länder eine fantastische WM organisieren können.

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