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Ronaldo braucht Alex Ferguson
Als Fachmann macht es Spaß, Ronaldo zuzuschauen. Er ist schnell, dynamisch, durchsetzungsfähig. Er schießt beidfüßig, ist stark bei Standardsituationen. Seine Lehrzeit in England hat er beendet, dank seines Trainers bei Manchester United - Alex Ferguson.
Von Lucien Favre
Auf das Viertelfinale von Deutschland gegen Portugal freue ich mich. Es ist ein Vergnügen, Spieler wie Cristiano Ronaldo zu sehen. Bei der Frage, was ein Star ist, gibt es ja verschiedene Blickwinkel. Ronaldo ist einer wie David Beckham. Einer, der aus seinem Sport heraustritt und eine Ikone seiner Zeit wird. Ronaldo gibt es nicht nur im Trikot von Portugal auf überdimensionierten Plakaten auf Hochhäusern. Er findet sich auch in Lifestyle-Magazinen in Spanien und England, er oben ohne am Mittelmeer-Strand mit einem Topmodell kuschelnd. Diese Inszenierungen sind gut für den Fußball, für die Betroffenen aber manchmal problematisch.
Als Fachmann macht es Spaß, Ronaldo zuzuschauen. Er ist schnell, dynamisch, durchsetzungsfähig. Er schießt beidfüßig, ist stark bei Standardsituationen. Er liebt das Spektakel, manchmal zaubert er für die Galerie. Das ist aber weniger geworden. Da sehe ich den klaren Einfluss von Alex Ferguson, seinen Trainer bei Manchester United.
Ronaldo hat seine Lehrzeit in England beendet. Heute spielt er viel mehr für die Kollegen als früher. Ich erinnere nur, wie er beim 3:1 gegen Tschechien statt selbst zu schießen, den Ball für Ricardo Quaresma aufgelegt hat.
Ronaldo hat sich unter Ferguson extrem entwickelt. Mittlerweile spielt er nicht nur auf der linken Seite, sondern auch auf der rechten. Er kann im Sturm spielen oder den Spielmacher geben. Trotz seiner erst 23 Jahre hat er mit ManU schon Titel gewonnen: zwei Meisterschaften in England und die Champions League. Da hat Ronaldo sich wiederholt in den Dienst der Mannschaft gestellt. Das zeigt, dass er nicht nur ein guter Fußballer, sondern ein echter Champion ist.
Das erstaunliche ist: Er ist noch nicht mal fertig in seiner Entwicklung. Ronaldo hat so viele Anlagen, dass er sich noch verbessern kann – wenn er ehrgeizig bleibt.
Deshalb hoffe ich, dass er nicht zu Real Madrid wechselt, sondern bei Manchester bleibt. Die Autorität von Ferguson tut Ronaldo gut.
Die Beispiele Beckham oder sein Namensvetter Ronaldo, der Weltmeister aus Brasilien, zeigen: Es geht auch für Stars schnell bergab.
Ronaldo war beim AC Mailand der beste Stürmer der Welt. Doch wie Beckham hat er die Konzentration auf Fußball verloren. Zu viel Modeln, zu viele Werbetermine, zu viele TV-Auftritte.
Das raubt Energie, die beim Fußball fehlt. Die Gefahr sähe ich bei Real Madrid für Cristiano Ronaldo. Wenn er jetzt dorthin wechselt, wird er von vielen Titelseiten lächeln und hochdotierte Werbeverträge bekommen.
Wenn ich aber lese, dass Ronaldo in Manchester 210.000 Euro verdient – pro Woche, dann geht es bei diesen Terminen wohl nicht nur um Geld, sondern auch um Eitelkeit. Es wäre schade, wenn er am Ende seiner Karriere bedauern sollte, dass er seine Möglichkeiten im Fußball nicht voll ausgeschöpft hat.
Lucien Favre (50) ist ehemaliger Schweizer Fußball-Nationalspieler. Als Trainer gewann er in der Schweiz mit Servette Genf und dem FC Zürich zweimal den Pokal und zweimal die Meisterschaft. Seit 2007 ist er Trainer von Bundesligist Hertha BSC. Für die Berliner Morgenpost kommentiert Favre die EM 2008 als Kolumnist.
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