Achte Liga

Warum "Icke" Häßler wieder ganz unten anfängt

Thomas Häßler soll für den Club Italia der erste Mosaikstein auf dem Weg zur Fußball-Marke werden. Einen zweiten gibt es bislang nicht.

Ein Weltmeister in der Bezirksliga: Thomas Häßler trainiert jetzt Club Italia

Ein Weltmeister in der Bezirksliga: Thomas Häßler trainiert jetzt Club Italia

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin. Es ist die Ode an Brandenburg des Liedermachers Rainald Grebe, die einem sofort in den Sinn kommt. Hat Thomas Häßler tatsächlich das Autohaus in Pankow nicht gefunden, in dem er seit einer Viertelstunde als neuer Trainer des Bezirksligisten Club Italia vorgestellt werden sollte?

Als er schließlich in Jeans und Dreitagebart auftaucht, wird klar, der morgendliche Verkehr in Berlin hat die Ankunft verzögert. Den Roten Teppich, auf dem die Kamerateams auf ihn warten, meidet er, Häßler nimmt den Hintereingang.

Vorn, auf dem Podium, zeigt der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 vor allem eines: Dankbarkeit gegenüber "dem Eric und dem Laurence, dass sie mir die Chance gegeben haben, den Verein neu zu strukturieren und aufzubauen", sagt "Icke" Häßler, "andere Angebote hatte ich nicht". Der Eric und der Laurence, damit sind Eric Meissner, seit August Vorstand Sport beim Club Italia, und Vizepräsident Laurence Hein gemeint.

Meissner (43), einst selbst Spieler bei Italia und als Trainer beim Berliner AK, Türkiyemspor oder dem 1. FC Neubrandenburg aktiv, will Italia "in acht bis zehn Jahren im Idealfall in die Dritte Liga" geführt haben. Ein hehrer Anspruch für einen Verein, der sportlich gerade an der Kante zur Neuntklassigkeit steht.

Glaubwürdig soll es zugehen, kein "nervöses Hoch und Runter" geben, so Meissner, der sich selbst als Optimist bezeichnet, "sonst wäre ich hier völlig falsch". Auch oder gerade deshalb dürfte Häßler geholt worden sein, um Geldgeber zu akquirieren.

Marketing-Manager soll Konzepte entwickeln

Etwaige Brausehersteller wird man folglich auf der Sportanlage Westend am Spandauer Damm nicht begrüßen dürfen. Dafür aber zumindest ein Konglomerat verschiedenster Gönner, mit denen sich der Aufschwung planen lässt?

"Meine erste Aufgabe war, einen Marketing-Manager einzustellen, der entsprechende Konzepte entwickelt", erklärt Meissner. Mit anderen Worten: Für das Vorhaben, Club Italia zu einer "Marke" (Meissner) zu machen, fehlt es derzeit sowohl an einem ausgereiften Plan als auch an Sponsoren von signifikanter Solvenz.

Häßler, das wird schnell klar, ist derjenige, von dem man sich die entsprechende Wirkung erhofft. "Man muss erst mal seriös denken", sagt Meissner, "und seriös heißt, dass wir nächstes Jahr anfangen, in der Bezirksliga zu spielen. Alles weitere wird man sehen."

Häßler: "Ich bin Professionalität gewohnt"

Dafür gibt es klare Vorstellungen, wie die künftige Spielweise aussehen soll, mit der Italia die Plätze Berlins erobern will. "Ein Tor schießen, zu Null spielen und die Zuschauer mit tollem Fußball begeistern", erklärt Meissner.

Als früherer Technik-Coach beim 1. FC Köln sowie ehemaliger Co-Trainer Nigerias und des iranischen Klubs Padideh Maschad dürfte Häßler wissen, was zu tun ist. Eines ist jedenfalls sicher: "Ich bin Professionalität gewohnt, und das möchte ich auch bei meinen Spielern haben. Sie sollen nur noch Fußball denken, Fußball leben, dass an erster Stelle nur noch Fußball ist", fordert Häßler.

Immer wieder spricht er von einer spannenden Aufgabe. Nachvollziehbar bei einem Kader voller Amateurspieler, die abseits des Platzes einem Studium oder Beruf nachgehen.

Kontakt durch Ex-Teamkollege Paul Steiner

Bleibt die Frage, warum sich ein Weltstar (Spieler in Köln, Turin, Rom, Dortmund) in die Niederungen der achten Liga aufmacht. "Man hat etwas zu tun, oder soll ich zu Hause sitzen und die Wände anstarren? Ob siebte, achte oder zwölfte Liga, Hauptsache man hat eine Aufgabe", so Häßler, der bei Italia im Sommer anfängt (Vertrag bis 2018).

Der Kontakt kam übrigens über Häßlers alten Teamkollegen und WM-Mitstreiter Paul Steiner zustande. Dessen Sohn Mirko lebt seit zehn Jahren in der Hauptstadt und ist mit Italia-Sportvorstand Meissner befreundet.

Dass Mirko Steiner im Zuge des Kader-Umbruchs in der Winterpause mit Mike Schulz und Philip Malinowski gleich noch zwei Spieler aus der von ihm geführten Spieleragentur mitbrachte, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

"Wichtig für mich ist, dass ich wieder auf dem Platz stehe, dass ich wieder etwas tun kann. Man bleibt fit und in Bewegung", sagt Häßler. Kein Zweifel, er freut sich auf die Rückkehr zu seinen Wurzeln. Halleluja Berlin.

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